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Montagsthemen (vom 25. Juli)

Tod. Norwegen, Amy Winehouse, Love Parade. Was in Oslo und auf der »Toteninsel« (FAS) geschah, übertrifft die morbide Phantasie des düstersten skandinavischen Krimischreibers. Dann die Sängerin, die glaubte, so leben zu müssen, wie es zum Image großer Rockstars zu gehören scheint. Jetzt liegt sie in einer Reihe mit Cobain, Joplin, Hendrix, Morrison. Alle mit 27 gestorben. Wieder was für Verschwörungsfans. Und das Gedenken an die Opfer der Love Parade, bei dem immer noch das Suchen nach Schuldigen im Vordergrund steht, wobei ein armes Oberbürgermeisterlein die Sünden der Welt auf sich nehmen soll. Niemand spricht von der Natur des Menschen in der Masse. Vanitas.
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Zuflucht beim Sport: Supercup. Dünne-Suppen-Pokal. Unerheblich. Man sah’s beim Elfmeterschießen. Bis zum verschossenen eines nervösen Neuzugangs trafen alle, wie sie wollten, die Torhüter hatten keine Chance – so, wie es eben ist, wenn es beim Elfmeter um nichts geht. Nur einer war mit Leib und Seele und innerer Anspannung dabei, der Ur-BVBler Großkreutz, und der verschoss prompt. Sowieso hat Handkes »Angst des Torwarts beim Elfmeter« keine sportliche Aussagekraft, denn Angst hat beim Elfmeterschießen nur der Schütze. – Schwaches Spiel. Klar. Nach Lage der Trainingsdinge müssen die Bundesligisten momentan im tiefsten Leistungloch des Jahres stecken. Von daher sind beide auf einem guten Weg.
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Cadel Evans, ein würdiger Sieger. Faszinierend, wie er am Galibier verbissen auf Schleck-Verfolgung ging, im Schlepptau all die anderen Mitfavoriten, die nicht führen wollten oder konnten. Früher fuhr Evans als Ullrich-Helfer bei Telekom. Tempi passati.
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Nach der Abstinenz der Ulle-Trauerjahre reizt die Tour wieder, nicht nur den Schreiber, auch Leser: »Nachdem ich mich doch wieder von den tollen Bildern und den spannenden Zweikämpfen faszinieren ließ, las ich heute, drei Spalten neben Ihrem Anstoß, die Nachricht, dass sich Berlin für die Startetappe 2016 oder 17 bewerben will. Muss denn wirklich die ganze Welt am deutschen Wesen genesen? Genügt es nicht, dass mittlerweile fast jede Box-WM in Deutschland ausgetragen wird, dass wir alle vier Jahre eine Fußball-WM oder Olympiade nach Deutschland holen wollen? Soll jetzt auch noch die Australian Open in Deutschland ausgetragen werden oder die Rallye Paris–Dakar im Sauerland stattfinden?« (Jochen Pellatz) / »Es lebe die Tour! Und im nächsten Jahr werden wir uns wieder aufmachen nach Frankreich, mit Farbdosen im Gepäck, um ihn wieder zu verewigen auf einer Straße hinauf zu einem Pass der Alpen: The one and only« . . . nein, das lassen wir besser weg. Aber bitte wieder ein Foto schicken, lieber Andreas Kautz!
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Zur Kolumne vom Samstag: »Danke für Ihr Fazit der Frauen-WM, das mir aus der Seele spricht. Der Marketing- und PR-Schuh war einfach zu groß! Aber die Protagonisten haben sich wohl auch sehr gerne in Versuchung führen lassen.« (Jochen Leuschner)
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Im »Sport-Stammtisch« versteckt gab’s auch Runde sieben der »Wer bin ich?«-Reihe. »Als ich den ›Stammtisch‹ – wie üblich – meiner Frau vorlas, kam schon, wie aus der Pistole geschossen, die Antwort: (…). Oder war es nur für Nichtsportler leichter als für Sportler?« (Ulrich Holzer) / Wenn man (…) nicht schon vorher kannte, dann wurde man spätestens in den vergangenen Wochen ausführlich darüber informiert, da (…) sich durch etliche der zahlreichen deutschen Gesprächsrunden talkte. (Paul-Gerhard Schmidt) – Tja, das ist der Fluch der Sabbat-Wochen, in denen ich nicht fern sah (Sommers sowieso nur bei wichtigstem Sport) und wenig Zeitung las. Trotzdem nenne ich den Namen nicht, noch läuft die Runde.
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Noch einmal Leser Kautz: »Ein Frechheit war auch der dpa-Bericht vom Samstag in Ihrem Blatt! Dort von einer ›eher langweiligen‹ Tour zu sprechen, zeugt von der Ahnungslosigkeit vieler sogenannter Radsportexperten.« – Passend dazu dpa zum Weitsprung bei der DM in Kassel: »Bayer (…) gewann das Duell (…) in einem schwachen Wettkampf.« Bayer, lange verletzt, gewann mit starken 8,17 m. Schwacher Wettkampf?
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Zu guter Letzt: Weil ich mich bei Facebook angemeldet hatte, um zu gucken, wie das funktioniert, gibt es immer wieder »Freundschafts«-Anfragen von Lesern. Danke. Aber ich bin schon wieder draußen. Demnächst guck’ ich mal, wie Twittern geht. Auch Felix Magath wird wohl sein Facebook-Engagement überprüfen. Man denke an ausufernde Facebook-Partys, die im Chaos enden. Nun lud Magath 200 000 »Freunde« zu einer Radtour ein. Vier kamen. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle