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Rück-Blog: Sport, Gott & die Welt

Der Blog »Sport, Gott & die Welt« begleitet und ergänzt die »Anstoß«-Kolumnen von »gw«. Ab und an veröffentlichen wir hier Auszüge. Heute konzentrieren wir uns auf einen einzigen Blog-Eintrag (vom 25. Juli), denn er kommt über Gott und die Welt auf den Sport – die ganze Bandbreite des Blogs also, jedoch stark gekürzt. Wer den komplette Text lesen will – bitte reinklicken.
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Motivsuche. Warum bloß? Das macht den Typen doch nur noch interessanter. Je mehr in ihn reingeheimnist wird, je mehr »Beweggründe« gesucht werden, desto mehr verirrte/verwirrte Köpfe, die mit dem Leben nicht zurechtkommen (so geht es vielen, ohne deshalb zu morden) und dies der Gesellschaft oder Teile von ihr anlasten (tun manche, ohne deshalb zu morden), kommen auf die Idee, ihrem Leben solch einen abartigen Glanz zu geben. Er ließ sich widerstandslos verhaften. Weil er seinen Triumph auskosten will, weil er eine historische Persönlichkeit sein will, weil er der Welt seine »Motive darlegen« will. Nein! Keine Bühne für den Massenmörder! Nur eine dunkle Zelle, nur mit der Wand als Ansprechpartner. – Anderes Thema: Amy Winehouse. Wäre sie schwarz und brav gewesen, lebte sie noch, gesund und munter. Aber unbekannt, trotz der Stimme. That’s Showbusiness
Sport. Die Frankfurter Hammerwerferin Kathrin Klaas protestiert provokant gegen die angebliche Missachtung ihrer Disziplin, die »nicht gut genug für die Diamond League« sei, wie sie sich sarkastisch – und mit dem gewünschten Effekt des medialen Interesses – auf den nackten Bauch schrieb. Hat sie recht? Ich glaube nicht. In dieser Disziplin der Leichtathletik kommt neben den Mechanismen von Angebot und Nachfrage auch die problematische und potenziell gefährliche Durchführung des Wettkampfs als Negativfaktor hinzu, so dass es keine Diskriminierung ist, wenn Hammerwerfen oft ins Vorprogramm und/oder auf einen Nebenplatz abgeschoben wird oder international eben manchmal gar nicht auf dem Programm steht. In Deutschland, dank der großartigen Betty Heidler, geht’s den Hammerwerferinnen aber noch Gold, besser jedenfalls als ihren männlichen Kollegen.
Bei einer meiner Sabbat-Radtouren der letzten Wochen, irgendwo zwischen Aartalsee und Herborn, führt der Radweg mitten im Hinterland an einem glänzend neuen, großzügigen Sportplatz vorbei, mit supermodernen Leichtathletik-Anlagen und mit einem tollen Hammerwurfring nebst fest installiertem, sehr kostspieligem Hammerwurfkäfig auf technischem Olympia-Niveau. Ein Mitradler aus der Gegend weiß: Es ist eine Schulsportanlage. Mit Extra-Hammerwurfanlage, gebaut, weil eine gute Hammerwerferin von hier komme. Wer kommt von hier? Kathrin Klaas. Aus Breitscheid. Was ist das Gegenteil von Diskriminierung?
Um nicht missverstanden zu werden: Hammerwerfen der Frauen, noch nicht lange im Wettkampfprogramm, hat sich durchgesetzt, ist eine dynamische, sportlich hochwertige Disziplin mit tollen Athletinnen, vorneweg Betty Heidler, aber auch mit Kathrin Klaas, die ebenfalls Weltklasse ist. Klappern gehört zum Handwerk, heute mehr denn je, Jammern auch, aber das Jammern ist eines auf hohem Niveau.
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Tags darauf schreibt Paul-Ulrich Lenz aus Schotten: »Nur der Genauigkeit halber und weil ich gebürtiger Westerwälder bin: Breitscheid liegt nicht im Hinterland, sondern auf dem Westerwald. Der Westerwald wird umrahmt von Rhein, Sieg Dill und Lahn. Und Breitscheid liegt in diesem umrahmten Gebiet. Ansonsten: Ich bin froh, dass Sie wieder aus dem selbst auferlegten Sabbat während des medialen Sommermärchens zurück sind, weil ich Sie einfach gerne und mit Genuss lese.« – Danke. Aber meine geographische Unkenntnis rächt sich, denn . . .
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»Ich freue mich, dass meine Aktion es in Ihren Blog geschafft hat – neben Amy Winehouse und dem Drama in Oslo. Die Quelle Ihrer Informationen ist mir jedoch ein wenig suspekt. Ich habe mit einer Schule zwischen Aartalsee und Herborn in etwa so viel zu tun wie ein Bergsteiger mit Hochseeangeln. Allerdings wäre es sicherlich sinnvoller, diese Anlagen in Vereinen zu installieren, die auch Hammerwerfen oder Diskuswerfen anbieten. Würden Sie den Käfig sehen, der auf unserer Heimanlage in Frankfurt-Fechenheim steht und der in Eigenarbeit mit Maschendrahtzaun vor vielen Jahren errichtet wurde, würden Sie auch anders schreiben . . . Die Gefährlichkeit der Disziplin Hammerwurf ist nicht höher als die anderer Wurfdisziplinen, und der letzte große Unfall der Leichtathletik geschah vor ein paar Jahren in Rom durch einen Speerwerfer.«
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Aus meiner Antwort an, klar, Kathrin Klaas: »Sie fälschlich, nach Hörensagen, mit dieser Schulsportanlage in Verbindung gebracht zu haben, tut mir leid. Sorry. Meine Meinung, dass Hammerwerfen eine vergleichsweise gefährliche Disziplin ist, kann ich aber leider nicht ändern. Andererseits: Theoretisch kann aus einem solide gebauten Käfig keine Fremdgefährdung erfolgen (es sei denn, jemand läuft fahrlässig verbotenerweise in den Wurfbereich), durch das Speerwerfen aber schon (siehe damals der Weitspringer an seiner Anlage) – insofern also ein Argument pro Hammer. Klar ist aber, dass bei kleineren Wurf-Wettkämpfen beim Hammerwerfen die größten Risiken entstehen, auch wegen schlechter Käfige und wegen Unachtsamkeit der Wettkämpfer. Ich habe bei Rasenkraftsportveranstaltungen schon haarsträubende Szenen erlebt, und als für eine DMM einst zum Hammerwerfen verpflichteter Kugelstoßer weiß ich nur zu genau, dass auch mangelhafte Technik ein großes Risiko darstellt. Ich glaube jedoch, dass die Gefährdung durch den Hammer ein vorgeschobenes Argument ist und dass Angebot (Hammer) und Nachfrage (große Meetings) entscheidend sind für die Aufnahme in den lukrativeren Teil des Wettkampfkalenders. Da die Nachfrage aber nicht naturgegeben ist, sondern beeinflussbar, sind Ihre Aktivitäten pro Hammerwurf sicher geeignet, Ihre Sache voranzutreiben. Dazu, aber vor allem für die nächsten sportlichen Aufgaben (WM), wünsche ich Ihnen von sportlichem Herzen größtmöglichen Erfolg und alles Gute.«
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Vielleicht die gerechte Strafe für meine Hörensagen-»Recherche«, was ich ebenfalls Ende Juli im Blog notieren musste: »Inspiriert durch den jungen Drehstoßtechniker Jacko Gill nach Jahrzehnten die Kugel in die Hand genommen und drehgestoßen. Als und als, wie der Hesse sagt. Dem danach derart schwindlig wurde, dass er auf der Heimfahrt sein neues Auto vollko … Das muss für heute genügen.« (gw)

Baumhausbeichte - Novelle