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Mittwoch, 3. August, 11.30 Uhr.

38:53. Saisonrekord. Ich sag’s ja nur. In aller Bescheidenheit. Regelmäßige Blog-Leser wissen, was das für mich bedeutet. Noch 14 Sekunden zum All-Time-High. Soll ich den finalen Rekordversuch wagen? Aber ich habe ein bisschen Angst vor dem “Finalen”, wenn alte Säcke wie ich sich überanstrengen. – Da fällt mir jetzt, während des kokett-ironischen Schreibens, Ernsthafteres ein: Niemand außer mir kennt die Strecke, kann “38:53″ sportlich einordnen, es ist eine rein persönliche Sache, es geht nur um das Überwinden eigener Grenzen, nicht um Sieg über andere, nicht um Ruhm, und sei es nur der kleinste (Gemeindeblättchen: Beim Volksradfahren belegte XY in der Klasse Ü60/Ü95 kg den 35. Platz). Ist das der wahre Sport? Für mich schon. Ziel: ständige Verbesserung der persönlichen Bestleistung, früher allerdings mit der  besten aller möglichen persönlichen Bestleistungen im Sinn, dem Weltrekord. Der blieb unerreichbar, wie so vieles. Auch wie 38:39?

Kathrin Klaas ist schon näher am Weltrekord dran, als ich es jemals war. Bevor Sie jetzt weiterlesen, empfiehlt es sich, noch einmal den Blog-Eintrag vom 25. Juli anzuschauen (Sabbat-Radtouren, Aartalsee, Herborn, Hammerwurfanlage usw.).  – Haben Sie? Dann jetzt die Mail dazu:

 
Ich freue mich, dass meine Aktion zu den Deutschen Meistschaften es in Ihren Blog geschafft hat – neben Amy Winehouse und dem Drama in Oslo.

Die Quelle Ihrer Informationen ist mir jedoch ein wenig suspekt. Ich habe mit einer Schule zwischen Aartalsee und Herborn in etwa so viel zu tun wie ein Bergsteiger mit Hochseeangeln. Hinzu kommt, dass alle Leichtathletik- Anlagen für die Durchführung ALLER Disziplinen gebaut werden, was damit auch den Hammerwurf betrifft.

Wenn Schulsportstätten durch mit IAAF zertifizierten Anlagen ausgestattet werden, kann man der Meinung sein, dass öffentliches Geld an der falschen Stelle investiert wurde. Trotzdem gehört auch der Hammerwurf offiziell zum schulsportlichen Programm, schließlich kann man in der Abiturprüfung für die Sportnote auch u. a. Hammerwerfen.

Allerdings ist dies nicht weitverbreitet und auch nur für die Männer im Programm. Es wäre sicherlich sinnvoller diese Anlagen in Vereinen zu installieren, die auch Hammerwerfen oder Diskuswerfen anbieten. Würden Sie den Käfig sehen, der auf unserer Heimanlage in Frankfurt-Fechenheim steht und der in Eigenarbeit mit Maschendrahtzaun vor vielen Jahren errichtet wurde, würden Sie auch anders schreiben…

Die Gefährlichkeit der Disziplin Hammerwurf ist nicht höher als die anderer Wurfdisziplinen und der letzte große Unfall der Leichtathletik geschah vor ein paar Jahren in Rom durch einen Speerwerfer.
Die Gefährlichkeit des Hammerwurfs ist also ein schlechtes Argumente, das sich seit Jahren – weil althergebracht und einfach- hält.

Sollten Sie wirkliches Interesse an der Thematik haben -schließlich geben Sie ja an, dass Sie selbst vor allem Sportler sind und sich im Sport auskennen- können Sie sich gerne auf meiner Homepage informieren.

http://www.kathrinklaas.de/www.kathrinklaas.de/the_K_log/the_K_log.html

Die Artikel »Sehr geehrter Herr Digel« und »Abschaffen« könnten Sie besonders interessieren.
Mit freundlichen Grüßen

Kathrin Klaas

Olympic Hammerthrow
www.kathrinklaas.de

Das verdiente eine sofortige Antwort:

Liebe Kathrin Klaas,

auch ich freue mich, dass mein Blog es zu Ihnen geschafft hat. Dadurch wissen Sie ja, wie hoch ich Sie und Ihre Disziplin einschätze. Sie fälschlich, nach Hörensagen, mit dieser Schulsportanlage in Verbindung gebracht zu haben, tut mir leid. Sorry. Meine Meinung, dass Hammerwerfen eine vergleichsweise gefährliche Disziplin ist, kann ich aber leider nicht ändern. Dass zuletzt ein Speer einen Weitspringer traf und kein Hammer, liegt vielleicht auch daran, dass Hammerwerfen, sportlich ungerechterweise, meist auf Nebenplätze verbannt wird oder vor den eigentlichen Beginn der Veranstaltung, wodurch also viel weniger Möglichkeiten für Gefährdung bestehen. Andererseits: Wenn ich mich recht erinnere, wurde der Sektor in den Wurfdisziplinen Kugel, Diskus, Hammer seit meiner aktiven Zeit über Jahrzehnte hinweg immer weiter verkleinert, um Unfälle zu vermeiden. Theoretisch kann aus einem solide gebauten Käfig also keine Fremdgefährdung durch Diskus oder Hammer erfolgen (es sei denn, jemand läuft fahrlässig verbotenerweise in den Wurfbereich), durch das Speerwerfen aber schon (siehe Weitspringer an seiner Anlage) – insofern also ein Argument pro Hammer. Selbst beim nicht so weit reichenden Kugelstoßen gibt es seit Verbreitung der Drehtechnik mehr Gefährdung als früher beim Angleiten. Klar ist aber, dass bei kleineren Wurf-Wettkämpfen beim Hammerwerfen die größten Risiken entstehen, auch wegen fehlender bzw. schlechter Käfige und wegen notorischer Unachtsamkeit der Wettkämpfer. Ich habe bei Rasenkraftsportveranstaltungen schon haarsträubende Szenen erlebt, und als für eine DMM einst zum Hammerwerfen verpflichteter Kugelstoßer (mit einer Diskusdrehung knapp 50 m) weiß ich nur zu genau, dass bei derartigen Veranstaltungen die mangelhafte Technik ein großes Risiko darstellt. Mein erster Trainer, der damals schon sehr alte Sepp Christmann (eine Legende, hat auch erste Lehrbücher geschrieben, war Coach  bei Olympia 36), ist übrigens auch von einem Hammer getroffen worden, hat es knapp überlebt, aber mit Zeit seines Lebens leicht schiefem Hals und rauer, leiser Stimme.
Ich glaube aber auch, dass die Gefährdung durch den Hammer ein vorgeschobenes Argument ist. Hier schiebe ich mal schnell eine Passage aus einem uralten Kommentar von mir ein:

Spitzenleistungen, auf welchem Gebiet auch immer, können nur wenige erbringen. Viele Menschen sind gerne dazu bereit, die Darbietungen der bewunderten, vielfach sogar förmlich vergötterten Spitzenkönner ihres Metiers zu honorieren – seien es Musiker, Maler, Dichter, Artisten oder »Sportisten« (diesen Ausdruck zur Abgrenzung vom »Normalsportler« hat Prof. Oberbeck bereits vor vielen Jahren kreiert). Da sich hierbei die Nachfrage des Publikums nicht auf alle Gebiete gleichmäßig verteilt, ist es selbstverständlich, dass z. B. ein Spitzentenor Spitzengagen erhält, selbst der genialste Alphornbläser aber kaum Millionen scheffeln kann. Auf den Sport und seine »Sportisten« übertragen: Die Nachfrage nach einem Franz Beckenbauer ist nun einmal größer als die nach einem Gewichtheber, Kanuten oder Volleyballspieler, selbst wenn dessen Leistung noch über Beckenbauersche Dimensionen hinausgeht. Bei Übertragung der marktwirtschaftlichen Prinzipien von Angebot und Nachfrage auf den Spitzensport werden zwar »die Athleten von geringerer Publikumswirksamkeit, das heißt geringerem Marktwert, noch lange ökonomisch benachteiligt bleiben« (Prof. Horst Eberhard Richter), doch muss dies eben in Kauf genommen werden, da niemand zum Leistungssport gezwungen wird und niemand Bezahlung erwarten darf, wenn keine Nachfrage für seine Leistung vorhanden ist. (11. Dezember 1976)

Ich glaube also, dass Angebot (Hammer) und Nachfrage (große Meetings) entscheidend sind für die Aufnahme in den lukrativeren Teil des Wettkampfkalenders. Da die Nachfrage aber nicht naturgeben ist, sondern beeinflussbar und auch manipulierbar, wofür es auch außerhalb des Sports genügend gute bzw. schlechte Beispiele gibt, sind Ihre Aktivitäten pro Hammerwurf sicher geeignet, Ihre Sache voranzutreiben. Dazu, aber vor allem für die nächsten sportlichen Aufgaben (WM) wünsche ich Ihnen von sportlichem Herzen größtmöglichen Erfolg und alles Gute.

Baumhausbeichte - Novelle