Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Ohne weitere Worte (28. April)

Weil ein Hamburger Fan jüngst (…) einen Plastikbecher voller Gerstensaft in die Welt warf und einen Linienrichter traf (…), gilt die Bierwerferei als übelste Hamburgensie gleich nach Autoanzünden. Aber war das so schlimm? Kann ein halber Liter wirklich schaden? Wirbt Astra nicht mit bulligen Türstehern und dem Spruch »An Tieren getestet«? (…) Auf dem Kiez sieht man die Sache gleichwohl eher trotzig: »Nich’ lang schnacken, Bier in’ Nacken!« (Zeit)
*
Die Kandidaten, die bei »Deutschland sucht den Superstar« von der Jury heimgeschickt werden, reagieren wie Menschen, denen man soeben gesagt hat, dass sie alle Angehörigen bei einem Erdbeben verloren haben. Auch gefühlte Gefühle können maßlos sein. Vor allem, wenn das Leben so gradlinig verläuft wie die Wäscheleine in Omas Garten. (Henryk M. Broder in Literarische Welt)

*

Der moderne Mann trägt Vollbart, Holzfällerhemd und kann sich nun auch eine schicke Designer-Axt passend zum Outfit kaufen. (…) Prinzipiell können Frauen alles, was Männer können, das meiste sogar besser – außer, sich einen gepflegten Bart wachsen lassen. (Christian Zaschke im Zeit-Magazin über mögliche Motive für einen neuen Männer-Trend)
*
Als der Eishockeyspieler Stefan Ustorf mit mehr als 100 Stundenkilometern von einem Puck im Gesicht getroffen wurde, brach sein Kiefer, und er verlor acht Zähne. Ustorf sagt: »Ich hätte gerne weitergespielt, aber leider waren da keine Zähne mehr, die ich hätte zusammenbeißen können.« (Stern)
*
Linda Zervakis könnte die erste 20-Uhr-»Tagesschau«-Sprecherin mit ausländischen Wurzeln werden. (…) Das richtige Leben lernte sie während ihrer Kindheit im elterlichen Kiosk in Hamburg kennen. »Doch ich wollte nicht mein Leben lang mit Leuten arbeiten, die zum Frühstück Kräuterschnaps bestellen. Ich wollte da raus.« (Spiegel)
*
Ist das Ihre wichtigste Grundregel, die Sie einfordern: immer und überall mehr zu geben? – »Ja. Das Umschaltverhalten ist der ultimative Mittelpunkt allen Strebens.« (Jürgen Klopp im Sport-Bild-Interview)
*
»Ich hab’ mehr als einmal weinen müssen«, sprudelte Maria Höfl-Riesch im Überschwang der Gefühle. Dagegen ihr Marcus, ganz der kühl kalkulierende Manager: »Wir haben beide fünfmal geweint.« (SZ zur Hochzeit Riesch/Höfl)
*
Man muss wahrscheinlich die FDP sein, um auf die Idee zu kommen, ausgerechnet junge Männer könnten eine Krise lösen. Junge Männer bauen die meisten Autounfälle, denken dauernd an Geschlechtsverkehr und ziehen sich an, als seien sie Markenbotschafter für den Wertstoffhof der Gemeinde. (…) Junge Männer finden Mario Barth witzig, und wenn sie ältere Männer werden, dann sehen sie entweder aus wie Dirk Bach oder Thilo Sarrazin. (Kurt Kisters »Deutscher Alltag« im SZ-Wochenende)
*
Anscheinend wissen nur die wenigsten, welche Vorteile ihnen das Bildungspaket bringt, was verständlich ist, weil ihnen ja Bildung fehlt. (…) Man kann davon Reitunterricht finanzieren, und zwar auf Karussell- und Brauereipferden. Das Bildungspaket berechtigt auch zum Zoobesuch, wo man dem Vater beim Ein-Euro-Jobben in der Elefantenrüsselreinigungsanlage zuschauen kann. (»Zippert zappt« in der Welt) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle