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Montagsthemen (für den 4. April)

Getäuscht? Wahrscheinlich. Weil: Nach dem ersten Drittel der Saison, als Dortmunds Hurra-Stil die Liga und ihre Beobachter verblüffte, hätte ich nicht für möglich gehalten, dass der BVB diese eindrucksvolle Lauf-Schau bis zum Ende der Saison durchhalten könnte. Ich dachte eher an die Geschichte vom Hasen und … nein, nicht vom Igel, sondern nur vom »Hasen«, dem Tempomacher in der Leichtathletik. Der läuft für den Star vorneweg, verpulvert seine Kraft und gibt völlig erschöpft in der Endphase auf, in der sein Chef das Kommando übernimmt. Diesmal aber ist Chef Bayern indisponiert, Chefchen Bayer nicht unbedingt als »Finisher« bekannt, und wie in der Leichtathletik, wo in sehr, sehr seltenen Fällen der Hase, ungestüm und den Chef verprellend vorpreschend, alle anderen aus den Schuhen läuft und mit Flügeln, die ihm der Überschwang verleiht, als Erster das Ziel erreicht, so kann auch diesmal in der Bundesliga der Hase das Rennen machen.
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Na ja, gegen den bildhaften Vergleich spricht, dass »Hasen« auch in der Leichtathletik bei Meisterschaftsrennen verboten sind und dass man im Fußball, ist der Vorsprung nur groß genug, schon vor dem Ziel am Ziel sein kann. Wie der BVB, wenn er noch zwei, drei Runden durchhält.
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Noch einmal getäuscht? Hoffentlich. Schön wär’s, aus hessenpatriotischer Sicht, wenn Daums trainingsschulische Gaga-Aussage, seine Spieler hätten nach ein paar Tagen »an der Schmerzgrenze jetzt Reserven für den Rest der Saison«, keine Gaga-Aussage wäre, sondern Guru-Weisheit, die den Skeptiker beschämt. Denn dann ginge die Eintracht am letzten Spieltag in Dortmund nicht am Stock in Liga zwei, sondern der Eintracht-Adler würde dort gemeinsam mit den BVB-»Hasen« Freudenfeste feiern. Es wäre die aus hessischem und fußballfreudigem Herzen schönste der drei möglichen Varianten.
Die anderen beiden? Adler greift sich und erlegt den erschöpft zuckenden Hasen, oder Über-Hase hetzt den gerupften Adler endgültig zu Tode. Aber bevor’s gar zu schief wird, das Bild, verlassen wir den Fußball, bleiben jedoch in der Leichtathletik und kommen zum dritten Thema in der Rubrik »Getäuscht«. Diesmal nicht nur »wahrscheinlich« oder »hoffentlich«, sondern sicher und selbstkritisch: Entschuldigung, ARD und ZDF, für böse Worte wegen des scheinbaren Verzichts auf Live-Sendungen von der WM in Südkorea. War ein bisschen naiv von mir, mich unabsichtlich als kleiner mittelhessischer Druckverstärker auf die Seite des Weltverbandes zu schlagen. ARD und ZDF haben den Poker gewonnen und die Rechteagentur des Weltverbandes um viele Millionen heruntergehandelt, im öffentlich-rechtlichen Sinne sowie zum Wohl des Gebührenzahlers und des Leichtathletik-Freundes. So viel Lob muss sein, zumal nach so viel vorheriger Kritik. Respekt!
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So, die Kröten der Selbstkritik sind geschluckt. Wieder so ein schiefes Bild! Aber es führt zu echten Kröten und einem echten schiefen Bild, einem wahrhaft fatatalen. In diesen Tagen, in denen es warm und feucht geworden ist, wandern sie in Scharen, zum Beispiel in den eigenen Teich (zur hemmungslosen Swinger-Orgie, aber das ist ein anderes Thema), und da die diesjährige Population besonders gut gediehen ist, fällt sie auch in Scharen dem Straßenverkehr zum Opfer. Ich fahre daher besonders vorsichtig, vor allem in der Dämmerung auf dem Weg nach Hause und seitdem ich weiß, dass die Kröten nicht nur sterben, wenn sie von den Reifen zerquetscht werden, sondern dass sie auch wegen des Unterdrucks platzen, wenn man schnell über sie hinwegfährt. Also bitte: Gaanz langsam fahren!
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Nie werde ich die Erdkröte vergessen, die sich vor mir im Scheinwerferlicht senkrecht aufgebaut hatte, mit erhobenen Händen (oder wie man das bei Kröten nennt), förmlich flehend, sie vom Zerplatzen und Zerquetschen zu verschonen. Ich stieg aus, um sie zu retten, doch dann sah ich, dass ihr die Füße platt gefahren waren, was den Restkörper senkrecht aufgestellt hatte.
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Fatatal? Gerade noch rechtzeitig den in emphatischer Erregung entstandenen Schreibfehler bemerkt. Aber ihn korrigieren? Ist doch wirklich fatatal! Vor allem, wenn man sich vorstellt, und damit zurück zum Sport, Sebastian Vettel donnert mit seinem Red Bull in Höchstgeschwindigkeit über eine Kröte. Dann macht es fatata…bumm. Machen wir’s wie unser Hessen-Bub Sebastian: Wir bremsen nie für Schumi, aber immer für Kröten! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle