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Wer bin ich? (Auflösung 11, 12, 13 und neue Doppel-Runde)

Diesmal kamen deutlich weniger Einsendungen, dafür aber fast ausschließlich richtige Lösungen, was nur scheinbar paradox ist, denn entweder hatte man das richtige Zipfelchen erwischt, zog an ihm, und schon beantworteten sich alle drei Fragen fast automatisch – oder man verzweifelte an dem fiktiven Dialog und kam den drei Gesuchten trotz (oder wegen?) kompliziertester Denkarbeit nicht auf die Spur. So erging es auch einigen Teilnehmern aus der bisherigen Spitzengruppe, die sich aber dennoch meldeten, und sei es nur, um mitzuteilen, dass sie weiter am Ball bleiben werden.
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Wie Andreas Hofmann aus Bad Nauheim (»Hoffentlich stehe ich in der nächsten Runde nicht wieder so auf dem Schlauch«) oder wie Norbert Fisch, der kurz vor Einsendeschluss mailte: »Ich bin völlig ohne Antwort. Sollten Sie dieses Mal keine Lösungsmail von mir bekommen, sollen Sie wenigstens sicher sein, dass ich mir Gedanken gemacht habe und Ihr Spiel nach wie vor schätze.« Und welche Gedanken! Hoch intelligent, tief schürfend und dennoch weit am Zipfelchen vorbei (nachzulesen im Online-Blog »Sport, Gott & die Welt«, so verschlungen-faszinierend, dass es eigentlich Extrapunkte geben müsste). Andere fanden das Zipfelchen auf nachlesenswerten Wegen und mit interessanten Zusatzinformationen, daher sind die Lösungsmails von Dr. Hans-Ulrich Hauschild, Dr. Sylvia Börgens, Dr. Paul Limberg, Paul-Gerhard Schmidt, Dr. Joachim Bille und Walther Roeber ebenfalls im Blog zu finden.
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So viele Promovierte in der Spitzengruppe! Das ist auch Peter Storm aus Wettenberg aufgefallen, der das und sich und uns herrlich auf die Schippe nimmt: »Nun muss ich gestehen, dass ich kein ausgebildeter Germanist oder Lehrer bin, so dass ich damit an Defiziten leide. Dies spornt mich als Techniker und Freizeitausdauersportler natürlich verstärkt an« . . . mit Erfolg, Peter Storm, der in den Runden acht bis zehn »trotz großer Grübelei total daneben lag«, stürmt mit drei Richtigen in die erweiterte Spitzengruppe vor. Und ich verleihe allen Nichtpromovierten und Nichtoberstudienräten in der Spitzengruppe sowieso die Würde des Dr. hc mult – honoris und humoris causa.
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Aber was mach ich bloß mit dem Kollegen »mac«? Erst gab er sich schon fast geschlagen, hatte »keine Ahnung«, um plötzlich, am allerletzten Tag in allerletzter Sekunde, mit den richtigen Lösungen aufzutrumpfen. Damit liegt er außer Konkurrenz ohne Verlustpunkt weiter an der Spitze. Aber warte, diesmal krieg ich dich wirklich!
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Doch zunächst die Auflösungen. Im fiktiven Dialog von A, B und C waren einige Hinweise mehr oder weniger versteckt: Der Gelegenheits-Schlagersänger Martin Lauer (A) verkaufte mit Hits wie »Sacramento« oder »Die letzte Rose der Prärie« mehr Platten als der studierte klassische Tenor Carl Kaufmann (C), er hatte kein Mitleid nötig (trotz Karriere-Ende nach schwerer Verletzung mit schlimmen Komplikationen), denn er kämpfte sich bravourös alleine durch (u.a. mit Schlagern) und wurde erfolgreicher Ingenieur (war am Bau des schnellen Brüters in Kalkar beteiligt). Kaufmann, 2008 gestorben (daher schon auf Wolke sieben), war, wie auch Lauer, im Gegensatz zu Armin Hary (B) sehr beliebt, vor allem bei den Frauen (hartnäckig hielt sich das Gerücht einer Affäre mit Filmstar Elke Sommer). Hary sagte selbst einmal: »Ich hatte ganz Deutschland gegen mich«. Er war gelernter Feinmechaniker, hätte aber nach Willen der Eltern Geigenvirtuose werden sollen (Hinweis: Feile/Bogen), lehnte sich stets gegen die Funktionäre auf, hatte später als Immobilienmakler Probleme mit der Justiz, wobei es wegen dubioser Verbindungen zur Erzdiözese München sogar bei deren damaligem Chef zu einer Razzia kam (»Razzia bei Ratzinger«, den Hinweis nahm ich raus, zu leicht zu googeln). In jüngster Zeit tauchte Hary in einem »Spiegel«-Artikel über ein Gemälde auf (»Verkündigungsmadonna«), das einem Ehepaar aus Bayern gehörte, das beweisen will, dass das Bild ein echter Leonardo ist – das jetzt allerdings, weil das Ehepaar Schulden bei Hary hatte (sagt Hary), in Besitz von Harys Tochter ist. Alle drei Gesuchten werden im Sport mit den drei Buchstaben R, O und M assoziiert, denn bei Olympia in Rom 1960 gewannen sie 100-m-Gold (Hary), Sprintstaffel-Gold (Hary, Lauer), 400-m-Silber (Kaufmann) und 400-m-Staffel-Silber (Kaufmann). Alle drei waren Weltrekordler: 10,0, 13,2 und 44,9, auf Asche gelaufen, also trotz Handstoppung durchaus mit heutigen Zeiten vergleichbar – hätten wir in wenigen Tagen in Südkorea bei der WM einen Hary, Lauer und Kaufmann, wären sie auch heute noch Medaillenkadidaten.
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Die neue (Doppel-)Runde wird kurz, knackig und sauschwer. Einsendeschluss: 31. August. Danach geht’s nur noch monatlich weiter, denn ich brauche Zeit zum Ausdenken, Formulieren und Entgoogeln, und die »Anstoß«-Kolumne braucht Platz für ihre aktuellen Themen. Auch wenn die Teilnehmerschar schon in der letzten Runde protestiert hat: »Jetzt wo wir angefixt sind, lassen Sie uns Wer-bin-ich-Süchtige zappeln? Kein feiner Zug!«, kritisiert Dr. Bille, unverhohlen drohend: »(Noch) herzliche Grüße.« – Schluss mit lustig. Auf geht’s:

Wir können das Wasser nicht halten

Er und ich. Wir saßen beide im gleichen Boot. Nicht im selben. Den Unterschied sollte man kennen, wenn man in meinem Beruf tätig ist. Meinem früheren. Heute arbeite ich auf dem gleichen Gebiet wie ein Gesuchter der letzten Rätselrunde.
Dass wir beide im gleichen Boot saßen, ist natürlich nur met … wie heißt das Wort? … metaphorisch gemeint. Wir hatten halt in etwa den gleichen Beruf, das ist alles. Das heißt, er hat ihn ja noch. Durch ihn ist er bekannter geworden als durch seine sportliche Leistung. Wobei mir als Amerikaner diese Art Sport doch sehr merkwürdig vorkommt. Ich begrenze mein Interesse auf Football, Baseball und Basketball. Man sagt mir ja auch ein recht simples Gemüt nach, aber was ist simpel daran, sich darüber zu wundern, rückwärts schneller vorwärts zu kommen? Ich halte mich zwar nicht für einen Intellektuellen, kenne auch meine innere Unsicherheit, aber ich philosophiere gerne vor mich hin und wäre sogar beinahe ein erfolgreicher Schriftsteller geworden – sooo simpel kann ich also nicht sein.
Mich müssten Sie schon erraten haben. Schließlich bin ich weltberühmt, obwohl ich niemals in Nachrichtensendungen aufgetaucht bin so wie er, den bei uns kein Mensch kennt. Ich habe auch nie Gold gewonnen, so wie er, und so früh wie er hat das sowieso kaum jemand geschafft. Apropos aufgetaucht: Da gibt es einen merkwürdigen Zahlendreher: Ich tauchte erstmals 86 auf, er 68.
Letzter Tipp: Nach unseren Karrieren im Sport konnten und können wir das Wasser manchmal nicht halten.
Wer bin ich? Wer ist er? (gw)

Top 10

1. Walther Roeber 12
 Rüdiger Schlick 12

3. Jost-Eckhard Armbrecht 11
 Dr. Joachim Bille 11
 Dr. Hans-Ulrich Hauschild 11
 Karola Schleiter 11
 Jochen Schneider 11
 Paul-Gerhard Schmidt 11

9. Dr. Sylvia Börgens 10
 Dr. Gerd-Ludwig Fängewisch 10

Verfolgergruppe
9 Punkte:
Andreas Kautz, Norbert Roth
7 Punkte:
Thorsten Düringer, Andreas Hofmann, Peter Storm
6 Punkte:
Norbert Fisch, Doris Heyer, Dr. Paul Limberg, Christian Lugerth

Baumhausbeichte - Novelle