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Montagsthemen (vom 8. August)

Sie haben es wieder getan, wie in jeder Saison: Samstag, kurz vor halb sechs, noch stehen drei Partien des ersten Spieltages aus, aber schon vermeldet der Sport-Informationsdienst (sid) die »Englische Tabelle« (Beispiel Köln: 1/0/0/1/0-3/0/0-3/0/0:0/0) plus fein säuberliche Auflistung in Heim- und Auswärtstabelle. Letztere könnte der Konkurrenz Hoffnung machen, denn dort liegt Borussia Dortmund weit, weit hinten. BVB-Schreckensbilanz: 0/0/0/0/0-0/0. Auch der Vorwochenplatz, Ordnung muss sein, wird aufgeführt: »(-)«. Wahnsinn? Ja, aber der hat Methode. Und ohne ihn würden nicht nur abgedrehte Statistik-Freaks, sondern auch wir Gewohnheitstiere etwas vermissen. Denn erst mit dem Auftauchen der ersten »Englischen Tabelle« wissen wir, ohne das »Englische« an dieser Tabelle definieren zu können, dass die schreckliche, die öde Zeit endlich vorüber ist.
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Mit wahrer Wollust begeistern sich nicht nur BVB-Fans am ersten Auftritt der jungen Meistermannschaft, und was nun alles über den unglaublichen Mario Götze geredet, geschrieben und versendet wird, könnte ihn kirre machen, ausflippen und jede Bodenhaftung verlieren lassen. Zum Glück ist der Junge »klar im Kopf« – zwar eine Worthülse, aber sie trifft’s.
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Wer genau hinschaut, ahnt aber, dass dieser von Jürgen Klopp akribisch und mit fester Hand kanalisierte Überschwang von stärkeren Teams als dem HSV gebrochen werden könnte, und dann wird’s spannend. An der Wollust auf Liga und BVB ändert das aber nichts. Im Gegenteil.
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Wollust. Schönes altes deutsches Wort. Aber warum mit nur zwei »l«? Weil es eben kein altes deutsches Wort ist, mit Stricken nichts zu tun hat, sondern von Voluptas kommt, der Tochter von Amor und Psyche. Zum Bundesligastart passt es aber, denn auch der hat mit Stricken nichts zu tun, sondern für die Liebhaber des Fußballs mit Lust und, ja, auch mit sinnlicher Begierde.
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Fußball, nichts als Fußball? Es gibt schließlich auch anderen Sport! Sicher doch. So kündigt der sid in seiner Terminvorschau der wichtigsten Sportveranstaltungen dieser Woche ein Highlight an: Samstag, St. Kathrein in Offenegg/Österreich, Bobbycar-EM. Wirklich wahr!
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Soeben »Bobbycar« gegoogelt. Gestern in Philippstein: Bobbycar-Hessenmeisterschaft. Mit WM-Läufen! Sachen gibt’s.
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Noch ein neuer Sport: Duathlon. Aber ein ganz spezieller. Vorschlag von Bodo Gemmeker, ein dem Kolumnisten in Statur und Alter ähnelnder »Anstoß«-Leser, der sich mit großem Aufwand zum Marathon- und Ultraläufer hochtrainiert hat, aber »immer belächelt von den 62-kg-Männchen, die sich mit ihren Durchschnittsleistungen ganz großartig vorkommen und nicht in der Lage sind, die Leistungen von schweren Läufern angemessen zu würdigen. Deshalb mein Vorschlag: Lassen Sie uns einen Duathlon organisieren, bestehend aus Kugelstoßen und 10 000-m-Lauf. Wäre doch interessant, ob ein 62-kg-Läufer uns schlagen kann.«
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Sehr interessant. Leider nicht in meinem Fall, denn 10 000 Meter zu laufen liegt völlig außerhalb meiner Möglichkeiten als Langlaufphobiker, und was mir kürzlich beim alterswahnsinnigen Versuch, noch einmal die Kugelstoß-Drehtechnik zu versuchen, widerfahren ist, war erst am Donnerstag nachzulesen und ist es noch, wie die komplette Mail von Leser Gemmeker, im Online-Blog »Sport, Gott & die Welt«. Aber ich leite alle Anfragen gerne an unseren Leser weiter, und wenn’s zu diesem Duathlon kommen sollte, wird an dieser Stelle ausführlich berichtet. Versprochen. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle