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Sport-Stammtisch (16. April)

Schönste sportliche Szene der Woche: Rauls Lupfer in den Lauf von Höwedes. Immer noch kaum zu glauben, wenn man aufzählt: Barca, ManU, Real … Schalke!
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Bayern droht der »Verlierer-Cup«, und bevor ihn Beckenbauer schönredet, sollte er mal schnell, ohne nachzudenken, die Halbfinalisten der Europa League aufzählen. Also, äh, na ja, irgendwie iberisch halt.
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Noch ist München nicht verloren, vielleicht sieht die Bayern-Welt morgen Abend schon ganz anders aus. Die der Eintracht hoffentlich auch. Die spielt gegen einen Klub, der jenseits von Gut und Böse ist und dessen Trainer mehr Vokale im Namen hat als Bundesligaspiele vor sich. Eine »lame duck« also mit einem Team, das als inneratmosphärischer Sauhaufen gilt. Wenn nicht heute dort, wann und wo will Frankfurt dann überhaupt noch gewinnen?
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Dass als Tor-Hymne der Hoffenheimer Kapitalisten altlinksalternatives Liedgut der Bots gespielt wird, weiß der ständige Leser dieser Kolumne. Aber weiß er auch, dass »Weiches Wasser bricht den Stein« auf Ovid zurückgeht, den Dichter der »Liebeskunst«? Sein »gutta cavat lapidem« (Tropfen höhlt den Stein) brachte alte Deutsche zu ihrem Sprichwort und die Bots zu ihrem Lied – auf dass es heute nicht gespielt werde!
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Soviel hessische Parteilichkeit muss sein, zumal immer noch das eigene Unken plagt, es müsse in die Hosen gehen, wenn man monatelang das Training schleifen lässt, um sich am Saisonende im Crash-Kurs schleifen zu lassen.
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Irre Trainer-Chose morgen, wenn’s um mehr als um Ulis Wurst geht: Bayerns Coach trainiert demnächst die Amateure, Leverkusens Trainer übernimmt dann in München, wo er es morgen in der Hand hat, ob seine künftige Mannschaft künftig in derselben Europa-Klasse spielen darf wie seine jetzige, wozu diese aber gegen seine künftige verlieren müsste, was wiederum Dortmund praktisch zum Meister machen würde, wenn dort nicht dem Freiburger Trainer, der bald Heynckes’ jetziges Team trainiert, eine Überraschung gelingt. Welch ein Kuddelmuddel.
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Aber ist Heynckes nicht zu alt? Ach was. Alexander der Große hätte die Welt nicht erobert ohne seine Schildträger, die gefährlichste Kriegstruppe ihrer Zeit. Ihre Phalanx, die sie mit der »sarissa« bildeten, langen Lanzen, funktionierte wie ein riesiges Stacheltier, vor dem selbst indische Elefanten die Flucht ergriffen. Die »Silberschilde« dienten schon Alexanders Vater Philipp, wurden von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gefürchtetere Krieger und waren zu Alexanders Glanzzeiten durchweg deutlich über 60!
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Heynckes und wir, als altes Stacheltier. So richtig alt wird man allerdings nicht in Deutschland, sondern in Frankreich und Spanien. Dort wohnen europaweit die ältesten Menschen. Seltsamerweise erst seit den 80ern, bis dahin wurden die Europäer ungefähr gleich alt. Die seitdem gestiegene Lebenserwartung in Frankreich und Spanien scheint unerklärlich – es sei denn, man bringt sie mit dem zeitgleich beginnenden Ausbau der Atomenergie in den beiden besonders AKW-freundlichen Ländern in Verbindung. Mutation, Selektion, vielleicht sollte man doch …
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… ach, so alt wollen wir ja gar nicht werden wie dieser 109-jährige Franzose, der nie geraucht, nie getrunken, aber immer viel gearbeitet hat. Wahrscheinlich ist der gute Mann gar keine 109, sondern fühlt sich nur so, weil ihm das Leben ganz schön lang(weilig) wurde.
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Gedingsbumst hat er wohl auch nicht, denn seit Sallust und seinem »manu, ventre, pene« (das unser etwas genanter Lehrer mit »Hand, Bauch und Würfelspiel« übersetzen ließ) wissen wir von den Spätfolgen solchen Tuns.
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Albern abgeschwiffen. Alter schützt vor Torheit nicht? Mag sein. Leider schützt aber auch Torheit vor Alter nicht. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle