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Freitag, 29. Juli, 17.10 Uhr.

Soeben im Zeitungs-Anstoß noch die Griechinnen untergebracht, die im Härtestmännersport Wasserball-Weltmeisterinnen wurden. Der Online-Anstoß (siehe dort) bleibt der alte. Auf Papier war aber kein Platz mehr für Britta Steffen, daher hier meine Kontra-Meinung zu den im deutschen Sportmedienland veröffentlichten (und sicher auch zu mancher Leser-Meinung): Dass sie heimfliegt und nicht mehr in der Staffel schwimmt, dafür habe ich Verständnis. Wer als Höchstleistungssportler in ein derart unerklärliches Leistungsloch fällt, von dem kann man nicht verlangen, wie von Hinz, Kunz und mir am Arbeitsplatz, er möge sich gefälligst zusammenreißen. Britta Steffen ist fertig, down, kaputt, selbst wenn sie sich zusammenrisse, könnte sie keine schnellere Zeit schwimmen als ihre Ersatzfrau im deutschen Team. Die Trainer, wenn sie denn Fachleute sind, und das sind sie wohl, würden sie erst gar nicht aufstellen. Von den Funktionären darf man eh nicht viel verlangen, sie hängen ihre Fähnchen traditionell in den Medienwind. Letztes Wort zur Schwimm-WM: Griechenland im Medaillenspiegel weit vor Deutschland. Ela, Elatha!

Im Stammtisch-Anstoß heute auch Bild-Stoff eingebaut, Lehmann und eine aparte Schlagzeile (Sie können’s also noch!). Nein, nicht die alte Schlagzeile zu deutschen Schwimmern (“Hurra, keiner ertrunken”), sondern eine über ein beim Poppen pupendes Lama (würd ich mich auf Papier nicht zu schreiben trauen). Eigentlich wollte ich auch Böses schreiben, aber es wäre zu langatmig geworden, zu kompliziert zu erklären, außerdem hat es mit Sport nun mal gar nix zu tun. Es geht wieder einmal um Sarrazin, sein Buch, den ZDF-Film, eine RBB-Klamotte um ein angeblich geklautes Interview und um FAZ-Größe Frank Schirrmacher, den Bild zum Kronzeugen aufruft und  viel aus seinem FAZ-Artikel vom Donnerstag (ab)schreibt. Der uninformierte Bild-Leser muss glauben, Schirrmacher stehe auf Sarrazins Seite, denn Bild verschweigt Schirrmachers grundsätzliche Haltung: Dass Sarrazins Ausführungen über Genetik und Intelligenz gefährlicher, niederträchtiger Blödsinn sind (Interpretation in meinen Worten). Nicht von Sch., sondern nur von mir: Anderes, was Sarrazin schreibt, mag stimmen und wird wohl stimmen (ich habe das Buch aus Prinzip nicht gelesen, weil es zu lesen, sich darüber aufzuregen oder über die aufzuregen, die sich darüber aufregen, das ist ja der eigentliche Zweck der Übung, und da mache ich nicht mit), aber insgesamt halte ich mich ganz allgemein an meine Überzeugung, lange vor Sarrazin gebildet: Wenn ein Arschloch um fünf vor zwölf sagt, es ist fünf vor zwölf, hat es recht und bleibt ein Arschloch.

Auch das wär zu hart für Papier (o, schönes Wort: zu hart für Papier). Zum Arschlochsein fällt mir noch ein: Auch als albernster Kolumnist in der ganzen großen hessischen Welt finde ich es abgrundtief unwitzig, dass sich ein brasilianischer Fernsehkomiker ins Amy-Winehouse-Begräbnis einschleicht, dort den untröstlich Trauernden mimt und sich gebeugt und gebrochen interviewen lässt, um später diese Verarschung in seiner Komiksendung zum Besten zu geben. Witzischkeit kennt keine Grenzen, Hape? Doch. Nur Arschlochsein kennt keine.

Baumhausbeichte - Novelle