Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montagsthemen (11. April)

Ausgleich in der 92. Minute durch »Blatschinkowski«. So ähnlich heißt er jedenfalls. Namens-Check bei Google. »Meinten Sie Blaschkowski«? Nöö. Aber nach weiteren Verballhornungen habe ich ihn endlich, den BVB-Torschützen: »Blaszykowski«, 12 910 Treffer bei Google können nicht irren.
*
Diese polnischen Namen! Nie werde ich Magdalena Brzeska vergessen, nicht als Kurnikowa der Gymnastik oder einst Ehefrau des Bundesligakickers Peschel und heute nur noch als Party-Zierat in Scheingesellschaftsspalten präsent, sondern weil sie eine meiner Eselsbrücken bildete, um schwierigen polnischen Sportnamen rechtschreibgerecht zu werden: Es-zet-e-we-ce-zet-enko. Be-er-zet-e-ska. Michal-ce-zet-e-we-es-ki. – Puh! Und jetzt auch noch »Blas-zet-ypsilon-kowski«.
*
Doch der gute Mann hat Erbarmen mit unsereins und sich einen auch für legasthenisch Vorbelastete schreibbaren Kurznamen zugelegt: »Kuba.« Vorbilder gibt es genügend, von »Zecke« (Neuendorf) bis »Timo« (Konietzka; der ließ seinen Taufnamen »Friedhelm« sogar standesamtlich ändern). Selbst Raul heißt komplett Raul González Blanco, ganz zu schweigen von Brasilianern vom seltsam anrüchigen »Kaka« bis zum »Bomber«-Fan »Muller«. Aber »Kuba«? Warum nicht eine andere Insel? »Jamaica« ist zwar seit Japan toter als tot, aber immerhin stecken zwei der BVB-Farben drin.
*
Warum »Kuba«? Ha, jetzt protzt der Bücherwurm: »Ehrensachen« von Louis Begley gelesen und diese Stelle notiert: »Henry heißt auf polnisch Henryk, erklärte sie, so wie Henryk Sienkiewicz, der Autor von Quo Vadis. Aus Henryk wird Henrysiek, und das kürzt man ab zu Rysiek. So macht man es im Polnischen. Wir verwenden Diminutive. Mein Vater zum Beispiel hieß Jakob, aber seine Familie und seine Freunde nannten ihn Kuba.« – Nichts mit Insel. »Kuba« ist der  Kosename für Jakob, polnisch Jakub, und  das ist der Vorname von »Blaszykowski«. So einfach ist das!
*
Nicht ganz so einfach ist es allerdings mit diesem  »Blaszykowski«. Der gewissenhafte Journalist recherchiert nach und wird endlich beim richtigen Kuba fündig: 611 000 Treffer für Blaszczykowski können nun wirklich nicht irren. Also, zum Mitsprechen: Blas-zet-ce-zet-ypsilon-kowski. Und von Louis Begley, Ehrensache, muss man zumindest ein Buch gelesen haben: »Lügen in Zeiten des Krieges.« Darin geht es allerdings nicht um die Stellungnahmen aus München und Schalke zum möglichen (pssst: sicheren) Wechsel Manuel Neuers zu den Bayern, sondern um ein ganz anderes Thema, das eventuell mit Sport nicht mehr allzu viel zu tun hat. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle