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Anstoß (“Der bin ich!” / 9. Juni)

Wen ließ die Mutter die Schuhe des großen Bruders putzen? Wer musste später seine Tankstelle aufgeben, obwohl die Menschen durchaus seinen Werbespruch beherzigten: »Willst du unserem ›Sigi‹ danken, musst du fleißig bei ihm tanken«? Wer hat vier künstliche Knie- und Hüftgelenke? Es war … aber überlassen wir die Auflösung den Lesern: »Zu dem gesuchten Sportler fällt mir Rainer Philipp vom (damaligen) VfL Bad Nauheim ein. Sein älterer Bruder Horst (leider ebenso schon verstorben wie sein Sohn) war Bundesliga-Torschützenkönig, Rainer dagegen ›Passkönig‹«, meint Wolfgang H.
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Also Rainer Philipp? Dieter Metz setzt dagegen. »Da ich im Schatten des Betzenbergs aufgewachsen bin, würde ich ja sagen, dass es Ottmar Walter ist. Aber bei euch Hessen ist es bestimmt wieder Don Alfredo gewesen.« Alfred Pfaff? Dritter Versuch, gemeinsam von Familie Schläfer: »Das pfälzische Oberhaupt der Familie ist sich mit Ottmar Walter ziemlich sicher und möchte hinzufügen, dass seine werte Frau Schwägerin ein Kino besessen hat.«
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Rainer Philipp? Alfred Pfaff? Ottmar Walter? Kurz und bündig mailt Steffen Kunz am Sonntag nach Mitternacht: »Ottmar Walter. ›Wer bin ich?‹ ist super, bitte wiederholen. Gruß von der nächtlichen Arbeit.« – Ja, »Wer, bin ich?« geht in Serie, auf wirklich vielfachen Wunsch. Keine Überraschung mehr: Ottmar Walter war der Gesuchte (lieber Herr Metz, Ihre Antwort zählt natürlich als richtig). Walther Roeber fragt smileyzwinkernd: »Wo bleiben jetzt die Preise? Bei RTL wäre das schon mindestens eine 64 000-Euro-Frage?« Also, zu gewinnen gibt es … nichts. Wir setzen, gegen den Trend, auf den reinen Ratespaß, ehrenhalber auch noch auf eine Veröffentlichung der besten Tipper. Spätestens ab Runde drei wollen wir jede neue Folge mit einer Veröffentlichung der Spitzengruppe begleiten.
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Ein wichtiger Zusatz-Tipp war die Verbindung zum Österreich-Spiel. Als in den »Montagsthemen« auch noch eine Gemeinsamkeit mit Mario Gomez nachgereicht wurde, hätten letzte Restzweifel verfliegen müssen, denn wie Gomez schoss (bzw. köpfte) Ottmar Walter zwei Tore gegen Österreich – 1954 beim 6:1-Sieg im WM-Halbfinale.
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Apropos Österreich: Andreas Kautz (ebenfalls mit richtiger Lösung), war beim Spiel in Wien und fragt angesichts gewisser gehäuft auftretender Fans: »Werden mit dem Solizuschlag auch Reisen zu Länderspielen von merkwürdigen Gestalten aus den neuen Ländern subventioniert?«
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Aus der Menge der Mails noch eine besonders hübsche von »Do u. Willi Heyer«: »Künstliche Knie- und Hüftgelenke schließen nicht auf einen jungen Mann, ich persönlich, auch nicht mehr jung, tippe auf Ottmar Walter, der immer im Schatten seines Bruders Fritz gestanden hat. In diesem Sinne, Gruß von einer Leserin, die sich jetzt im Rentenalter morgens sofort auf den Anstoß stürzt, aber schon seit Jahren zu den treuen Lesern dieser Kolumne gehört.«
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Und zur ersten, noch sehr umfänglichen Spitzengruppe. Mein Ehrgeiz wird sein, diese zu reduzieren. Um es Online-Suchern nicht zu leicht zu machen, hatte ich schon Ottmars Spitznamen »Ottes« durch »Sigi« ersetzt, wie er auch genannt wurde, weil er so schön war wie der schöne Sigismund im Schlager (Rüdiger Schulz, ebenfalls smileyzwinkernd: »Ich finde auch, dass Ottmar besser aussah als sein großer Bruder«). Dennoch: Wer »Tankstelle + Werbespruch + Bruder« eingab, stieß bei 80 000 Treffern schon beim ersten auf Ottmar Walter – in Zukunft wird’s schwieriger (dadurch auch für mich)!
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Zum Auslese-Verfahren gehört nicht nur angestrebte Ungoogelbarkeit, sondern auch, sich nicht auf reale Größen zu beschränken, sondern literarische Gestalten einzubeziehen und vielleicht sogar … psst, nicht zu viel verraten.
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Die schöne, traurige, bezeichnende Geschichte vom schuhputzenden kleinen Ottmar habe ich allerdings selbst aus den Tiefen des Internets gefischt. Ob sie überhaupt stimmt? Falls ja, hätte auch ein Freud seine Freud’ an dieser Passage aus Fritz Walters Erinnerungsbuch »3:2« (vor dem Österreich-Spiel): »Besonders Ottmar und Karl Mai putzen ausdauernd an ihren Fußballschuhen herum, weil sie noch lange nicht pico bello sind.« Nicht so pico bello wie Fritzens Schuhe? Denn der hatte ’54 in »Boss« Rahn einen neuen Ottmar gefunden: »Helmut nimmt mir das Putzzeug aus der Hand und wienert meine Schuhe mit.« (gw)

Baumhausbeichte - Novelle