Archiv für Mai 2011

Sport, Gott & die Welt (gw-Blog 16. – 31. Mai)

 

Dienstag, 31. Mai, 11.50 Uhr.

In den “Montagsthemen” schrieb das Kolumnen-Ich, es wolle in der Nacht zum Mittwoch um 3.00 aufstehen und Nowitzki gucken. Tags darauf die Frage: wo denn? Das NBA-Finale gibt’s nicht bei ARD oder ZDF (die bevorzugen neben dem Fußball andere Supermegatopsportarten wie Frauenboxen des siebzehntgrößten Weltboxverbandes), nicht im frei empfangbaren privaten Fernsehen, auch nicht bei Sky (former known als Premiere). Nur bei Sport1 (irgendeine Pay-TV-Variante). Gerettet hat mich bzw. das Kolumnen-Ich unser Basketball-Fachmann gae: Im Internet kann man das Spiel bei NBA.de live und kostenlos anschauen. Das Kolumnen-Ich hat also nicht gelogen. Und das Ich-Ich bleibt sowieso im Bett.

Dafür hat, wieder einmal, unser alter Freund W. R. einen Fehler entdeckt, damit ich ihn schnell und unauffällig korrigieren kann: Es muss Libyen heißen statt Lybien. Oder Lybien statt Libyen? Schon bin ich wieder durcheinander. Aber Libyen oder Lybien ist doch auch belybisch. Oder belibysch. Jedenfalls hab ich’s jetzt mit der Alberei geschafft, dass sich  das richtige Lyibyien nie mehr im Hirn verankert. Bei Ihnen auch?

Veh. Bruchhagen. Und Hübner. Zwei Alpha-Tiere und einer, der seiner Jobbeschreibung nach die sportliche Richtlinienkompetenz hat. Ob das gutgeht? Normalerweise nicht, da hätte ein Hübnerchen nur die Rolle des Jokers, den die beiden anderen ziehen, wenn’s hakt. Den Sündenbock-Joker. Aber Bruchhagen und Veh haben Format, und Hübner kann zeigen, ob er Format hat. Über Bruchhagen muss man nicht mehr reden, Veh wirkt von außen wie ein Trainer der menschlich angenehmeren Art, und Hübner zeigt immerhin schon mal in einem Interview (FR) Formatansätze (Aussagen zu Amanatidis!). Drei in der Zwei auf Kurs Eins. Eintrachts schwerstes Handicap ist sowieso außerhalb ihrer Einflussmöglichkeiten: Die Rolle als Bayern München der 2. Liga. In dieser Rolle behauptet sich nur, wer in seiner Liga auch so spielt und auftritt wie Bayern München (letzte Saison gilt als Mir-san-mir-Streichresultat).

Kachelmann. Wäre er verurteilt worden, die nächste Instanz hätte dieser Kammer das Urteil um die Ohren gehauen. Die Lügen des mutmaßlichen Opfers über den mutmaßlichen Täter und den mutmaßlichen Tatverlauf hätten ein Verfahren erst gar nicht zulassen dürfen. Jetzt sind, Freispruch hin, Freispruch her, beide Seiten stark beschädigt, Kachelmann auch beruflich.

Was die meisten, die eine Meinung haben (und wer hat keine?), vergessen: Arschlochsein ist nicht strafbar! Und: EINE Straftat bleibt jedenfalls ungesühnt: Entweder eine Vergewaltigung, oder eine im Grunde ebenfalls vergewaltigende rachsüchtige Falschbeschuldigung. Was zutrifft, das wissen nur zwei, und wahrscheinlich nicht mal diese beiden, denn ihr Gehirn hatte viele Monate lang Zeit, die ihm jeweils genehme Wahrheit im Bewusstsein zu verankern.

Sonntag, 29. Mai, 6.35 Uhr.

Der Fuchs, ich schwör’s, er grinst mich wieder an. Hat er im Gegensatz zu mir sofort den Witz verstanden, den die holländischen Freunde gestern abend erzählt haben? Die Pointe hat mit einem 30 Zentimeter großen Schimmel zu tun. Auf HR 1 inspirieren mich die “Inspirationen” heute früh nicht, habe anderes im Kopf: Die neue “Anstoß”-Idee “Wer bin ich?” und die zu suchende Person der ersten Folge, passend zum Länderspiel. Nicht zum heutigen. Zum demnächstigen. Psst, auf die Zunge beißen. Noch nichts verraten. Gordon Lightfoot singt. “If you could read my mind.” Hirnforscher glauben, dass sie bald my mind readen können. Glaub ich euch nicht. Aber schöner Name: Gordon Lightfoot. Wär auch ein schöner Name als Kolumnenschreiber, Lightfoot statt gw. Annie Lennox ist dran. “Here comes the rain again.” Schön wär’s. Mein 17. Hobby, das kleine Beet, leidet seit Wochen, weil der rain einfach nicht kommt. Einziger Vorteil: Musste schon lange nicht mehr den Rasen mähen.

Bis jetzt typisches Blog-Gebrabbel. Absichtlich. Will mich ja von den eigenen Brot-Kolumnen abheben. Aber nun mal, in der Redaktion angekommen, die Nachrichtenlage, wie der Deutsche sagt, schecken. Ist wirklich gescheckt. “Hammer”-Eilmeldung um 2:51 Uhr: “Bin Hammam zieht Kandidatur zurück.” Seit Tagen jagen sich die Skandalmeldungen um die beiden Kandidaten, und mich interessiert’s einfach nicht. Sind für mich “Hund beißt Mann”-Geschichten. Im richtigen Sport werde ich fündig: Caster Semenya läuft wieder, gewinnt in Dakar, aber mit mehr als zwei Minuten, also auf weiblich-menschlichem Niveau. Sie wird ihre frühere Zeiten nie mehr erreichen, obwohl sie jetzt erst das richtige Leistungsalter erreicht. Scheinbar paradox: Wenn es so ist, wie es zu sein scheint, ist sie ihre Sensationszeiten absolut sauber gelaufen, also ohne manipulative hormonelle Mittel, aber ihre jetzigen deutlich schwächeren Zeiten könnten gerade an … ach, auch im Blog sollte man manchmal besser schweigen. Aus dem Dilemma führen zwei Wege. Eine ehemalige deutsche Stabhochspringerin hat den anderen gewählt und ist, wie man hört (und auf seiner Internet-Seite lesen kann) als Mann glücklich geworden.

David Storl stößt 20,85. Bei youtube noch einmal ein paar Stöße des Übertalents angeschaut. Diese Technik! Tränen des späten Neids fließen. Hätte man doch … wäre man doch … tempi passati.

Viel zu lange rumgebloggt. Der Brotberuf ruft warnend: “Montagsthemen warten!”

Nachtrag um 11.30 Uhr: Danke, lieber W. R., für die frühe Korrektur. Ich hatte dreimal “Lightfood” geschrieben. Das würde auch nicht als Kolumnennamen passen, denn entweder käme Bigfood (physisch) oder Lightfoot (psychisch) in Frage. 

Mittwoch, 25. Mai, 17.00 Uhr.

 

Der “Rück-Blog” (Sport, Gott & die Welt”-Auszüge) vom Mai steht morgen im Blatt, aber nicht online, wär ja doppelt gemoppelt. Heute ruhige sportliche Nachrichtenlage, erkennbar daran, dass das Poker-Theater um Neuer derart hochgespielt wird. Nett am Rande: Zwei Söhne schreiben Torhüter-Schlagzeilen. Kirsten junior überragt im Relegationsspiel, Schmeichel-Junior steht im dänischen Nationalkader. Der “alte” Schmeichel ist von den ganz Großen der, dem Neuer am ähnlichsten ist. Beziehungsweise werden kann. Noch hält er zu unbeständig.

Die Strafe für die Eintracht: sehr, sehr glimpflich. Ungefähr so, als kame Strauss-Kahn sofort frei und müsste nur 10 000 Dollar für den Zimmermädchen-Pensionsfonds zahlen. Nein, quatsch, blöder Vergleich. Wird zurückgezogen. Aber 25 000 Euro für einen guten Zweck und maximal 19 000 Zuschauer (mehr kämen gegen ein Paderborn-Kaliber eh nicht), da steckt ein Sympathie- oder Mitleids-Bonus drin. Vielleicht beides. Und vielleicht noch Respekt für Bruchhagen.

Heute abend spielt der Klub, der die meisten Fans unter den “Anstoß”-Lesern hat (außer der Eintracht, versteht sich), gegen den Trainer, der in Frankfurt in diesem Jahrtausend am besten gearbeitet hat. Der Sport-Informationsdienst hat vor ein paar Stunden eine ausführliche Personalie über Funkel gesendet und das Kunststück fertiggebracht, in der Trainer-Vita des Bochumer Coachs die Frankfurter Eintracht mit keinem einzigen Wort zu erwähnen. Nachlässigkeit? Na ja, eher Absteiger-Schicksal.

Sonntag, 22. Mai, 10.25 Uhr.

Montagsthemen haben sich schnell geschrieben, dank Betty Heidler, also großen Teils auf vertrautem Terrain, und dank Reginald Hill, dem Lieblings-Krimiautor. Dass ich das Internet nicht nur presseüberlebenstechnisch verfluche, sondern manchmal auch als Segen sehe, liegt an Leser-Zuschriften wie den folgenden beiden, die ich im Blatt kürzen müsste, was sie nicht verdient hätten, die hier aber, wie in den Montagsthemen angekündigt,  in voller Länge erscheinen können.

Gute Morgen, Sie haben so recht, es juckt echt keine Sau mehr was die Hamiltons, Hincapies oder Landis dieser Welt über die Dopingpraktiken des Texaners verkünden. In 4 Jahren werden dann die Ergebnisse der Ermittlungen amtlich.
Resultat: Armstrong nahm Epo!!! Oh Gott wie schrecklich (siehe Carl Lewis).
Selbst wenn unser Ulle mehrerer Bücher über seine Dopingvergehen rausbringen würde, könnte mir das keine Gefühlsregung mehr entlocken.
Und trotzdem saß ich gestern gefesselt vorm Fernseher und hab mir den Schlusssanstieg zum Monte Zoncolan (im Schnitt 11,3 % glaub ich !!!!!) angesehen. Ist das verwerflich? Es ist die Faszination Radsport und vielleicht auch ein bisschen Sensationsgier frei nach dem Motto: Brot und Spiele. Aber ich hab mitgelitten und hab mir vorgestellt die Strasse nach Nidda-Stornfels 10 mal am Stück zu fahren. Hilfe!!!!! So jetzt ein Müsli mit frischen deutschen Erdbeeren (nicht aus Spanien,da könnt ja was drin sein) und dann auf zur Rennradtour mit den Kumpels durch die Wetterau. Heute ohne Stornfels, denn ich hab noch schwere Beine vom fernsehgucken.

Gruss Andreas Kautz und eine gute Heimfahrt

 

 Guten “Sonntagmorgen”;  so ein Frühaufsteher wie Sie bin ich nicht, war ich nie und werde ich wohl auch nie werden… Nachbemerkung zum Samstagsstammtisch (wenn Sie davon was bringen wollten, bitte ohne Namensandeutungen!):
Die Wirkungen von TM und anderen meditativen Übungen bleiben wohl noch länger geheimnisvoll.  Sie wissen, dass ich schwerhörig bin und unter Tinnitus leide. Im Zuge von Therapien, während derer ich lernte, damit umzugehen, kam ich vor mehr als 15 Jahren zum ersten Mal mit Tai-Chi, Qi Gong, PMR (progressive Muskelrelaxation) und autogenem Training in Berührung. Ich habe mir daraus meine eigene Mischung zusammengestellt, die mir in manchen Situationen schon gut geholfen hat.  Mein Tinnitus (jeder ist individuell) tritt manchmal wie eine Attacke auf und dann muss ich zusehen, wie ich mich wieder einfangen kann.
Bei Gruppenübungen habe ich es erlebt, dass bei PMR und autogenem Training Teilnehmer nach wenigen Minuten selig entschlummert waren, was oft schon ein großer Fortschritt war.  Mir selbst ist es in den vielen Jahren, die ich das jetzt betreibe, ein paar Mal passiert (leider zu selten, muss ich zugeben), dass ich in einen geistigen Schwebezustand gekommen bin. Egal ob aus dem Liegen, Sitzen oder Stehen heraus: ich hob vom Boden ab – mal blieb ich in der Ausgangsposition, mal drehte ich mich auch noch – , hatte dann das Gefühl mit ungeheurer Gelassenheit “über den Dingen zu stehen/schweben” und alles mit Abstand zu betrachten – ohne jegliche Angst abzustürzen. Eigenartig dabei: wie bei einem Traum dauerte es vom Gefühl her eine Weile, in Realität waren es nur Sekunden.
Ein Trainer sagte mir mal, dass dieses Phänomen bekannt sei, aber es gäbe keine Erklärung dafür. Da diese Zustände auch nicht willentlich erreicht würden, sei es auch fast unmöglich, sie wissenschaftlich zu erforschen. Er meinte, ich sollte mich einfach daran erfreuen. Das war der esoterische Teil!

Zu DSK kann ich nur beipflichten, diesmal scheint er endgültig zu tief ins Fettnäpfchen getreten zu sein. Ob es allerdings zu “brutalstmöglicher” Aufklärung kommen wird?
Und jetzt ein Sonntagsprogramm mit etwas Radeln, Rückenschule und schauen, wie andere sich betätigen…
In diesem Sinne
Ihr

Natürlich bleibt die gewünschte Anonymität gewahrt.

Sonntag, 22. Mai, 6.40 Uhr.

 

Letzten Sonntag um diese Zeit in den frühen Nachrichten geblättert, Strauß-Kahn gefunden. Was sich daraus entwickelt hat! In der “Zeit” gestern ein Interview mit einem französischen Philosophen (berühmter Mann, aber ich krieg seinen Namen nicht auswendig hin) gelesen, den der “amerikanische Puritanismus” anekelt, weil dieser seinen Freund  DSK so ungebührlich bloßstellt. Die Sache selbst scheint ihn nicht zu interessieren. Auch starke philosophische Köpfe können Schwachköpfe sein. Gesetzt den Fall, die Dame, um die es AUCH geht, sagt die Wahrheit: Sie ist dann Opfer eines schweren Verbrechens, hat ein Trauma erlitten und wird ein Leben lang darunter leiden (und vor allem unter den medialen Folgen für sie). Strauss-Kahn ist dagegen offenbar schon oft nach ähnlichem Muster vorgegangen. Ihn kann gar nicht genug amerikanischer Puritanismus bloßstellen.

Mal sehen, ob sich auch heute solch ein Nachrichten-Kaliber in den Meldungen findet: “Dallas gewinnt drittes Spiel.” Fein, aber nicht der Hammer. “Ist Osama tatsächlich erschossen worden?” Das muss ich mir genauer ansehen. Aha, pakistanische Verschwörungstheorien: 300 Islamisten haben sich operieren lassen, sehen alle aus wie Osama. Wenn die Amis einen Osama erschossen haben, dann nicht den richtigen. Sie haben noch 299 Schuss, und dann lebt Osama immer noch. Schön auch die nächste Meldung aus Bulgarien, dem ärmsten EU-Land: Es hat, zusammen mit –  natürlich – Griechenland die meisten Feiertage. Am Dienstag zum Beispiel ist der “Tag des slawischen Schrifttums” offizieller Feiertag, und da erklärt  die Regierung den lästigen Montag zwischen Sonn- und Feiertag gleich ebenfalls zum freien Tag. Bevor sich primitive Gefühle regen (“Alles mit meinem Geld!”), schaue ich noch mal kurz im Internet-Tagebuch von Matthias Altenburg rein. Anekdote aus dem Butzbacher Knast. Aber wann schreibt der Mann? “5 Uhr 53. Seit drei Stunden wach.” Und ich dachte, mit meinen sonntäglichen Eintragungen die Nr. 1 in seniler Bettflucht zu sein (dabei ist MA viel jünger). Und jetzt an die richtige Arbeit. Die wird echt der Hammer, denn in den Montagsthemen geht es ums Hammerwerfen. Bis dann.

Freitag, 20. Mai, 16.30 Uhr.

Warum ich jetzt sogar schon den Mai-Blog splitte? Weil ich am 16. mit dem Versuch gescheitert bin, den Tages-Text reinzuladen. Dutzende Male versucht, immer wieder wurde der gesamte Text kursiv, wie sonst nur die Leser-Mails und Zitate. Statt die Fachleute zu belästigen, habe ich die bequemste Lösung gewählt. Wenn das immer noch in der Änderungsschneiderei liegende neue Blog-Kleidchen endlich fertig ist, wird alles anders.

Der Rassismus-Anstoß vom Donnerstag, den ich als sehr heikel einstufte und für den ich böse Leser-Post erwartete, ist wider mein skeptisches Erwarten nur zustimmend kommentiert worden. Interessante Fragen von Walther R.:

Wieweit spielen genetische Dinge bei manchen Sportarten mit? Bisher sind mir im Spitzen-Radsport fast keine Negroiden aufgefallen , auch im Tennis sind sie noch eher die Ausnahme(Ausnahmen Ashe und Noah, Williams-Schwestern), dabei ist der ehemals “weiße” Sport auch viel farbiger geworden, auch im Golf ist Tiger Woods immer noch eher ein Exot.
Aber Toleranz und Akzeptanz können auch überstrapaziert werden.
Im Prinzip halte ich mich gern an den Aphorismus Friedrichs des Großen: “Jeder soll nach seiner Facon selig werden.”
Abgeschwiffen: Ist Philipp Rösler jetzt “Germane”? Genetisch gesehen doch wohl nicht.
Aber “fiese Möpp/fiese Charaktere” gibt es halt immer und überall.

Lang, lang ist’s her, dass Horst S. bei einem ähnlich thematisierten “gw”-Anstoß kritisch reagierte. Und nun:

Hallo gw, interessant, dass und wie sich der Mensch im Laufe seines Lebens entwickelt. Ich habe mich trotz unseres Zusammenpralles vor einiger Zeit (Sie erinnern sich? “Neger laufen schneller”) nicht davon abbringen lassen, Ihre Kolumne regelmäßig zu lesen. Nachdem ich heute Ihren “Anstoß” besonders intensiv gelesen habe, ist es nun an der Zeit, dass ich mich bei Ihnen entschuldige. Es hat lange (vielleicht zu lange?) gedauert. Aber dafür ist es ehrlich gemeint.

 

Mittwoch, 18. Mai, 18.00 Uhr.

Der angekündigte Rassismus-Anstoß ist geschrieben, und wie am Montag bei “Ohne weitere Worte” klingelt’s in der Mailbox schon am Tag vor der Veröffentlichung in der Zeitung. Einerseits freut’s einen, vor allem, wenn die Post so schön ist wie diese beiden Mails, andererseits … aber darüber habe ich als Skeptiker des Online-Journalismus und Freund (und Lohnabhängiger) der guten, alten Zeitung schon oft genug lamentiert. Also, zum “Mohrnkopp”:

Lieber Herr Steines,

die Wikipedia sagt dazu:
 
Da die Ausdrücke Neger und Mohr wegen ihrer rassistischen Konnotation in jüngerer Zeit vermieden werden, werden als offizielle Produktnamen Bezeichnungen wie Schokoladenkuss, Schokokuss, Schaumzapfen, Schaumkuss, Süßpfropfen, Naschkuss oder firmennamenbezogene Neologismen wie Dickmann, Köhler oder Mayer-Junior verwendet.
 
 
Also das muss ich doch mal bei Gelegenheit ausprobieren: “Ich hätt` gern zwaa Schaumzabbe” oder “Aan Süßproppe, bitte”. Ob`s klappt?
 
Mit freundlichen Grüßen

Alexander Kniss

Niddatal

Bei der Materialsammlung für die Kolumne auch auf uralte eigene Sätze (laut Archiv: 2001)  zum Thema gestoßen und gleich mit eingebaut (im Mittelteil). Ohne Skrupel abgekupfert, denn bei sich selbst darf man das. Die aktuelle Szene mit dem Busfahrer selbst erlebt (als langer Rothaariger auch die Handball-Beschimpfungen), aber ich hätte sie zur Veranschaulichung und als Kunstgriff für den Ein- und Ausstieg auch erfinden können, denn das darf man in einer Kolumne wie dieser, die ja keine Reportage ist.

Was die “großen” Kollegen in ihrem Elfenbeinturm da aber ihrem jungen Kollegen antun, ist ziemlich schofelig und armselig, vor allem auch bürokratenhengstisch. Schustern sich die Nannen-Preise sowieso nur untereinander zu (sonst müsste ich sie alle gewinnen, ist doch klar), und jetzt wurde der arme Mann vom Spiegel das Opfer von Eifersüchteleien und Bedeutungshuberei hinter den Kulissen. Gut, dass ich mit dieser Szene hier in der hessischen Provinz nichts zu tun habe und auch journalistisch keiner Partei angehöre, sondern nur im eigenen Boot sitze. Vielleicht nicht so toll wie andere Boote, aber: meins!

Montag, 16. Mai, 18.30 Uhr

Szene an der Bushaltestelle: Dunkelhäutiger Junge/abfahrender Bus. Sofort notiert, passt prima in die für Donnerstag zu schreibende Rassismus-Kolumne.

Ohne weitere Worte, meine Lieblings-Kolumne, kommt morgen ins Blatt, steht aber schon online und hat bereits Post bekommen.

Lieber Herr Steines,
“Quadratische Eier” – oh weh. Quadrat = gleichseitiges Rechteck, flach. Es wäre schon gnädiger, wenn uns Interviewer und Interviewte mit solchem “Flachsinn” verschonten.
Da denke ich lieber zurück an eine Begegnung mit der Lyrikerin Hilde Domin vor zehn Jahren, als sie einen Ausspruch machte, der seitdem zu meinen Lieblingszitaten gehört, natürlich in Anspielung auf den bekannten FAZ-Magazin-Fragebogen: “Welche Eigenschaften schätzen Sie besonders bei einem Mann? – Herz, Hirn, Rückgrat und die notwendige Portion Weiblichkeit! .. bei einer Frau? – Herz, Hirn, Rückgrat und die notwendige Portion Männlichkeit!”
In diesem Sinne,
Dr. Sylvia Börgens
Dipl.-Psych.
Wölfersheim

 

 

Veröffentlicht von gw am 31. Mai 2011 .
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Ohne weitere Worte (31. Mai)

Bereiten Sie sich auf Michael Ballack anders vor als auf Heiko Butcher? – »Genau. Ich bereite mich auf jeden Menschen anders vor.« (…) Kann er das noch bringen? – »Warum nicht?« – Womöglich, weil er nicht mehr der Jüngste ist? – (…) – »Das ist keine Frage des Alters.« – Also muss er sich einfach durchsetzen wie jeder andere? – »Keiner ist wie jeder andere.« (Robin Dutt im Kicker-Interview)
*

Was Opdenhövel so an- und wegmoderiert, tut niemals weh, ist immer schon verschmerzt, macht einen Superspaß, ist hammergeil und oberlecker. Opdenhövel ist der Wortführer und erste Verkoster am großen Kantinentisch des Lebens, genießerisch, aber unüberraschbar, und er versteht es, jedes Phänomen in die trockenen Tücher der Floskel zu wickeln. (Die Zeit über den neuen Sportschau-Moderator)
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Aber was wollen wir schon heute noch in unserer Nähe haben, das mit Stromerzeugung zu tun hat!? (…) Am ehesten akzeptabel wäre noch ein Stausee, aber auch nur, wenn (…) man drin baden kann und der hässliche Nachbarort darin versinkt. Zum Beispiel würden die Dortmunder ihren Strom liebend gern von einem Stausee namens »Gelsenkirchen« beziehen, aus dem bei Niedrigwasser das Dach der Veltins-Arena von Schalke 04 herausragte. (»Das Beste aus aller Welt« von Axel Hacke im SZ-Magazin)
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Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass nur fünf Prozent der Deutschen zwischen 18 und 70 Jahren in ein Pflegeheim wollen. Die meisten wollen lieber in eine Wellnessanlage (…) oder in ein diskret geführtes Etablissement. Bis auf eine kleine Minderheit mit bizarren Neigungen möchte niemand in seinem Bett festgeschnallt oder einmal am Tag gewickelt werden. (»Zippert zappt« in der Welt)
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63 Jahre, eigentlich ist er auch nicht mehr jung genug für eine Rückkehr nach Hollywood. In »Newsweek« sagte er jüngst: »Ich habe in den Spiegel geschaut und gedacht, verdammte Scheiße, was ist da passiert? Jesus Christus, was für eine Niederlage!« (Der Spiegel über Arnold Schwarzenegger)
Bald wird ein allgemeines Flugverbot angeordnet, wenn sich in Deutschland jemand vor einem Lokal eine Zigarette ansteckt. Wer weiß, wohin die Aschewolken treiben. (»Zipperts Wort zum Sonntag« in der Welt am Sonntag)
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Feminismus, ein Besserverdienerphänomen wie Pferdesport und Tupperpartys. (Harald Martenstein im Zeit-Magazin)
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Welcher Gegenstand in ihrer Küche ist ihnen am wichtigsten? – Loriot: »Meine Frau.« (aus dem im Herbst erscheinenden Diogenes-Buch »Loriot – Gespräche«)
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Zum Glück bin ich männlichen Geschlechts und esse lieber Currywurst statt Rucola-Salat. Meine Tochter besitzt eine Salatschleuder, Gott sei Dank hat sie keinen Durchfall. (»Post von Wagner«/Bild)
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Wissen Sie, was auf Ihrem Grabstein stehen soll? – »Zweckmäßig wäre es, wenn der Name drauf stünde.« (Diogenes/Loriot) (gw)

Veröffentlicht von gw am 30. Mai 2011 .
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Montagsthemen (30.Mai)

Das Champions-League-Finale. Anlass, sich in deutscher Demut zu üben. So dicht, so intensiv, so schnell, so spielerisch leicht und dennoch so verbissen aggressiv, dass man froh war, dass die übermütige Dortmunder Welpenmeute noch ein paar Monate Schonfrist hat. Und zu Messi gehen die Worte aus, die Metaphern auch: Nie Welpe gewesen, nie Wolf geworden, aber »tierisch« gut. Ein Anti-Star als größter Fußball-Star. Seine Aktion vor Villas 3:1: Echtzeit wie im Schnelldurchlauf.
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Der Einzige, der mit Messis Tempo mithalten kann, ist Fergusons Kiefer. Der ManU-Trainer bearbeitet sein Kaugummi wie im »staccato« im musikalischen Wortsinn: »abstoßend«. Die Nahestehendste, den von der Queen geadelten Kaudrauf erstmals sehend, ruft so entsetzt aus wie der ihr Nahestehendste messibegeistert: »Das ist ja unglaublich!«
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Sooo große Schlagzeile: »Bin Hammam gibt auf!« Spontan leise Verwunderung. Hat Didi Hamann überhaupt noch gespielt? Dann klingelt’s. Hammam, der Scheich, der die WM 2022 nach Katar geholt hat. Im Zettelkasten das aparte Bin-Hammam-Wort, an einen früheren Wahl-Konkurrenten gerichtet: »Ich hacke jedem, der sich mir in den Weg stellt, Kopf, Hände und Füße ab.«
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FIFA, Blatter, Korruption, Bin Hammam, WM, Bestechung: Hitzige Schlagzeilen, heiß diskutiertes Thema. Warum lässt es mich kalt? Dreisatz in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: »Ich habe nicht bemerkt, dass Vladimir Klitschko zwei Meter groß ist und sehr fest zuschlagen kann«, sagt der verprügelte Profiboxer. »Ich habe nicht gemerkt, dass Sebastian Vettel den Führerschein hat und schnell Auto fahren kann«, sagt der überrundete Formel-1-Pilot. Nach diesem fiktiven Zweisatz kommt die FAS konklusiv zum realen Kernsatz: »Ich habe nicht gemerkt, dass Lance Armstrong gedopt haben soll«, sagt sein Ex-Teamkollege Jekimow. Als Synthese die alte rhetorische »Anstoß«-Frage: Gab es jemals eine WM ohne Bestechung?
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Ebenfalls ohne Aha-Effekt: Die Ballack-Diskussion ist nur Drumrumrederei um längst Beschlossenes beziehungsweise Unumgängliches. Noch ein alter »Anstoß«-Satz, vor der WM 2010 geschrieben: »Ballack wird in der Nationalelf keine Rolle mehr spielen.«
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Oh. Mit deutscher Demut angefangen, mit FIFA- und Ballack-Besserwisserei weitergemacht und dabei im Archiv auch auf diesen alten eigenen Satz gestoßen, ebenfalls vor der WM 2010 geschrieben: »Wetten, dass Löw nach der Saison nicht mehr Bundestrainer sein wird?«
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Kleinlaut weiter, in hessischer Demut: Zuletzt irgendwann tief im letzten Jahrhundert mitten in der Nacht ferngesehen. Nun wird erstmals wieder in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch der Sportwecker gestellt. NBA-Finale mit Dallas-Dirk!
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Nowitzki ist einzigartig. Fast doppelt so lang wie Messi und fast gleich groß. Als ich am Samstag las, dass in NRW die Matheaufgaben im aktuellen Zentralabitur  fehlerhaft waren, fiel mir wieder ein, dass Dirk Nowitzki sogar auch eine mathematische Ausnahmeerscheinung ist, denn er wurde bereits vor vier Jahren ins NRW-Zentralabitur eingebaut. Die Frage lautete: »Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Nowitzki bei einer Trefferquote von 90,4 Prozent höchstens viermal hintereinander beim Freiwurf trifft?« – Fragen sind das! Sie werden mir auch in meinen postpostschulischen Albträumen gestellt, auf die ich immer nur eine kurze, tragische Antwort weiß, bevor ich schweißgebadet aufwache.
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Späte Genugtuung: Die Aufgabe war wegen fehlender Angabe der Wurfversuche unlösbar, die Abiturienten durften eine neue Mathe-Klausur schreiben, meine ständige Albtraum-Antwort war also die einzig richtige: »Hää?!«
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Neue Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit vor dem siebten Spiel der Finalserie, dass Dallas gewinnt? Zu leicht? Nächste Frage: Warum ist ausgerechnet die Reederei ANEK nicht vom allgemeinen wirtschaftlichen Untergang in Griechenland bedroht, sondern steigert im Jahr 2011 den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr bereits um 35 Prozent? Antwort: Die Evakuierung von Gastarbeitern aus Lybien hat »den operativen Gewinn wesentlich verbessert und die Liquidität gestärkt« (ANEK) – aber das ist ein ganz anderes Thema und hat eventuell weder mit Sport noch mit Mathematik etwas zu tun. (gw)

Veröffentlicht von gw am 29. Mai 2011 .
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Sport-Stammtisch (28. Mai)

Nur zur Erinnerung: Das weltweit größte  Fußballfest des Jahres findet ohne deutsche Beteiligung statt. Wir sollten also, wenn wir heute Messi gucken, auch immer daran denken, dass alle Lobeshymnen auf den deutschen Fußball nur Vorschusslorbeeren sind.
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Das deutschlandweit größte Fußballfest des Jahres findet ohne weltweite … nein, es bleibt dabei: Kein böses Wort zu diesem »Event«. Ich halte mein Versprechen. Ist ohne das Adjektiv leicht einzuhalten.
Dunkel ist der Worte Sinn? Weil ich ein kleiner Feigling bin. Aber kein Heuchler, jedenfalls kein großer. Zu den großen Heuchlern kommen wir später, vorher aber eine Lobeshymne auf einen großen Sportler: Dirk Nowitzki. Können, Persönlichkeit, Haltung, Bodenhaftung – einfach großartig. Meine Nr. 1 in der jüngeren deutschen Sportvergangenheit. Was jetzt keine besonders originelle Feststellung ist, denn für fast alle Sportfreunde und -kenner ist Nowitzki schon lange die Nr. 1. Kontrovers wird es erst, wenn ich meine Nr. 2 benenne: Jan …
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»Wahrschau!« Ulle wäre der zweite Stolperstein, also lasse ich das Thema und stattdessen einen alten holländischen Freund unserer Kolumne zu Wort kommen, der wieder einmal beweist, dass es immer mindestens einen Leser gibt, der über das in der Kolumne Geschriebene mehr weiß als sein Schreiber. In diesem Fall über »Wahrschau!«, den Warnruf der Matrosen: »Etymologisch ist der Begriff recht interessant, denn im Niederländischen sagen wir generell ›waarschuwen‹ wenn wir ›warnen‹ meinen. Waarschuwen besteht aus zwei Teilen, und zwar ›waer‹ (Aufmerksamkeit) und ›schuwen‹ (Angst einjagen). Schuwen findet man zurück in dem deutschen ›scheuen‹ oder ›scheu‹ (wie ›furchtsam‹). Ursprünglich hieß es ›waernen‹, auf Deutsch ›warnen‹, auf Englisch ›to warn‹«.
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Danke, lieber Douglas Herbert. Die Anrede für den auf die 90 zugehenden Bad Nauheimer ist ehrlich gemeint und bringt uns zu einem sogar noch etwas älteren Leser. Ein Gießener Pfarrer fragt, meinen sprachlichen Erfindungsreichtum (weit über-)schätzend, ob ich eine bessere briefliche Anrede für nicht liebe und nicht geehrte Menschen wüsste als »Lieber« oder »Sehr geehrter«. Er fragte das just in dem Moment, in dem ich einen beruflichen Glückwunsch-Brief an einen nicht lieben und nicht geehrten Menschen schreiben musste. Nach reiflicher Überlegung schrieb ich, zwischen absoluter Ehrlichkeit (die es nur im Irrenhaus gibt) und Nächstenliebe (die Christenpflicht ist): »Sehr geehrter Herr …« – Tja, wenn Leser schon mal was von mir wissen wollen, versage ich, leise heuchelnd.
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Laut heucheln andere. Wie die »großen« Kollegen in ihrem Elfenbeinbüroturm. Die schustern sich die Nannen-Preise sowieso nur untereinander zu (sonst müsste ich sie alle gewinnen, ist doch klar), und jetzt erkannten sie einem jungen Kollegen bürokratenhengstisch einen Preis ab; weil das Kriterium für eine »Reportage« nicht erfüllt sei (Sie wissen schon, liebe Leser: Seehofers Spielzeugeisenbahn). Dabei erfüllen die Prinzipienreiter in diesen Tagen selbst alle nicht das Kriterium für sauberen Journalismus. Vom »Stern« über die »Zeit« bis zum »Spiegel« veröffentlichen sie vielseitenlange Artikel, in denen sie das, was Strauß-Kahn vorgeworfen wird, in einen Topf werfen mit den üblichen Sex-Affären der Mächtigen von Mitterand bis Schwarzenegger, wodurch sie gleichzeitig das vermutliche Strauß-Kahn-Delikt, ein Schwerverbrechen, verharmlosen. Ähnliches, nur andersrum, geschieht im Fall Kachelmann: Er mag ein arg mieser Typ sein, aber selbst wenn das noch tausend weitere Exgeliebte in der »Bunten« bestätigen, ist Mieser-Typ-Sein noch kein Straftatbestand, denn sonst würden die Knäste überquellen.
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Auch in scheinbaren Kleinigkeiten erfüllen sie nicht die selbst geforderte Sorgfaltspflicht. Die »Süddeutsche Zeitung« in der Überschrift zu einem Rosberg-Interview: »Inzwischen bin ich mit Michael auf einem Level.« Aber was sagte Rosberg wirklich, im SZ-Text nachlesbar? »Inzwischen habe ich das Gefühl, dass ich mit Michael auf einem ähnlichen Level bin.« Das klingt sehr viel dezenter, überlegter und respektvoller.
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Gut, dass ich hier in der hessischen Provinz mit dem Elfenbeinbüroturm nichts zu tun habe und auch journalistisch keiner Partei angehöre, sondern im eigenen Boot sitze. Das ist vielleicht nicht so toll wie andere Boote, aber: meins! (gw)

Veröffentlicht von gw am 27. Mai 2011 .
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Ohne weitere Worte (24. Mai)

»Wenn du das Glück an dem Tag eingesammelt hättest und es in die Welt rausgeschossen hättest, dann hätte noch ganz China gegrinst.« (Jürgen Klopp im SZ-Magazin über die BVB-Meisterfeier)
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»Selbst für mehrere Ölfelder würden wir ihn nicht abgeben.« (BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in Sport-Bild zum Interesse von Barcelona an Mario Götze)
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Was unterscheidet den Fußball, der in der Bundesliga gespielt wird, von dem in der Primera Division? – »Es ist ganz anders. Hier rennt man 90 Minuten rauf und runter. Das Spiel in Deutschland ist verrückter.« (Jose M. Jurado im Welt-Interview)
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Im Lexikon las ich dann, dass Menschen besonders anfällig für Verschwörungstheorien seien, die eine niedrige Selbstwirksamkeitserwartung hätten. (…) Solche Leute suchen Halt im Chaos, sie (…) glauben, dass Osama bin Laden nicht tot ist (…). Sie sind der Meinung, dass Real Madrid nicht die Champions League gewinnt, weil dessen Trainer Mourinho vom europäischen Fußballverband konsequent benachteiligt und verfolgt wird; insbesondere Mourinho selbst findet das.« (»Das Beste aus aller Welt« von Axel Hacke im SZ-Magazin)
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Sie sind frei von Neid? – »Total. (…)  Warum bekomme ich Tuberkulose? Warum kann ich keinen Sport treiben? Warum habe ich meinen Vater früh verloren? Tausend Dinge könnte man nennen. Alles Lebensversagens-Entschuldigungslügen.« (Hans-Dietrich Genscher im Zeit-Magazin)
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Manchmal kam dann die Rede auf seine Teilnahme an Massenunzuchtsveranstaltungen, den »partouze« (…), selbst Bilder gebe es davon – naturgemäß scharfe. (…) Der zu verhandelnde Fall hat nichts mit dem Sommerthema der erotischen Verwirrungen der Mächtigen zu tun (…). Es geht in einer Vergewaltigung nicht um Sex, sondern um das Gegenteil davon, um gewaltsame Demütigung. Die damit zu befriedigenden Wünsche sind nicht erotischer, sondern sadistischer und krimineller Natur. (FAS zum Fall »DSK«)
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Es ist, als wollten Frankreichs Regenten das Bonmot Henry Kissingers belegen. »Die Macht ist das absolute Aphrodisiakum.« Manchen ist dieses Aphrodisiakum geradewegs in den Kopf gestiegen. So verfasste der Alt-Präsident Giscard d’Estaing unlängst einen bizarren Roman, in dem sein Alter Ego eine Affäre mit Prinzessin Diana erlebt. Man stelle sich vor, Helmut Kohl würde Ähnliches fabulieren. (SZ)
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Wie kommt es eigentlich, dass man seit Ihrer Hochzeit vor gut zwei Jahren (Anm.: mit Carsten Thamm) nichts mehr von Ihnen hört? – »Gott, sind Sie ein schlechter Journalist! Ich habe im Monat 200 Veröffentlichungen, ich bin jede Woche zwei-, dreimal im Fernsehen.« (Friseur Udo Walz in der Stern-Serie »Was macht eigentlich … ?«)
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War es denn Liebe? Sie sagt: »Liebe entsteht durch schöne gemeinsame Erfahrungen. Das war bei uns nicht der Fall.« Er sagt: »Die Frau hat mich wahrscheinlich abgöttisch geliebt.« (Bild unter der Schlagzeile »Meine total verrückten Wochen als Matthäus-Freundin«, Ariadne Ioannou und Lothar Matthäus zitierend)
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Sie hätten acht Kilo abgenommen. Sind die wieder drauf? – »(…) Ich bin in einer Phase, wo ich mir Udo Walz von Weitem angucke. Kennen Sie das, dass man sich selber von Weitem beobachtet?« – Nein. – »Woher sollten Sie das auch kennen? Sie sind ja nicht berühmt.« (Walz/Stern) (gw)

Veröffentlicht von gw am 23. Mai 2011 .
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