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Wer bin ich? (Runde 8/9/10: Ein kniffliger Dreierpack)

. . . drei, zwei, eins, null, aus. Einsendeschluss. Die letzte gewertete Antwort kommt aus Karben: »Heute möchte ich auch einmal teilnehmen, auch wenn es vielleicht zu spät ist, weil ich verreist war und den Anstoß erst heute gelesen habe. Als langjähriger Anstoß-Leser musste ich ohnehin den Sportteil mehr als zehn Jahre mit einwöchiger Verspätung lesen, weil ich auswärts beschäftigt war und montags immer eine ›Wochenausgabe‹ mitnehmen konnte/musste. Ging prima, ich war stets bestens informiert und durch gw vor allem unterhalten. Am Samstag war die Fragestellung entweder kinderleicht oder eine brutale Irreführung. Der Mensch heißt Carlo Pedersoli alias Bud Spencer. – Machen Sie noch lange so weiter. Ihr treuer Leser Wilfried Grein.«
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So weiter? Aber nicht so leicht! Auf die siebte Runde folgt heute ein Dreierpack, der es in sich hat. Und ich wette, NIEMAND wird alle drei Fragen richtig beantworten können, zumal sie wirklich ungoogelbar sein sollten.
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Runde acht: Ich stamme aus einer sportlichen Familie, schon mein Großvater hat bei Olympia eine Medaille gewonnen, und auch ich habe mein ganzes Leben lang Sport getrieben, so dass ich nicht sehr amüsiert darüber bin, wie meine sportlichen Erfolge von irgendwelchen Provinzclowns wie diesem »gw« durch den Kakao gezogen werden. »Alles Schiebung!«, rufen sie und lachen sich kaputt, wenn ich bei der besten meiner Olympia-Teilnahmen nur 25. werde. Dabei wären sie selbst nur allzu gerne einmal bei Olympischen Spielen angetreten, sind aber schon bei der Qualifikation gescheitert. Die war bei mir nie ein Problem, mit Glanz und Gloria habe ich mich stets qualifiziert, denn dafür muss man zwar in meiner Hauptsportart (ich betreibe auch viele andere) den Körper eines Modellathleten haben, aber eben nicht selbst, dafür sind andere zuständig. Nun ja, an den Spott habe ich mich gewöhnt, aber nicht an die Schiebungs-Vorwürfe. Ich betrüge nicht, weder im Sport noch im Leben, und dass jetzt, aus einem ganz anderen Anlass (der aber ansatzweise ebenfalls etwas mit Sport zu tun hatte), mir auch hier Schiebung vorgeworfen wird, schlägt nun wirklich dem Fass die Krone ins Gesicht!
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Runde neun. Der arme Kerl. Regt sich ja fürchterlich auf. Aber ich kann ihn verstehen. Auch mir hat man Schiebung vorgeworfen, sogar noch viele Jahre nach meiner sportlichen Karriere. Aber die Anabolika, die ich, wie alle anderen auch, genommen habe, standen damals gar nicht auf der Dopingliste! Ja, ich weiß, dieser alte Stänkerer »gw« lacht sich auch bei mir kaputt, wenn ich das meinen Kritikern sage, denn er weiß, dass Anabolika auch schon zu meiner und seiner Zeit verboten waren. Aber bisher hat meine Verteidigungsstrategie immer überzeugt, und das ist die Hauptsache. Vielleicht ist »gw« ja beleidigt, weil er einmal ein Solidaritätsbekenntnis für unseren gemeinsamen, schwer in die öffentliche Kritik geratenen Sportarzt geschrieben hatte, das dann aber in meinem Namen veröffentlicht wurde – ich war einfach medial die bessere Besetzung als ein unprominenter dicker Kugelstoßer aus Mittelhessen. Einmal aber hatte auch »gw« seine Freude an mir, 1979 war’s, als er auf Wunsch der Polizei ein halbes Dutzend Porträts von mir aus dem Archiv holte, um bei der Fahndung nach einem Mann zu helfen, der eine Apotheke in der Wetterau überfallen und nach Zeugenaussagen verblüffende Ähnlichkeit mit mir hatte. Mit Hilfe der Fotos wurde ein Phantombild erstellt. Den Räuber hat man dann allerdings nie gefasst.
Ich war’s nicht! Aber wer bin ich wirklich? Noch ein Tipp: Ich war sportlich viel erfolgreicher als Kandidat Nr. 8, und obwohl ich etwas älter bin als er, habe ich immer noch die bei weitem bessere Figur. Und in meiner Sportart bin ich sowieso unsterblich, auch wegen meiner »Figur«.
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Runde zehn. Als Royalist und Christ habe ich grundsätzlich Verständnis für meine beiden Vorgänger(innen?), aber ihr Sport interessiert mich nicht, überhaupt bin ich nicht unbedingt bekannt dafür, ein großer Sportfreund zu sein. Aber welch ein Irrtum! Ich war ein großer Fan von Tony Yeboah, für ihn ging ich sogar ins alte Frankfurter Waldstadion: Wir stiegen aus dem Auto und standen auf einem von kahlen Stangenfichten umgebenen Parkplatz. Ein Strom von Menschen war auf dem Weg in den dunklen Wald. Wer die Spannung nicht mehr ausgehalten hatte und jetzt schon betrunken war, blieb wankend zurück. In weiten Abständen führten steile Betontreppen aus der Waldesnacht in das leuchtend blaue Abendlicht. Dann der Aufstieg nach der Waffenkontrolle am Fuß der Treppe, im Ohr schon ein mächtiges Brausen, das anwuchs, je höher wir kamen. Dann die letzten Stufen, über mir der Mond und das Mädchen neben mir, der Blick stürzte in den Krater des Stadions, und dort war ER: Tony Yeboah.
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Und? Sie haben nicht die geringste Ahnung? Gut. So soll’s sein. Dass Fragen zu stellen leichter ist als sie zu beantworten (und man sich so nicht nur als Sporträtselbauer, sondern auch als Philosoph wie Sokrates das Leben einfacher machen kann), macht mir unser Leser Karl Heinz Schleiter aus Florstadt deutlich, denn er dreht den Spieß einfach um: »Zur Abwechslung mal ein kleines ›Wer bin ich?‹ von meiner Seite: Ein ausgebildeter Maschinenbauer, der als Jugendlicher auch bei Eintracht Frankfurt Fußball spielte, wurde mit 24 Jahren Millionär, ermordete als ›Soldat‹ seine Geliebte und lag auf Nelson Mandelas Schlafmatte. Wer bin ich?«
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Was macht man, wenn man keine Ahnung hat? Einfach die Leser fragen. Was hiermit geschehen ist (läuft aber außer Konkurrenz). – Da Runde sieben kein Problem für die Spitzengruppe darstellte (der eine oder die andere aber hat’s verpennt!), folgt die nächste Gesamtwertung erst nach Auswertung der Dreierpack-Runde. Da sie besonders knifflig ist, gibt’s zehn Tage Bedenkzeit. Nun ratet mal schön! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle