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Ohne weitere Worte (12. April)

Ab 2012 wird das ZDF die Champions League übertragen. (…) Der Sender will vor allem Tempo aus dem Spiel nehmen. Gerade den ZDF-Zuschauern geht es oft zu schnell. (…) Der Abseitsbereich wird mit einem Absperrband gekennzeichnet. (…) Aus Identifikationsgründen sollen verstärkt ältere Akteure wie Michael Ballack oder Jens Lehmann zum Einsatz kommen. Es wird extra lautes Torgeschrei für Schwerhörige geben, und möglicherweise wird sogar mit einem Medizinball gekickt, weil man den besser sieht. (»Zippert zappt« in der Welt)
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Glauben Sie, dass Spieler wie Schweinsteiger, Ballack oder Lahm im Profizirkus noch Spaß am Fußball haben? – »Ich glaube, dass sich einer wie Schweinsteiger einmal am Tag eine halbe Stunde einschließt, um einfach mal zu lachen. Dass er feiert, was er macht und wie viel Geld er dafür bekommt. Ich glaube, dass einer wie Schweinsteiger das alles richtig einschätzen kann. Ballack – das ist ein alter Ossi aus Chemnitz, der sollte das auch können, bei Lahm sehe ich ein bisschen sehr viel Fußball im Kopf, aber die Jungs werden alle wissen, dass sie ein wahnsinniges Glück haben mit dem, was sie erleben dürfen.« (der Rapper Marteria, Ex-Jugendnationalspieler, im FAS-Interview)
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»Überrascht hat mich nur der Fall Michael Skibbe. Wenn Frankfurts Klubführung im Abstiegskampf nicht nur einen Sieg, sondern auch ein schönes Spiel erwartet, dann tut mir der Kollege leid. Wer sowas von einem Trainer verlangt, ist fehl am Platz.« (Dieter Hecking im SZ-Interview)
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Freundschaft und Euphorie sind die Antriebskräfte der Arbeit und erzeugen eine scheinbar machtfreie Sphäre – doch gleichzeitig stellt Klopp immer wieder klar, dass er jede charakterliche Abweichung gnadenlos sanktioniert. (…) Für die hemdsärmelige Eloquenz seiner Rede wird er geliebt. Doch unter ihrer Oberfläche verbirgt sich eine Schicht kalter, fast despotischer Autorität. (SZ-Magazin unter dem Titel »Warum liebt jeder diesen Mann?«)
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»Im Pokal und in der Champions League spielen die Profis für sich selber. In der Liga zeigen sie, wie sie zum Trainer stehen. Ich glaube, Herr Magath hat sich mit seiner Art selbst entlassen.« (Jermaine Jones, nach Blackburn abgeschoben, im Sport-Bild-Interview)
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Dass (…) Johannes B. Kerner also fast nur noch vom »Wunder von Mailand« redete, war natürlich das pure Klischee. (FAZ-Medienseite am 7. April)
Das Wunder von Mailand (Schlagzeile im FAZ-Sport am 7. April)
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Die wenigsten Deutschen wissen, dass Sie mit bürgerlichem Namen Carlo Pedersoli heißen und in den Fünfzigern erfolgreich als Schwimmer für Italien bei den Olympischen Spielen antraten. – »Wer weiß, wie weit ich es gebracht hätte, wenn ich damals nicht Kette geraucht hätte? Oder wenn ich nicht bloß im Sommer trainiert hätte, wo das Wasser warm war.« (Bud Spencer im WamS-Interview)
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Am Ende saß die FR, beraten von irrlichternden Publizistikprofessoren und Marketingmenschen, tief in der Zeitgeistfalle und wirkte wie eine alte Dame, die in sportlichen Leggins noch einmal auf den Laufsteg stürmt, um der Jugend zu zeigen, wo der Hammer hängt. (Die Zeit über den Niedergang der Frankfurter Rundschau)
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Der Lebe- und Selfmademan pflegt den rustikalen Stil alter Ruhrbarone. Dabei strahlt der 2,05-Meter-Hüne eine Selbstsicherheit aus, als könne er jedem einzelnen Uranatom persönlich die Teilnahme an einer Kernschmelze verbieten. (Der Stern über RWE-Chef Jürgen Großmann) (gw)

Baumhausbeichte - Novelle