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Montag, 22. August, 17.30 Uhr

Hat’s wirklich niemand gemerkt?  Matthias Brandt ist natürlich kein “Tatort”-Kommissar, wie in den Montagsthemen geschrieben, sondern ein “Polizeiruf 110″-Kommissar. Ich hab’s theoretisch noch rechtzeitig festgestellt, während des Krimis. Hätte es noch reparieren können. Doch dann dachte ich, fast wie Andreas Möller: Tatort oder Polizeiruf – Hauptsache ARD-Sonntagskrimi. Ist sowieso nur ein längst unerheblicher Ost-West-Unterschied: Der Polizeiruf war die Antwort der DDR auf die Fernsehflucht ihrer Bürger zum westdeutschen Tatort.

Also, der Fehler war mir zu unwichtig, um ihn auf den letzten Drücker zu beheben. Darf man eigentlich gar nicht zugeben. Aber jetzt wird’s richtig heikel: Haben Sie den Film gesehen? Vorab hoch, höher, am höchsten gelobt von den Kultur- und Medienschaffenden, die sowieso einen Narren an Regisseur Dominik Graf gefressen haben. Schnelle, rasante Schnitte, höchstes US-Serien-Niveau – schon bei früheren Graf-Filmen kriegten sie sich kaum ein vor Begeisterung, und wenn die Quoten schlecht waren, lag’s natürlich am dummen Zuschauer. An so einem wie mir. Welch ein quadratquatschiger Film! Hektische Kamera, ein bemüht authentischer Klangsalat, der die Dialoge kaum verstehen ließ, ein unmotiviertes Hin und Her und Vor und Zurück, ein filmisches Ambitionsgeschwurbel, und obwohl ich kaum etwas akustisch und wenig vom Sinn verstand, wusste ich schon nach ein paar Minuten, dass das vermeintliche Opfer die böse Mörderin war, denn in einem der hektischen Schnitte blitzte am Tatort ein völlig unpassendes diabolisches Grinsen über ihr Gesicht.

So, damit hätte ich mich als dösdumpfer, brummsdummer Spießer geoutet. Lieber wäre ich der kleine Junge im Märchen von des Kaisers neuen Krimikleidern, aber das wird wohl nix.

Ein ganz anderes Thema, neben der Provokation von uns Kartoffelspießern durch angeblich cineastischste Leckerbissen für Krimi- und Film-Gourmets, ist die Provokation durch überflüssige Gewalt- und Ekel-Szenen. Mag im Internet noch so viel Dreck kursieren, aber muss man, um hip zu sein, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zerschossene Gesichter und Tauben zeigen, die bei Zielübungen explodierend zerschossen werden? Dazu die Sprache, die vorgibt, up to date zu sein, wenn sie mit Ficken und Vögeln und Wichsern um sich schmeißt - das aber provoziert (mich) nicht, das ödet nur an.

Dass der zweite Film der Brandt-Reihe wegen jugendverstörender Szenen erst um 22 Uhr gezeigt werden soll, kann ich nachvollziehen, obwohl auch das von der Graf-Anhängerschar verächtlich als Simpelmanie und kulturlose Zensur angeprangert wird. Ist mir aber auch egal, denn so sehr ich mich auf Brandt als Serienkommissar gefreut hatte – noch einmal guck ich den Sch. nicht, egal um welche Uhrzeit  gesendet wird.

Baumhausbeichte - Novelle