Archiv für September 2011

Freitag, 30. September, 17.45 Uhr.

„Stammtisch“ schon lange geschrieben und online. Ob’s BVB- und/oder Bayern-Fans ärgert? Gleich spielt die Eintracht. Vorher noch zwei Reaktionen auf den „Staatsdoping“-Anstoß, der erste von einem beständigen, „anstoßenden“ Begleiter der gw-Texte, der zweite von einer alten Kolumnen-Bekannten, die sich nach Jahren erstmals wieder meldet. Ganz zum Schluss eine Menge Text – ein Mail-Dialog, der den Wer bin ich?-Macher herausfordert. Auf geht’s.

 

 

Mit den „Gesammelten Werken“ ist eigentlich alles zum Thema gesagt; abschweifend allerdings gerade noch überlegt, ob „Staatsdoping“ eine korrekte Form ist, denn der Staat (und seine -diener) werden ja nicht gedopt – auch wenn es manchmal vielleicht angebracht wäre, um Leistung zu steigern.
Mit Griechenland versucht man es ja derzeit, aber auch da wird die Dosierung immer höher und ein Ende ist nicht abzusehen… Ich muss zugeben, dass ich mir immer mehr wie ….. (Vermeidung von Kraftausdrücken) vorkomme.

Apfelwein statt Radfahren, eine interessante Alternative; und um auf das angeregte WBI-Treffen zurückzukommen: WBI-Treffen mit gw-Apfelwein! Das würde eine Sause! Wobei meine Einstellung zu solchen Treffen zwiespältig ist, ich finde es im Moment fast spannender, zu überlegen, wie wohl die übrigen Teilnehmer bei den Aufgaben an die Arbeit gehen. Je nach Verlauf könnte aber bei 25. oder 50. mal daran gedacht werden. WENN, dann allerdings nur mit Ihrer Teilnahme!

Jetzt noch etwas Radfahren und Sonne ausnutzen – man muss nur wegen der Blendung höllisch aufpassen!

Gutes Gelingen beim Äpfelpressen und Stammtisch und Montagsthemen…. und und und  (Walther Roeber)

 

 

Vor vielen Jahren hatten wir kurz Emailkontakt, da ging es um Doping (Jan Ullrich) und Radsport. Wir hatten uns damals auch darüber unterhalten, wie Bekanntes nicht berücksichtigt wird und wie so gerne getan wird, als wäre alles neu. Da mich daran so einiges störte, mich regelrecht ärgerte, begann ich im Internet so nach und nach Bekanntes aufzuarbeiten und zusammenzustellen. Ihr Sport-Leben taucht darin auch mehrmals auf. Bis jetzt ist da einiges zusammen gekommen.

Heute las ich Ihren Kommentar zum Forschungsbericht und habe das Bedürfnis, mich wieder einmal zu melden. Denn Sie sind einer der wenigen, der klar formuliert, dass der Skandal in der Nichtbeachtung der lange bekannten Fakten liegt. Danke dafür.
Sollten Sie die Seite nicht kennen, auf der ich schreibe (unter Maki), hier ist sie.
http://www.gazzetta.cycling4fans.de/index.php?id=536
http://www.gazzetta.cycling4fans.de/index.php?id=5404 (Monika Mischke)

 

 

Sehr geehrter Herr GW!
Hiermit fing alles an, Anfang August:

Mann düst auf Skirollern auf Autobahn 71 zum Benzinholen

 

Mellrichstadt – Auf besonders sportliche Art hat ein junger Norweger auf der Autobahn 71 bei Mellrichstadt (Landkreis Rhön-Grabfeld) Benzin für sein liegengebliebenes Auto besorgt.

Dem Mann sei kurz vor der Tankstelle Richtung Thüringen der Sprit ausgegangen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag in Würzburg. Statt zu laufen, habe sich der sportliche Mann kurzerhand seine Skiroller und die Skistöcke geschnappt und sei damit schwungvoll auf dem Seitenstreifen zum Rasthof gelaufen.

Erst auf dem Rückweg und wenige hundert Meter vor dem liegengebliebenen Wagen entdeckte die Polizei den Sportler. Der Norweger musste ein Verwarnungsgeld zahlen und durfte danach weiter fahren – im Auto. dpa

Ich schreibe die Geschichte an Peter Gehrmann weiter. Peter ist 72, Ex-Polizist, Ex-Bundestrainer im Orientierungslauf (OL)), 9-facher Wasalauf-Teilnehmer (einmal hatte ich die Ehre, mit ihm teilnehmen zu können.), Kommentator des Wasalaufs im schwedischen Fernsehen, Buchautor, Liedermacher, Entdecker einer Ex-Weltrekordlerin im Marathonlauf, Erfinder des Hermannslaufes in Bielefeld, und: mein Freund.

Peter lacht sich mit mir zusammen tot, denn er ist immer für eine gute Geschichte zu haben.

Dann kommt der Polizist durch und Peter ermittelt:
Sein alter Schwedenkumpel Lennart weiß nichts, aber Björn-Axel Gran, Norweger, Ex-Deutscher Bundestrainer im OL, verheiratet mit Deutschlands einziger OL-WM-Medaillengewinnerin Frauke Schmitt-Gran (1999, Schottland) ist informiert:
Norwegische Medien berichten bereits vom autobahn-rollernden Thomas Nordhug, dem kleinen Bruder von Petter Nordhug.
Petter saß ebenfalls im Auto und die deutsche Polizei wusste nicht, wer ihr da ins Netz gegangen ist.
Wir lachen uns tot…

Doch Peter bleibt am Ball:
 

Hallo Götz,

da hast Du aber etwas ins Rollen gebracht mit Deinem Skirollerfaherer auf der BAB.
Insgesamt ist folgenden gelaufen:
Du schreibst mir:  Da war was Bescheuertes
Ich schreibe Bjaxel: Warst du das?
Der schreibt zurück, ich nicht…aber
Ich schreibe den Autobahnkollegen: Wißt Ihr eigentlich, wenn ihr da hattet?
Die schreiben zurück: Das ist ja der Hammer, kannst Du mehr besorgen. Wir wollen publizieren.
Ich frage Bjaxel, wie , was wo?
Der schickt mir die folgenden Links zurück, die mich vom Hocker hauen und an denen sich jetzt die Kollegen die Zähne ausbeißen.
und hier die Kontaktmöglichkeit zum Northug-Team.
Homepage: http://www.teamnorthug.no/
Pressekontakt: http://www.totalconsult.no/ansatte/totalconsult_trening_otto_ulseth/
Der Artikel des (schwedischen) Expressen, den ich am besten lesen konnte
 
 
Wat ßachste jetz, Kelle ?
Herzlich grüßt

Peter“

So, Herr GW, der Rest ist ihre Sache. Viel Spaß bei der Recherche.

Sie müssten doch auch Arne Leibusch kennen.
Im Deutschen OL lebt Arne Leibusch immer noch weiter. Es ist ein jährlich wechselnder Lauf, bei dem immer eine Besonderheit eingebaut sein muss, bei der man um die Ecke denken muss. Dem Sieger winkt ein 17kg schwerer potthässlicher Pokal und jede Menge Ruhm und Ehre. Ich durfte den Arne-Leibusch-Pokal einmal gewinnen und damit ihn im Folgejahr auch ausrichten.
Siehe Anhang.
Fußball kann jeder… (Götz Hofmann)

Wirklich eine irre Sache. Hab’s jetzt nur überflogen, weil ich im „gelöschten“ Ordner, in dem Ihre Mail aus welchem Grund auch immer gelandet ist, etwas gesucht habe. Werde mich in den nächsten Tagen zu informieren versuchen.
Dankeschön. gw

 

Bei Ihren ganzen schönen kniffligen Rätseln (kann kaum etwas aus dem Stand heraus lösen) nun also mit Arne Leibusch und dem Autobahn-Skiroller etwas Arbeit für Sie…
Bei Bedarf können Sie sich aus den anderen Geschichten gerne bedienen.
Gestohlen ist nichts, gelogen ist nichts: Das habe ich nicht nötig. Viel Spaß (Götz Hofmann)

 

Tja. Da hab ich in einer demnächstigen stillen Stunde ganz schön was zu tun. Oder hilft mir jemand und schreibt seine Geschichte dazu?

Veröffentlicht von gw am 30. September 2011 .
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Donnerstag, 29. September, 18.50 Uhr.

Ersatzbefriedigung: Apfelwein selbst machen. Auf den Streuobstwiesen rund ums Dorf Äpfel gesammelt (mit Erlaubnis der Besitzer bzw. vom eigenen Baum). Die fünf alten Glasballons gespült, Gärröhrchen und Aufsätze gereinigt. Termin in der Dorf-Presse: Samstag. Innerfamiliäre Unterstützung für den Lädierten wird nötig sein. Für danach der Plan:  „Hessische“ Methode, alles Natur, ohne Hefe und Schwefel (wär‘ sowieso zu kompliziert für den Amateur).  Fortgang wird reportiert.  Hier, im Blog „Sport, Gott & die Welt und das Apfelwein-Keltern“.

Immer wieder: Dankeschön für gemailte Leser-Reaktionen, deren Art, Niveau, Originalität und Informationswert andere Zeitungen und Blogs neidisch machen können – und mich stolz auf unsere Leser.

Hallo gw, habe“ Wer bin ich“ schon online gelesen und dass Sie bei diesem Wetter nicht Rad fahren, wirklich Folter. Mein Mann fährt auch mit Herrn Tamme und ist auch jetzt mit Freunden natürlich viel unterwegs. Ihre Meinung zu Doping im Sport ist ja seit Jahren bekannt und wird geschätzt.  Wir haben gestern Abend auf Servus TV (gibt es wirklich) eine Dokumentation zum diesjährigen Ötztaler Radmarathon gesehen, der ja über 238 km, 5.500 Höhenmetern und 4 Bergen besteht und wo wirklich viele Freizeitsportler mit einigen Kilos Übergewicht mitfahren. Frank Wörndl hat seinen Freund Jan Ullrich dazu gebracht, dort mitzufahren, er zwar auch, aber natürlich keine Chance auf einen vorderen Platz. Aber wer diesen Jan Ullrich wieder mal gesehen hat und wieviel Spass er dabei hatte, kriegt noch mehr Wut, wenn man weiß, wie lange ein Lance Armstrong noch weiter gefahren ist. Nun, Herr Roeber schreibt ja, man weiß nicht welche Verfahren noch anhängig sind, stimmt ja auch,  trotzdem hat es mir auch mal wieder Spass gemacht, ihn auf dem Rad zu sehen. Sie beschäftigen sich ja seit langem mit diesem Thema und wissen daher am besten, wie es bei Leistungssportlern mit Doping bestellt ist und die vielen neuen „Erkrankungen“ zeigen dies ja auch auf. So, ich wünsche Ihnen schnelle Besserung, das Wetter hält noch eine Woche! aber Sie fahren ja auch, wenn sich Fuchs und Hase verkriechen. Von daher, ich grüße Sie (Doris Heyer)

Veröffentlicht von gw am 29. September 2011 .
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Mittwoch, 28. September, 18.15 Uhr.

„Wer bin ich?“ steht schon online, der Staatsdoping-Anstoß für Freitag ist ebenfalls schon geschrieben, da kann ich morgen Pause machen und meine Wunden lecken. Erster freier Donnerstag ohne Radfahren. Schluchz. Und das bei diesem Wetter.

Der Staatsdoping-Anstoß ist geschrieben? Abgeschrieben. Aus eigenen Ergüssen aus Jahrzehnten. Eigentlich gehört die Freitags-Kolumne also in die Serien-Rubrik „Nachdruck“. Alter Wein in alten Schläuchen. Will nicht so tun, als wäre es neuer Wein in neuen Schläuchen. Sonst würde ich ja selbst darauf hereinfallen, dass die „neuen Enthüllungen“ neue Enthüllungen seien. Daher stur auf früh Geschriebenes beschränkt. Habe mir auch vorgenommen, nicht noch einmal darauf anzuspringen. Für mich ist die Sache erledigt. Sorry also auch, was die Fragen angeht, die in der Mail von Walther Roeber auftauchen, der auf den gestrigen Blog-Eintrag reagiert:

Das hat ja wieder gesessen. Ich hatte mich schon den ganzen Tag über gewundert, dass es noch keine Reaktion Ihrerseits auf die „sensationellen Enthüllungen“ gab.
Einige Gedanken dazu, ich erwarte da keine direkten Antworten, aber vielleicht können Sie (das liegt natürlich in Ihrem Ermessen) im Blog oder auch im Blatt zum einen oder anderen Punkt Stellung beziehen oder auch noch weitere Aspekte einbringen.
Sind Sie eigentlich im Rahmen dieses Projekts persönlich angesprochen worden? Ich gehe davon aus, dass Ihre Offenheit im Umgang mit dem Thema bekannt sein dürfte – und heute spielen die Äußerlichkeiten (Gienger sah damals vielleicht besser aus) wohl auch keine Rolle mehr.
Ist mein Eindruck richtig, dass es mindestens 3 „Fraktionen“ (vielleicht auch mehr, je nach Differenzierung) gibt, die mit dem Thema Doping höchst unterschiedlich umgehen?
Da sind die „Alten“, teilweise schon verstorben (Reichenbach, Daume z.B.) , deren Aufzeichnungen vielleicht auch gar nicht zugänglich sind, bzw. deren Einstellung zum Themenkomplex nur interpretiert werden kann.
Da sind die „Funktionäre“ (ich schließe da Trainer, Funktionäre, Ärzte usw. ein),  die teilweise sicher ungeheuren Druck auf die Aktiven ausgeübt haben, sei es nun wegen der zu „erbringenden Leistung“, sei es in guter Absicht bei Regeneration und Heilungsprozessen; die haben aber für sich selbst mit den Wirkungen wenig zu tun gehabt.
Da sind die „damals Aktiven“, die – wie Sie – inzwischen offen mit dem Thema umgehen und eine sachliche Diskussion darüber betreiben, und die, die alles „verteufeln“, was da getrieben wurde und die, die sich gar nicht äußern – wobei die Gründe sicherlich vielfältig sein können. Wo sind die damaligen Spitzensportler, die heute als Journalisten, als Funktionäre, als Politiker in der Öffentlichkeit stehen und sich „outen“ könnten oder auch die, die heute ein mehr oder weniger unauffälliges Leben führen und dennoch ihr Teil zur Aufklärung beitragen könnten? Leiden Sie persönlich heute noch unter direkten oder indirekten Nachwirkungen dieser damals eingesetzten Mittel?
Bei der aktiven Generation scheint es auch unterschiedliche Tendenzen zu geben: Es wird sehr viel Staub aufgewirbelt, der der Verschleierung dient bzw. sie sind Teil einer Maschinerie oder eines „Konkurrenzkampfes“, was bringt mir einen Vorteil und ist möglichst nicht nachzuweisen, bzw. wie kann ich vermeiden, erwischt zu werden. Dabei geht es natürlich auch immer um viel Geld… Charakter und Moral treten in den Hintergrund.
Ich weiß nicht, welche Verfahren z.B. bei Jan Ullrich derzeit noch anhängig sind, aber er könnte z.B. „Größe zeigen“, wenn er wirklich offen die Karten auf den Tisch legen würde. Lance Armstrong hat sich schon so verstrickt, der kommt aus dem Gewirr nicht mehr heraus. Die Aktiven stehen unter einem solchen Druck, dass sicherlich hinter einer Fassade vieles passiert, was man als Außenstehender gar nicht mitbekommt oder mitbekommen soll. Wie weit das dann Doping zu nennen ist, ist auch eine Frage der Definition; dient etwas der Leistungssteigerung, dient es der Wiederherstellung oder auch „nur“ der Ruhigstellung.
Vielleicht sehe ich es zu pessimistisch, aber ich bin ziemlich fest davon überzeugt, dass gerade im Bereich etwas unterhalb des „Spitzensports“ noch eine ganz erhebliche Grauzone herrscht, weil dort viele auf den Durchbruch nach oben hoffen, und dazu bereit sind, „alle Möglichkeiten“ auszuschöpfen. (Walther Roeber)

Veröffentlicht von gw am 28. September 2011 .
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Dienstag, 27. September, 18.30 Uhr.

Mit mir älter gewordene Leser ahnen es, vielleicht bangen sie sogar (»Nicht schon wieder!«): Die »brandaktuelle« Nachricht der Woche, dass es Staatsdoping in der alten Bundesrepublik gegeben hat, ist der ururalte Hut, den ich aus dem Archiv hole und mir wieder aufsetze – am Freitag im »Anstoß« (am Donnerstag kommt erst mal, wie angekündigt, »Wer bin ich?« dran; Auflösung und Top 10; am Donnerstag drauf folgt Runde 17). Den Titel hab ich schon: »Auch bei uns gab es Staatsdoping.«  So soll’s weitergehen im Text: »Ziemlich lahme Überschrift, oder? Ist doch DIE Meldung der Woche und seit Tagen in allen Zeitungen zu lesen. Unterschied: Unsere Überschrift ist nicht aktuell, sondern stand schon am 28. September 1991 im Blatt.«
Manche Leser wird’s langsam nerven, aber das Risiko gehe ich ein, denn wer sich jetzt erst für das Thema interessiert, weil er zu jung ist oder früher keinen »Anstoß« gelesen hat, wird sich wundern und kann die »neuen« Nachrichten besser einordnen. Dass ich glaube, nein, weiß, mich im Thema besser auszukennen als andere, ist keine Überheblichkeit, sondern die Ungnade der anabolen Geburt. Nachzulesen seit zehn Jahren auch im Link »Sport-Leben«, eingeflossen auch in den (scheinbar nur mittelhessisch regional harmlos begrenzten) Krimi »Seemannsköpper«.

Und nun zu einem ganz anderen Thema, sogar dreien, Reaktionen auf Blog-Einträge bzw. Kolumnen. Beim dritten Thema halt ich mich raus. Schaun mer mal. Der Wunsch nach »Verdecktheit« aber bleibt.

 

 

Diese furchtbar schnellen Neutrinos sind »etwa« 0,0025 % schneller als das Licht, vergleichbar also der Differenzgeschwindigkeit zweier sich überholender LKW auf der Autobahn. Offenbar ist der Veröffentlichungsdruck auf Wissenschaftler inzwischen so groß geworden, dass man auf die Anwendung der Fehlerstatistik (üblich bei Messungen aller Art)gerne verzichtet. (Johann Baptist Schneiderbauer)

 

Ich habe es jetzt erst gelesen, weil ich mir keinen Reim drauf machen konnte, was passiert ist, da ich wegen besagten Bologna-Aufenthaltes nicht den Freitagsblog gelesen habe. Ich wünsche einen guten und soweit es möglich ist schmerzfreien Heilungsverlauf. Sie haben recht, bis auf einen folgenlosen dabbischen Sturz über eine Bordsteinkante und ein unverschuldetes Wegrutschen auf einem Bahnübergang bin ich bisher verschont geblieben.
Dieser Duathlon war echt eine feine Sache und sehr gut organisiert. Es war mir eine Freude, manch einen mit Zeitfahrmaschine angetretenen (spaßbefreiten) Crack hinter mir zu lassen. Da denk ich mir immer, wenn die wüssten, wie ich mich vorbereitet habe. Und wenn ich mich hinterher dann (leider) meinen Suchtgelüsten hingebe, gucken manche ganz schön blöd. (Andreas Kautz)

 

Bin ich berufen, auf die Vorschläge im letzten Blog zu antworten? Nein. Nein? Aber es sind doch liebevolle, auch interessante Vorschläge, die eine Antwort verdienen. Nichts schlimmer als ins Leere zu laufen.
Der Hölderlin – Experte? Nun ja, war er einmal, 40 Jahre ist es her. Dazwischen vieles andere getan, nichts Geisteswissenschaftliches. Knüpfe erst jetzt wieder an – nicht zuletzt angeregt durch Sie, g.w. Was sagt denn Hölderlin zum Vorschlag eines Treffens? Schnell einmal in die »Hälfte des Lebens geschaut«. Da steht es dann. Man muss es nur metaphorisch lesen. Der Sommer, die nüchternen Wasser, die Birnen, die Stimmung, das ist »Der Anstoß – Blog« – die zweite Hälfte, also für Hölderlin nicht nur das Alter, sondern auch die »eiskalte Zone« (Hyperion) der Lebenswirklichkeit, des Gesellschaftlichen, des Alltags, das ist dann – die Gefahr ist zu sehen – die Enttäuschung: »Sprachlos und kalt, im Winde/Klirren die Fahnen«. Muss nicht so sein; die Distanz aber, die zwischen den Schreibenden und Diskutierenden durch die wohltuende Moderation und Auswahl gesetzt ist, schützt. Die Idee, ein solches Kennenlernen vorzuschlagen, hatte ich auch schon. Ich zögere aber immer noch, denn: es wäre schade, wenn es eine Enttäuschung wäre. Nun aber ohne g.w? Wenn, dann nur mit ihm. Ein Treffen ohne g.w. wäre wie, na, wie? Wie Kabarett ohne Schramm (ist dann wohl auch prompt schief gegangen). Wie die Eintracht ohne Adler (ist aber laut Hölderlin auch schief gegangen). Fragen wir ihn doch:

»Wo aber bei Gesang gastfreundlich untereinander / In Chören gegenwärtig, eine heilige Zahl / Die Seligen in jeglicher Weise / Beisammen sind, und ihr Geliebtestes auch, / An dem sie hängen, nicht fehlt; denn darum rief ich / Zum Gastmahl, das bereitet ist, / Dich Unvergesslicher, dich, zum Abend der Zeit / O Jüngling, dich zum Fürsten des Festes«.
Aus der »Friedensfeier«, Hölderlins wegweisendem Gedicht in das 21. Jahrhundert.

Bitte die Begriffe und Wörter nicht wörtlich nehmen, tut ja wohl keiner. Ein Gastmahl ist ebenso wenig nötig wie Chöre. Nur die »heilige Zahl« wäre nett, also 12. Wenn, dann also nur mit Ihnen. Ob, weiß ich nicht. Es hat was, hat aber auch Gefahren. Und den Wunsch nach »Verdecktheit« respektiere ich sehr. (Hans-Ulrich Hauschild)

Veröffentlicht von gw am 27. September 2011 .
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Montag, 26. September, 18.00 Uhr.

Entschluss gefasst: keine OP, daher keine längere Schreibunfähigkeit (physischer Art, haha), also steht auch der Zeitplan für die nächsten »Wer bin ich?«-Veröffentlichungen: Am Donnerstag kommt die Auflösung (klar, R.) ins Blatt, mit kleinem Text und Top-10-Rangliste, alles kurz und knapp, um mehr Zeitungsplatz für die Champions League zu haben. Eine Woche später (Mi. oder Do.) folgt Runde 17; Einsendeschluss erst Ende Oktober, auf Wunsch des einen und der anderen (wg. Urlaub), was mir zupass kommt, denn auch mir macht’s so viel Spaß, dass ich am liebsten aus dem selbst verordneten Monatsrhythmus ausbrechen würde. Aber die Rätseltexte müssen gut vorbereitet sein, nicht wie in Runde 16, als sich einige Leser an ein Zitat des Gesuchten in »Ohne weitere Worte« erinnern konnten und dadurch bevorteilt waren. Diesmal wird’s besonders knackig, glaube ich. Aber da habe ich mich ja schon oft getäuscht.
Apropos Wer-bin-ich? Dr. Sylvia Börgens (unter den Top 10) schreibt:

Gestern ging mir, bei herrlichem Sonnenwetter mit meiner Familie unterwegs rund um Münzenberg, Hölderlins »Hälfte des Lebens« im Kopf herum (also der Kontrast zwischen der spätsommerlichen Pracht und der wehmütigen Vorwegnahme von Kälte und Einsamkeit … Sie werden es kennen). Abends las ich dann im Blog, was der Hölderlin-Experte, Herr Hauschild, geschrieben hatte – sprach mir in vielem aus der Seele. Vom Papstbesuch kann ich nicht enttäuscht sein, da ich nichts erwartet habe. Aber dass Ratzinger jetzt auch noch die »lauen Christen« für den »Schaden der Kirche« verantwortlich macht, anstatt gerade die Suchenden und Zweifelnden ins Boot zu holen – sehr bedauerlich.
Bei all diesem ist mir eine Idee gekommen: Es gibt ja keinerlei Gewinnaussicht für Ihre WBI-Rater. Aber Sie könnten doch mal eine Zusammenkunft organisieren – fände ich echt interessant! Vielleicht, wenn Sie wieder gesund sind? (Sylvia Börgens)

Schöne Idee, obwohl ich meine Eigenart, als Person immer im Hintergrund zu bleiben und nur als »gw« raumfüllend aufzutauchen, ungern aufgeben würde. Wie wär’s denn, wenn WBI-Teilnehmer ein Zusammentreffen ohne mich organisieren? Oder soll ich wirklich über meinen Schatten springen, zum Beispiel beim Silberjubiläum (25. Runde), und  mich dann mit den Top 10 zur Siegerehrung treffen, natürlich mit Zeitungs-Ehrengruppenbild? Kommt Zeit, kommt Rat (vielleicht sogar wieder Rad, der Umstieg auf Nordic Walking war doch wohl eher eine Schock-Schnapsidee). Jetzt kommt aber erst einmal und zum Abschluss ein zweiter Teilnehmer aus den Top 10, als Radfahrer im Vergleich zu mir ein Topprofi (und sicher noch nie so dappisch gestürzt wie ich). Andreas Kautz meldet sich nicht aus Alpe d’Huez, sondern aus Bologna, und er macht mich neidisch, denn ich bin nicht nur Philhellene, sondern auch ganz viel italophil:

Heute möchte ich mich mal an einem Duathlon probieren,da selbst die Darmaufpumpvariante bei mir keinerlei Sinn machen würde. Die Vorbereitung darauf war zwar mit kiloweise Nudeln und literweise Rotwein äusserst kontraproduktiv, aber die Messeleitung in Bologna wollte auf meine Anfrage hin, ihren Termin ums verr….nicht verschieben. Der eigentliche Grund meiner Mail ist aber ein anderer. Meine Mitreisenden und ich haben uns Freitagabend gegen 23.00 Uhr folgende Frage gestellt: Ignorieren die Italiener die Krise ganz einfach? Volle Bars, volle Restaurants, volle Piazzas. Fröhliche Menschen überall …. und nur ein deutsches Landei zuckt bei einem Preis von 5,50 Euro für ein 0,4 Bier. Oder war es ein 0,3? Auf jeden Fall keine Spur von Krise, die vielleicht aber 10 km weiter schon längst die Menschen erreicht hat,oder schauen sich die Leute ausser der Serie A nichts anderes mehr an weil sie ihren Chef nicht mehr sehen können? Bei uns hat man nämlich immer das Gefühl, jeder schliesst sich im tiefsten Keller ein, zieht sich die Decke über den Kopf und wartet bis alles vorbei ist.
Wenn der Silvio nicht wäre könnte man dieses Land und seine Menschen richtig lieben!!!Ach Quatsch!Wir tun es trotzdem. (Andreas Kautz)

Veröffentlicht von gw am 26. September 2011 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Montag, 26. September, 18.00 Uhr.