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Sport, Gott & die Welt

Freitag, 1. Juli, 16.45 Uhr.

Bis zu 19 Millionen haben zugeschaut? Wirklich? In meinem Kreis von Bekannten hat kein einziger zugeschaut, kein einziger interessiert sich dafür.

PR ist eine Abkürzung. Für Public Relations. Klingt ja auch besser als PRopaganda. Wesen aller PR: Einen Wunsch nicht als Wunsch, auch nicht als Behauptung, sondern als Tatsachenfeststellung wiederholen und wiederholen und wiederholen und wiederholen und wiederholen. Funktioniert fast immer. Bis zum Overkill. Aber wenn der kommt, sind alle Schäfchen im Trocknen und niemand interessiert sich mehr dafür. Weder für die Sache noch für den Overkill.

Dunkel ist der Worte Sinn? Wie gestern? Tja.

Dann halt mal was ganz anderes. Ein modernes Märchen: Eine junge Frau betritt ein Zimmer, sieht einen kleinen, dicken, hässlichen, nackten alten Mann, verliebt sich blitzartig in ihn und seine wulstigen Kusslippen, gibt sich ihm hin und weint jämmerlich, als ihr Märchenprinz sie nicht sofort zum Traualtar führt.  Sie sinnt auf Rache und bezichtigt ihn der sexuellen Gewalt, der kleine, dicke, hässliche alte, aber nicht mehr nackte Mann kommt ins Gefängnis, und wenn er nicht gestorben ist … nein, moderne Märchen enden so: … und wenn er nicht viele liebe nette Rechtsanwälte gehabt hätte, die keine Kosten und Mühen scheuen, um den Unschuldigen in Freiheit zu bringen, säße er noch heute und für lange Zeit dort.

Wirklich was ganz anderes: Während ich diese Zeilen vor mich hin tastature, fällt mein Blick auf den neben dem Bildschirm liegenden Archivband, aus dem ich die demnächstige historische „Anstoß“-Serie „Nachdruck“ zusammenstelle. Aufgeschlagen ist Samstag, der 20. November 1976, und unten recht lese ich eine kleine einspaltige Überschrift: Klaus Steinbach: 1980 letzte Spiele. Es folgt der Beginn des sid-Textes: Montreal sah die vorletzten, Moskau wird 1980 die letzten Olympischen Spiele erleben. Diesen düsteren olympischen Ausblick gab Weltklasse-Schwimmer Klaus Steinbach (…) „Es wird irgendwann nach Moskau nur noch die östlichen Staatsamateure und westlichen Profis geben, die dann ihre eigenen Weltveranstaltungen aufziehen.“

Sachen gibt’s. Ich hab’s damals ja ähnlich gesehen. Und schreibe immer noch olympische Anstöße, ohne östliche Staatsamateure, aber mit deutschen Staatsprofis. Vielleicht sollte ich einmal hochinvestigativ aufdecken, dass die Wehrpflicht nur aus einem einzigen Grund abgeschafft wurde: Weil die Bundeswehr mit all ihren Rodlern, Biathleten, Eisschnellläufern sonst aus allen Nähten platzen würde. Der Haken daran: Die Kaderathleten wehren sich gegen Trainingslager in Afghanistan.

Klaus Steinbach: Auch für ihn gab es ein Leben nach dem Schwimmen. Er wurde Chefarzt, Sportfunktionär, sogar NOK-Präsident, bis das NOK mit dem DSB fusionierte (mancher meint noch immer vergrätzt: zwangsfusionierte) und Thomas Bach Herrscher aller deutschen Sportler wurde.