Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montagsthemen (6. Juni)

Heute vor 40 Jahren: Zur Feier seines 50. Geburtstags spielt Horst-Gregorio Canellas, Präsident der Offenbacher Kickers, seinen Gästen eine Tonbandaufnahme vor. Der Bundesliga-Skandal ist da.
*
Heute: Die FIFA untersucht das Spiel Nigeria gegen Argentinien, in dem es noch beim 4:0 hohe Wetteinsätze darauf gab, dass noch ein Tor fällt. In der 90. Minute stand es immer noch 4:0, der Schiedsrichter gewährte großzügig fünf Minuten Nachspielzeit, pfiff aber erst ab, nachdem er in der 98. (!) Minute einen Elfmeter gegeben hatte, der zum 4:1 führte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ein Schelm auch, wer die FIFA mit jenen Mafia-Bossen vergleicht, die Kleinkriminelle hochnotpeinlichen Befragungen unterziehen, wenn diese unerlaubt auf eigene Rechnung arbeiten.
*
Ooch, wie böse! Lieber zum ehrlichen Fußball: Dass Österreich »überraschend« stark spielte beziehungsweise Deutschland »überraschend« schwach, überrascht uns in dieser Kolumne nicht, denn es entspricht alten »Anstoß«- Mantras. Das erste: Wenn der Akku einmal leer ist (Skibbe), kann man ihn nicht schnell aufladen (Daum). Schön, dass jetzt auch der Bundestrainer unsere Besserwisserei unterstützt: »Den Akku kann man nicht mehr hochfahren.«
*
Zweites Mantra: Wenn die Eintracht gegen Bayern München spielt … will heißen: Die »Piefkes« sind für die Ösis das, was die Bayern für Frankfurt sind: Wenn es gegen die geht, spielt man zwei Klassen besser als zuvor und danach.
*
Randnotiz zur Eintracht: Dass Amanatidis und Franz gehen müssen, gehört zu den notwendigen Aufräumarbeiten. Der eine hätte schon viel früher aussortiert werden beziehungsweise aussortiert bleiben müssen (Bruchhagens fataler Abstiegsfehler, unser drittes Mantra), und einer wie Franz hätte nie verpflichtet werden dürfen, da zutiefst Frankfurter Fußball-Selbstverständnis widersprechend. Der doofe Spruch, einen wie Franz brauche jede Mannschaft, widerlegen die Besten der Welt (Barca) und Deutschlands (BVB): Beide haben und wollen keinen wie Franz.
*
Noch einmal zum Österreich-Spiel. Nein, zum »Wer bin ich?«-Rätsel vom Samstag: Der Gesuchte hat eine Gemeinsamkeit mit Mario Gomez. Mehr dazu heute nicht, denn nach der Mail-Flut (freut mich, Danke!) warte ich noch ab, ob heute auch noch altmodische Post kommt. Jedenfalls wollen viele, dass »Wer bin ich?« in Serie geht. Wer’s am Samstag verpasst hat und interessiert ist, kann online nachlesen und noch schnell mitmachen. Und am Donnerstag folgt die Auflösung.
*
Andere Frage: Welches Ergebnis hatte die weltweite Männer-Befragung, ob sie auf eine Nacht mit einem brasilianischen Supermodell oder auf die Geburtstagsfeier ihrer Mutter verzichten würden, wenn dafür ihr Lieblingsklub die Champions League gewänne? In der »Zeit« gibt eine Journalistin pikiert das Ergebnis preis: 52 Prozent würden auf das Supermodel, 46 auf Mutti verzichten. Wie pikiert wäre die Kollegin erst, wenn sie wüsste, welche Heuchler die Männer sind. Zumindest jene 54 Prozent, die für Muttis Geburtstag auf die Champions League verzichten würden.
*
Direkt neben der Umfrage steht ein apokalyptischer Artikel über die Schulden der USA. Überschrift: »Griechischer als die Griechen.« Kommen wir also zu guter Letzt zu unseren Freunden aus Hellas. Um sie müssen wir uns keine Sorgen machen (um uns schon, vor allem aber wg. USA). Als bekennender Philhellene weiß ich, dass die Herabwertung durch die Ratingagenturen auf Ramsch-Status zwar der griechischen Wahrheit entspricht, aber: Wenn beim Skat (für jüngere Leser: Das ist das Spiel, dass eure Papas früher neben dem Fußball am liebsten spielten) Ramsch angesagt wird, gewinnt der mit den schlechten Karten, und es verliert immer der mit den besten. Also wer?
*
Daher sollten wir unser Blatt listig ausreizen und etwas für die Verbesserung der griechischen Zahlungsbilanz tun, damit erst gar kein Ramsch gespielt werden muss. Reisetipp für kurzentschlossene alte Mamas und Papas: Direktflug nach Heraklion, mit dem Bus nach Pitsidia, in die ehemalige mittelhessische Exnklave in Südkreta (vor allem Gießener Graubärte seufzen verzückt alleine schon bei diesem Namen: Pitsidia!), und dann im benachbarten Matala ein Open-air-Festival der nostalgischen Superlative erleben, denn rund um die legendären Wohn-Höhlen am Strand von Matala findet über Pfingsten ein Revival unter dem Motto statt: »Die Blumenkinder kommen zurück.« Werft die Krücken weg, nichts wie hin! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle