Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montagsthemen (2. Mai)

Wir sind hier nicht bei ARD und ZDF, die ins selbe Horn stoßen, weil sie bei der englischen Hochzeit nicht im Quoten-Tief versacken wollten. Wir bieten daher echtes Kontrastprogramm zur Dortmunder Hoch-Zeit, auch wenn’s schwerfällt, denn eigentlich möchten wir, vom BVB mindestens so begeistert und gerührt wie ein Royalist von William und Kate, das gleiche Lob- und Preis-Lied singen wie alle anderen auch. Aber wir belassen es hiermit: Tiefer Diener!

Also Kontrastprogramm. Und gibt es einen schärferen Kontrast als Eintracht Frankfurt? Vortrauer greift um sich, mainauf, mainab und natürlich auch beim hessenpatriotischen Kolumnisten, in dessen miesem, kleinen Besserwisser-Herzen aber auch fiese Genugtuung lauert: Hab ich’s nicht gewusst!? Dass das nicht gutgehen kann!? Unbelastet von der Mühsal eines nachhaltig (hier passt das Modewort!) wirkenden Aufbautrainings mit Schwung und Spielfreude in die Saison startend, daher trotz viel weiterer Schonung und Freizeit erfolgreich punktend, nach einer scheinbar unerklärlichen Niederlagenserie den Trainer entlassend und in der Endphase der Saison einem wortheldenhaften Nachfolger vertrauend, der in vielen Monaten Fehlendes in wenigen Wochen, ja Tagen brachial nachholen will, was nach allen Regeln des Trainings-Kunsthandwerks einfach schiefgehen muss, weil man einen solch leeren Akku nicht blitzaufladen kann.
*
Die Lage erinnert fatal an jene vor dem ersten Abstieg in den Neunzigern. Als  alle Frankfurter Welt nach UI-Cup-Sommerreise (statt seriöser Saisonvorbereitung), trügerischem Höhenflug und winterlicher Hallen-Königs-Kür himmelhoch jauchzte, unkte das miese, kleine Besserwisser-Herz:  Wenn im Fußball leistungssportliche Grundregeln auch nur im Ansatz gültig sind, steigt Frankfurt ab.

*
Die Bilder damals und heute gleichen sich: Frustrierte Eintracht-Fans pfeifen auf scheinbar lust-, herz- und kampflos kickende Profis, denen aber noch der geringste Vorwurf zu machen ist, denn ihr Geist ist willig, ihr Fleisch schwach (gemacht worden). Dennoch, liebe Fans, »wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch« (Fußball-Fachmann Hölderlin). Zwar droht der Direktabstieg, zwar wirkt der Relegationsplatz fast schon wie eine trügerische Hoffnung, aber zu Hause gegen Köln muss gewinnen, wer nicht zu Recht absteigen will, und danach folgt das Rettende im Sinnen Hölderlins in Gestalt von Borussia Dortmund, wo nach zwei Feier-Wochen der Geist zwar noch willig sein dürfte, das Fleisch aber schon mehr als eintrachtschwach.
*
Kleine Randgeschichte zum großen Klopp: Sein Mentor heißt Wolfgang Frank, der frühere Mainzer Trainer, von dem Klopps bewundertes BVB-System stammt. Franks Ex-Spieler feiern als Trainer rauschende Erfolge, wie jetzt Torsten Lieberknecht, der mit Braunschweig in die 2. Bundesliga aufsteigt, was Franks Ex-Klubs Offenbach und Wehen nicht gelingen dürfte. Frank selbst war bis vor gut einer Woche Trainer beim Drittligisten Jena. Er wurde entlassen. Wegen anhaltender Erfolglosigkeit. Bizarr? Nein: Fußball. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle