Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sport-Stammtisch (vom 6. August)

Endlich rollt der Ball wieder. Wie sich alle freuen! Es ist eine echte Freude, keine Pflichtübung. Und so verräterisch. Denn: Endlich? Erst kürzlich rollte noch im Sommermärchensupervent der Ball. Oder rollte doch nur . . . die Ball?
*
»Der Bundesliga-Tipp Ihrer Sportredaktion setzt zu meiner Verwunderung den 1. FC Köln auf Platz 16 (er wird hoffentlich deutlich weiter vorne landen). Ob der Hauptgrund hierfür die Meinung des neuen Trainers ist, dass reinem Konditionstraining im Fußball keine so große Bedeutung zukommt? Jedenfalls steht das im Widerspruch zu den von Ihnen vertretenen Thesen. Nach denen müsste Köln am Anfang recht erfolgreich sein (da schlecht vorbereitet) und dann im Lauf der Saison immer schwächer werden. Ich bin gespannt.« – Ich auch, lieber Wilfried C. Hausmann. Zur reinen Lehre kommt allerdings die Unwägbarkeit des Fußballs hinzu sowie das Verhältnis des eigenen Aufwandes zu dem der Konkurrenz, und da gleicht sich eben vieles aus. Ich durfte übrigens nicht mittippen. Die Kollegen befürchteten wohl, ich würde Eintracht Frankfurt auf Platz eins setzen.
*
Leser Hausmann kommt auch auf eine ältere Kolumne zurück, in der das Stichwort »Flummy« auftauchte: »Sie fragen, ob sich jemand an den Film erinnert. Ja, tue ich. Eine Tante ist mit mir am Tag vor der Aufnahmeprüfung aufs Gymnasium (das gab es früher!) zur Ablenkung und Beruhigung in diesen Film gegangen. Das war Anfang der 60er Jahre. Der Film gefiel mir damals sehr gut, und die Prüfung hatte auch das gewünschte Ergebnis.« – Auch bei mir. War meine erste bestandene Prüfung. Leider auch schon eine der letzten.
*
Achtung, an diesem Wochenende ist Einsendeschluss für den »Wer bin ich?«-Dreier. Das Zusatzrätsel von Karl-Heinz Schleiter wird schon heute aufgelöst: »Ein ausgebildeter Maschinenbauer, der als Jugendlicher auch bei Eintracht Frankfurt Fußball spielte, wurde mit 24 Jahren Millionär, ermordete als ›Soldat‹ seine Geliebte und lag auf Nelson Mandelas Schlafmatte.« – Manche haben’s gewusst, ich nicht, obwohl ich’s hätte wissen müssen, alleine schon wegen des »Mordes«, denn dass Jimmy Hartwig im »Woyzeck« mitspielte, hatte ich seinerzeit mehrmals erwähnt.
*
In der Wetterau ist Karl-Heinz Schleiter eine echte Fußball-Legende, und wenn ich schreiben würde, in seiner aktiven Zeit habe er in der 2. Liga gespielt (bei Hanau 93), wäre das nicht korrekt, denn seine aktive Zeit ist noch nicht vorbei: »Ich bin 58 und spiele mit künstlichen Hüftgelenken«, mit dieser Schlagzeile begann jetzt eine neue »Bild«-Serie (»Helden der Kreisklasse«) – mit »Fuzzy« Schleiter, der in der Kreisliga B für den FC Nieder-Florstadt spielt. Andreas Kautz, ein anderer langjähriger Leser über »unser Fußball-Idol und ›Anstoß‹-Freund Karl-Heinz Schleiter«, mit Hinweis auf die Helden-Serie: »Ein super Typ, ein riesen Fußballer und mit dem Anpfiff ein ganz anderer Mensch.«
*
Auch Paul-Ulrich Lenz ist vielen über diese Kolumne hinaus ein Begriff. Der Pfarrer aus Schotten schrieb vor ein paar Jahren, »»gw ist für mich zum Frühstück fast unverzichtbar und kommt gleich nach der Bibellektüre«, ein Kompliment, das ich wegen des aparten Zusammenhangs mit der Bibel nicht schamhaft verschweigen wollte. Als gebürtiger Westerwälder füllte Pfarrer Lenz im »Rück-Blog« am Donnerstag meine geographischen Wissenslücken. Zu der dort zitierten Mail der Hammerwerferin Kathrin Klaas schreibt er nun: »Man muss vermutlich die Rivalität zwischen Westerwäldern und Hinterländlern kennen, um die schroffe ›Verleugnung‹ von Frau Klaas zu verstehen, wenn es um die Sportanlage zwischen Herborn und Aartalsee geht. Sie verleugnet nicht – sie verteidigt! ein bisschen überspitzt – denn Hochseeangeln und Bergsteigen ist wohl nur an sehr wenigen Orten der Welt so nahe beieinander möglich wie Breitscheid und der Aartalsee an räumlicher Nähe trotz allem haben (geschätzt 20 km Luftlinie). Wobei ich Frau Klaas ansonsten nicht ganz verstehe. Müssten sich nicht mehrere andere leichtathletische Disziplinen alljährlich auch beschweren, weil sie nicht zur Diamond League gezählt werden?«
*
In der Tat. Und in diesem Zusammenhang: Am Donnerstag radelte ich noch einmal die gleiche Runde und machte mich vor Ort der supermodernen Sportanlage etwas schlauer, indem ich Anwohner ausfragte (»Wo bin ich denn hier eigentlich?«). Seitdem weiß ich: Jeder Sportlehrer muss seine Kollegen beneiden, die in der »Mittelpunktschule Bicken-Ballersbach« unterrichten. Aber ob sie auch die passenden Schüler für diese Top-Anlage haben, die selbst einem Leichtathletik-Europacup gut zu Gesicht stünde?
*
Das Stadion liegt wie ein UFO an der Aar, wieder kein Mensch auf dem Platz. Klar. Ferien. Das wird sich ändern. Es sei denn, das »Stern«-Sonderheft »Gesund« kommt auf den Lehrplan. Thema: »Wie Sie ohne großen Aufwand fit werden.« Ist Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht strafbar? Solche Verheißungen haben schon manchen Nichtsportler wieder ins Nichtstun zurückgetrieben, wenn er frustriert das Gegenteil feststellte: Ohne Fleiß, kein Preis. Wenig investieren, aber viel Rendite: Das klappt nie. Im Sport ist’s immerhin nur Selbst-Betrug.
*
Auf das »Schandurteil« werde ich ja wohl eingehen, fragen, nein, verlangen einige Leser. Und ich muss sie enttäuschen: Das Urteil lässt mich kalt. Formal wohl korrekt. Schuld an dem Dilemma ist die sehr, sehr deutsche Tugend, Androhung von Folter in einem Aktenvermerk zu notieren, statt das Leben des Kindes (um das es zu diesem Zeitpunkt noch ging) mit allen Mitteln zu retten. Mit allen (sorry, Pfarrer Lenz). Ohne Aktenvermerk.
*
Bevor’s zu stammtischhaft wird, flüchte ich ins Internet: Endlich mal eine neue Netz-Mode, die mir Spaß macht: »Planking« – wertfrei, albern, nur aus Spaß an der Freud’. Planker drapieren ihren Körper steif (eben wie eine »Planke«) an öffentlichen Orten und stellen die Fotos dazu ins Internet. Dort sind die absurdesten Körper-Installationen zu bewundern, darunter auch reife sportliche Leistungen wie das allerdings sehr unkorrekte Doppel-Planking zweier Münchner Studenten auf einer Behinderten-Toilette.
*
Ich versuche lieber, ein mir näher liegendes Objekt zu beplanken, so wie ich’s im Internet gesehen habe: Die Planke auf dem (stehenden) Rad. Füße an der Wand einklinken, Kopf auf den Lenker betten, den Körperteil zwischen Kopf und Füßen auf den Sattel. . . aua! Steif machen?
Geht nicht mehr. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle