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Sport-Stammtisch vom 22. Juli (mit “Wer bin ich?”)

Der Spuk ist vorbei, ich kann mich wieder blicken und lesen lassen, ohne die verordnete Partystimmung zu stören. Leider ist eingetreten, was ich vor meinen WM- Sabbatwochen befürchtet und geschrieben habe: Die Monster-PR-Walze (»Wollt ihr die totale Frauen-WM?«) hat vor allem die sportlichen Chancen der deutschen Frauschaft zermalmt. Eine rustikale Randsportart, für die sich pro Bundesligaspiel im Schnitt 800 Zuschauer interessieren, sollte ein neues Sommermärchen liefern, die Emanzipation vorantreiben, viele investierte Millionen amortisieren, aus herben Balltreterinnen süße Girlies machen (woran zuerst, wie ebenfalls befürchtet, Birgit »Ballack« Prinz scheitern musste) und ganz nebenbei der deutschen Event-Gesellschaft mit Glanz und Gloria einen WM-Titel bescheren. Das musste schiefgehen, und wer danach die Schuld bei der Trainerin suchte, wird nie begreifen, was wirklich geschehen ist. Am ärmsten dran sind die Spielerinnen, die an diesem gigantischen Druck zerbrachen und statt eines Lebenshöhepunktes ein bitteres Trauma erlebten, das sie noch lange verfolgen wird. Letzte Worte dazu, leider nicht zu beweisen: Ohne die PR-Walze, zum Beispiel bei einer WM im Ausland, wären die deutschen Fußballerinnen glanzvolle Weltmeisterinnen geworden.
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Aber Schluss damit, zumal diese frühen Befürchtungen nun, da es zu spät ist, von vielen geteilt werden und daher nicht mehr allzu originell klingen. Morgen geht’s weiter mit anderen Themen, aber ähnlicher Thematik: Vorspiegelung falscher Tatsachen von Pistorius 2011 bis München 2018. Heute aber kommen wir zu unserem eigenen Sommer-Wettbewerb, der, so Gott und die Leser wollen, noch einige weitere Sommer erleben wird: »Wer bin ich?«
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Die Runden drei bis sechs sind aufzulösen, worauf viele seit Wochen gespannt gewartet haben. Es ging um eine deutsche Sportlegende, der einst ein ganz spezielles »Hole-in-one« gelang, um eine sportverweigernde hessische Legende, um eine schnelle Welt-Legende mit eigenartiger Anmach-Methode und ebensolchen politischen Ansichten sowie um einen in literarischen Kreisen nicht weniger legendären Basketballer mit kreidigen Altmännerwaden, den wir beim letzten Wurf seines Lebens beobachteten. Wir lösen die Rätsel mit Hilfe unserer Leser auf
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Dritte Runde: Franz Beckenbauer. »Es ist legendär, wie er im ›Aktuellen Sportstudio‹ den Ball von einem Glas mit ›Hopfenblütentee‹ unten rechts in der Torwand versenkte.« (Thorsten Düringer). / »So einfach und doch einen rauchenden Kopf hinterlassen. Ich glaube, es ist der Kaiser Franz B. Wenn ja, war es das Weizenbierglas im Sportstudio, was mir zum Hole-in-one eingefallen ist.« (Andreas Kautz).
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Vierte Runde: Matthias Beltz. »Der Text ist mir leider völlig unbekannt. Ich vermute aber einfach mal, dass Sie mit dem ›bekennenden Nichtsportler‹ dem von Ihnen so geschätzten (warum eigentlich?) Matthias Beltz ein Denkmal setzen wollten. (Jochen Schneider/Butzbach). / Wollte ich. Warum eigentlich? Darum: »Nur der verehrte und schmerzlich vermisste Matthias Beltz konnte anschauliche Vergleiche wie ›Komik ist das Gegenteil von gut gelaunt‹ machen und sein Lieblingsthema Revolution in Verbindung mit einem ›kommunistischen Lottogewinn‹ bringen. Parmesan und Partisan, wo sind sie geblieben – Partisan und Parmesan, alle sind zerrieben … (Norbert Fisch).
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Fünfte Runde: Jesse Owens. »Ich weiß, dass er sich zu der Black- Power-Aktion kritisch geäußert hat, und auch der damalige Präsident Roosevelt hatte sich geweigert, den vierfachen Olympiasieger 1936 zu empfangen.« (Jost-Eckhard Armbrecht) / »Hallo gw, endlich weiß ich auch mal was! In Runde fünf geht’s um Jesse Owens. Beste Grüße von einem treuen Leser aus Friedberg.« (Volker Michel).
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Sechste Runde: »Rabbit«/Harry Angstrom/John Updike (alles als richtig gewertet). »Hier weiß ich zumindest, dass der US-amerikanische Schriftsteller John Updike zeit seines Lebens an schlimmer Schuppenflechte litt (kreidige Altmännerwaden) und am 27. Januar 2009 in Beverly verstorben ist.« (Doris Heyer). / »Harry, ein High-School-Basketballstar, ist eine Romanfigur von John Updike. In mehreren Bänden wird seine Geschichte erzählt, und der Autor ließ ihn auch schon sterben, aber die Fangemeinde hoffte auf eine Rückkehr. Mit dem Tod des Autors am 27. 1. 2009 ist endgültig Schluss mit der Geschichte.« (Paul-Gerhard Schmidt/Nieder-Ohmen).
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Theoretisch war »Rabbit« am schwierigsten, aber da ich den 27. Januar 2009 nannte, konnten versierte Googler über dieses Datum auf den Updike-Helden kommen. Die meisten falschen Lösungen gab’s bei Runde vier, von Odo Marquard über Georg Schramm, Martin Mosebach und Elke Heidenreich bis zu Peter Sloterdijk. Dennoch liegt mir die Spitzengruppe immer noch viel zu eng beisammen, daher werde ich versuchen, die nächsten Runden ungoogelbar zu formulieren und sie nicht anzukündigen, um »Anstoß«-treue Leser zu bevorteilen. Also bis dann! (gw)

Die Spitzengruppe nach sechs Runden

1.   Jost-Eckhard Armbrecht
      Christian Lugerth
      Walther Roeber
      M. Schäfer
      Paul-Gerhard Schmidt alle 6

6.   Joachim Bille
      Dr. Sylvia Börgens
      Thorsten Düringer
      Gerd-Ludwig Fängewisch
      Dr. Hans-Ulrich Hauschild
      Andreas Hofmann
      Rüdiger Schlick
      Jochen Schneider alle 5

14. Norbert Fisch
      Doris Heyer
      Andreas Kautz
      Thomas Koch
      Karola Schleiter alle 4

Baumhausbeichte - Novelle