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Montagsthemen (vom 22. August)

Die Liga pendelt langsam in die Normallage zurück. Ja, trotz Gladbach. Dort wissen sie’s selbst und genießen den Augenblick. Der FC Bayern ist einfach am besten »aufgestellt«, im Ursinn des vom Sport entlehnten Modeworts. BVB bleibt erster Verfolger, Leverkusen die dritte Kraft hinter den beiden Bestaufgestellten, trotz oder wegen des besten Garnichtaufgestellten.
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Am schlechtesten aufgestellt? Der 1. FC Köln? Nein, der FC EU Europa. Weil jahrzehntelang als Versorgungs- und Entsorgungslager für die Nirwanas der Parteien missbraucht. »Das Wort Europa sollte aus der Geschichte gestrichen werden. Es gibt keinen ›Europäer‹ als historischen Typus. ›Europa‹ ist leerer Schall.« Diese Folgerung geht uns früh und freudvoll Europa-Sozialisierten dann doch gegen den Strich. Zum Glück kein aktueller Kommentar, sondern hundert Jahre altes Zitat aus Oswald Spenglers »Untergang des Abendlandes«. Und dieses hat ja auch schon den oft nervig apodiktischen Spengler weit überlebt. Die europäische Hoffnung stirbt zuletzt.
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Wenn überhaupt, dann jedenfalls viel später als die europäische Hoffnung von Mainz, Schalke und Co., und damit zurück zum Sport. Der Blog »Sport, Gott & die Welt« soll die »Anstoß«-Kolumnen ergänzen, und das hat am Samstag so gut geklappt, dass nun ein bisschen Besserwisserei fällig ist: Hab ich nicht gewusst, dass die Bayern auf einem guten Weg sind!? Hab ich nicht geschrieben, als Einziger unter all den Niederschreibern und selbst internen FCB-Niederschreiern, dass die scheinbar so schlechte Leistung gegen Zürich eine hoffnunggebend gute war? »Da war zeitweise Zug und System drin, manchmal fast Rasanz gegenüber vorheriger Behäbigkeit.« Weil’s nicht mehr in den proppenvollen »Sport-Stammtisch« passte, wurde es in den Blog ausgelagert. Der ist halt doch zu was Nutze. Und sei es nur als Online-Beleg für Gedrucktes.
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Noch mal zu den Politikern. Muss ich immer auf diesem gebeutelten Berufsstand rumbashen? Zum Beispiel Kurt Beck und der Nürburgring … nein, nehmen wir lieber Beck und Mainz 05: Der Ministerpräsident wurde bei der Stadioneinweihung ausgebuht und will deshalb seine (selbst gekaufte, liebe Freikarten-Journalisten!) Dauerkarte nicht mehr nutzen. Dünnhäutige beleidigte Leberwurst? Nöö. Ich kann Beck gut verstehen. Politiker müssen viel wegstecken und können gerne darauf verzichten, sich auch noch in ihrer Freizeit anpöbeln zu lassen. Meinen Sympathie-Punkt hat er.
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Apropos Leberwurst. Im Stadion sowieso nicht vorhanden. Dort gibt es Bratwurst, und die neue Nachrichtenagentur dapd (Fusion aus ddd und AP) hat keine Kosten und Mühen gescheut, um in einer investigativen Reportage die Preise der Bratwürste in deutschen Stadien zu vergleichen. Danach musste dapd aber einen schweren Fehler berichtigen, denn »es ist nicht korrekt, dass die Bratwurst im Stadion des FC Augsburg mit 3,50 Euro am teuersten sei. Hierbei handelt es sich um den Preis für den ›FCA-Knacker‹. Die Stadionwurst kostet in Augsburg 3 Euro.«
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Wer glaubt, dass sei doch alles Wurst, der kennt nicht den himmelweiten Unterschied zwischen einem Fußballer, der eine »Bratwurst« ist und einem knackigen »echten Knacker«.
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Und was ist Matthias Brandt als neuer »Tatort«-Kommissar? Der Leser weiß es schon. Ich weiß nur, dass der Sommer vorbei ist – nicht weil die Blätter schon fielen, sondern weil nun sonntags nach der »Tagesschau« keine Wiederholungen mehr folgen. Die Zeit beschleunigt also wieder nach der sommerlichen Entschleunigung (Modewort Nr. 2). Früher war das ganze Fernsehjahr entschleunigt, denn bis 1956 gab es die 20-Uhr-»Tagesschau«, die einzigen Fernsehnachrichten überhaupt, an jedem zweiten Tag nur als Wiederholung vom Vorabend. Das waren noch entschleunigte Zeiten!
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Andererseits: Wer ist hundertprozentig sicher, dass die »Tagesschau« von heute nicht die von gestern ist und auch jene von morgen sein wird? Wer genau hinhört und hinsieht, den grüßt täglich das Murmeltier. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle