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Montagsthemen (vom 1. August)

Losglück? Wird sich weisen. Die Qualifikationsspiele beginnen erst im Herbst nächsten Jahres. Bis dahin gibt es noch so viele andere Hoffnungen und Sorgen im Sport und anderswo, dass wir die Gruppenauslosung registrieren. Und abhaken.
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Nichts gegen Wolfsburg, nichts gegen VW. Warum auch? Eine deutsche Stadt wie viele, ein deutscher Weltkonzern wie wenige. Aber VW Wolfsburg: Wenn sich nur halb Deutschland freut, dass der FC Bayern verliert (tut er heute sicher nicht), jubelt fast ganz Deutschland, wenn VW Wolfsburg in der ersten Pokalrunde jämmerlich ausscheidet. Warum diese Schadenfreude? Spurensuche: VW buttert dem Verein jährlich 100 Millionen zu (Quelle: SZ), und derzeit laufen Untersuchungen, ob VW-Lieferanten als Nebensponsoren zwangsrekrutiert worden sind
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Aber in Leipzig gewann nicht der wahre Sport gegen die Ware Sport, sondern eine Ware Sport gegen die andere: Es siegte der Rasenballverein, der so heißen muss und nicht Red Bull heißen darf, weil der DFB Werbung im Vereinsnamen verbietet (Bayer hat in Leverkusen Traditions-Ausnahmerecht, aber nicht das Recht auf Erreichen der zweiten Runde). In Leipzig vertrieb also Gut nicht Böse, sondern dort wurde eher der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.
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Auch die UEFA will den Teufel austreiben: Klubs sollen nur noch ausgeben dürfen, was sie durch den Spielbetrieb eingenommen haben. Sehr ambitioniert, sehr verdienstvoll, sehr unrealistisch. Ungefähr so, als würde die EU ihren Mitgliedern Neuverschuldung komplett verbieten.
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In die eigene Falle getappt: Wie oft schon habe ich böse kommentiert, wenn andere einen Sportler ohne echte Beweise des Dopings verdächtigen. Und nun, siehe Sport-Stammtisch vom Samstag, assoziiere ich Lochtes Zahnspange (die er in Shanghai nicht mehr trug) gleich mit Wachstumshormonen. Foulspiel. Dafür zeigt mir Leser Uwe Hermann die Rote Karte. Zu Recht. Seine ausführliche Kritik ist in voller Länge online nachzulesen.
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Online. Der Blog »Sport, Gott & die Welt« ist nicht nur die Fortsetzung und Ergänzung der gw-Kolumnen mit anderen, sondern auch der Versuch, mit eigenen bescheidenen Mitteln das mir unvereinbar Scheinende zu vereinen: Papier- und Netzzeitung. Das alte Problem der neuen Medienzeit: Ist es Online-Sägen am Zeitungs-Stamm, auf dem eigenen Ast sitzend? Oder – nicht gerade auferstehend aus Ruinen, aber der Zukunft zugewandt – die große Chance? Die sicher nicht. Eher: Hinwendung zum Unvermeidlichen.
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Unvermeidlich auch, dass der Platz im Netz unendlich, auf Papier aber begrenzt ist. Was Vor- und Nachteile hat: Hier Disziplinierung, Konkretisierung, dort unübersichtliche Vielfalt, die zur Einfalt führen kann, durch ausaufernde Laberei (aber die gibt’s auch auf Papier, mag der kritische Kolumnen-Leser einwenden). Und im gw-Blog? Urteilen Sie selbst, denn dort sind die nicht in diese Montagsthemen gelangten Notizen nachzulesen.
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Das Wichtigste muss natürlich aufs Papier: Nicht die Schwarmintelligenz des Netzes ist zu rühmen, sondern die Klugheit der Leser. Entgegen meiner festen »Wer bin ich?«-Überzeugung haben bisher schon einige Teilnehmer zwei der drei Fragen richtig beantwortet, zwei sogar alle drei, was ich für völlig unmöglich gehalten hatte. Demnächst mehr dazu. Heute nur noch die realistische Hoffnung, dass die links zitierte Becher-Hymne (“links” bezieht sich auf die Zeitungs-Ausgabe) sich im real existierenden Deutschland durchsetzen möge, jedenfalls deren Schluss. Denn wenn Rudi Carrell fragte, »wann wird’s denn wieder richtig Sommer?«, dann versprechen nicht nur altdeutsche Kommunisten, sondern auch neudeutsche Meteorologen, dass heute (“heute”: dito Zeitung) »die Sonne schön wie nie / Über Deutschland scheint«. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle