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Montagsthemen (14. Juni)

Pfingsten pfing ja schon gut an, weil die Montagsthemen schon am Sonntag für Dienstag geschrieben wurden und daher nur aus purem Trotz Montagsthemen heißen. Müder alter Gag? Ja. Richtig muss es heißen: Fingsten fing ja schon gut an … halt, stopp, die jahrelange Alberei muss wirklich ein Ende haben, hiermit endet unwiderruflich unsere pfingstliche Kalauer-Tradition, die noch aus dem letzten Jahrtausend in diese Kolumne herüberragte. Nie wieder!
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Nutzen wir das Momentum, um etwas ernsthafter zu werden. Wenigstens heute. In der grassierenden Dirkomania wird jedes Wort des großen Nowitzki auch dem des Basketballs weniger mächtigen Teil des Volkes kundgetan, weshalb das zu nutzende »Momentum« auffiel, von dem Dirk mehrmals sprach und das ohne weitere Erklärung zitiert wurde. Manche wunderten sich, denn solch hochgeschaukelten und -gestapelten Sprachduktus kannte man zwar von einem ehemaligen Verteidigungsminister, aber doch nicht von einem wie Dirk. Warum sagt er »Momentum« statt »Moment«? Ganz einfach: Weil »momentum« ein gängiger Begriff aus dem US-Sport ist und »Wucht«, »Schwung« bedeutet, also die Dynamik, die man aufgebaut hat und weiter nutzen soll.
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Vermutlich hat die US-Sportsprache das Momentum aus der Börsensprache übernommen, wo es »ein wesentlicher Oszillator in der Chartanalyse ist und speziell bei der Zyklusanalyse eines Charts von Bedeutung sein kann« (Wikipedia).
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Wir Nichtbörsianer oszillieren schwingend und auf einem weißen Schimmel reitend (oszillieren = schwingen, pendeln) zurück nach Deutschland. Auch hier gibt es Mega-Events, über die in hochgeschaukeltem und -gestapelten Sprachduktus gesprochen wird. Das sind dann »situative Event-Vergemeinschaftungen« mit »Spontan-Verbrüderungen in der Dynamik des zusammen Spaß-Habens«, die es ermöglichen, »sich in einem Kollektiv-Vehikel aus Lebens-Routinen heraustransportieren« zu lassen. Meint der Dortmunder Soziologe Roland Hitzler. Ihm dazu von dieser Stelle aus ein herzlicher Glückwunsch!
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Ich hätte doch versprochen, kein böses Wort über die kommende situative Event-Vergemeinschaftung in Deutschland zu schreiben? Ja. Und das Versprechen halte ich auch. Denn Herr Hitzler sprach nicht von der künftigen Spontan-Verschwisterung, sondern von den gerade beendeten Zwillingsfestivals »Rock am Ring« und »Rock im Park« in Nürburg und Nürnberg. Denn dort fing Pfingsten (hurra, ich hab’s geschafft!) wirklich gut an.  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle