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Wer bin ich? (2. Folge)

Meine größte sportliche Tat jährt sich in diesen Tagen zum soundsovielten Mal. Die Zahl soll ich nicht verraten, sagt der Redakteur, sonst würden die Leser mich »googeln«, was immer das sein mag. Aber ich sag Ihnen was: Es ist eine kleine Schnapszahl. Überhaupt finde ich es komisch, dass hier nach mir gefragt wird – in aller Bescheidenheit: In meiner Sportart gab es keine Größere und keinen Größeren! Ich bin keine Rätselfrage, sondern eine Legende!
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Aber ich will kein Spielverderber sein und Ihnen einige Informationen geben, die nicht sofort auf mich hindeuten. Also, meinen sportlichen Einstand feierte ich in Frankfurt, wie ich überhaupt eine echte Hessin bin, in Darmstadt geboren und gestorben. Bei meinem Debüt trat ich allerdings in einer anderen Sportart an als in jener, in der ich später unsterblich wurde.
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Na ja, unsterblich … das ist ein etwas heikleres Thema. Nach meinem Tod gab es einen Skandal. Empörend! Doch das deutsche Sportvolk ließ mich nicht im Stich, und da mittlerweile eine Straße nach mir benannt wurde und in der selben Stadt meine lebensgroße Bronze-Plastik zu bewundern ist, ist Gras über die Sache gewachsen, und nachtragend bin ich sowieso nicht, obwohl ich in aktiven Zeiten als Zicke galt.
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So, mehr wird nicht verraten, sonst bleibt das Rätsel unter meiner Legenden-Ehre. Wenn Sie mich immer noch nicht erkennen, fragen Sie einfach mal Ihre Partnerin. Die hilft Ihnen ganz gewiss. So wie ich meinem … mpfpff … Sie impertinenter Redakteur! Hält man einer Dame den Mund zu?!
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Mundzuhalters Nachsatz: Wenn »Wer bin ich?« Nummer zwei so selektiv wie erhofft ausfällt, wird in Kürze eine erste Top-10-Ehrenliste veröffentlicht. Wenn es keine einzige richtige Lösung geben sollte, folgt in einer der nächsten »Anstoß«-Kolumnen eine letzte Hilfestellung. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle