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Sport-Stammtisch

Hübsche Pointe: Durch das Ausscheiden der Bayern kassiert Schalke ein paar Millionen Euro mehr von der UEFA. Ob Magath was abkriegt? Dumme Frage. Wenn’s nach dem Schalker Zerlegemeister Tönnies geht, kriegt Magath zwar was ab, aber nur sein Fett weg. Wegen »Kompetenzüberschreitung«. Dieser Kündigungsgrund ist aber ein schwacher Schachzug, weil zu durchsichtig. Als ob Magath auf ein Schäfermatt hereinfiele! Er grinst sich eins und spielt simultan. Matt gesetzt wird Hoeneß, und das trifft diesmal einen wirklich Verantwortlichen.
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Magath wieder in Wolfsburg, Rangnick wieder auf Schalke. Alle Volten, Ränke und Wechselspiele der Woche mag ernsthaft kommentieren wer mag. Ich mag nicht. Leid kann einem nur Littbarski tun, der ewige Litti. Ein wenig auch, falls er doch ein Sportlerherz hat, sogar Magath, denn ihm wird ein sicher scheinender Titel (Pokal) geklaut sowie der Ritterschlag einer Mitwirkung an der Champions-League-Endphase verwehrt. Das alles bekommt Rangnick geschenkt, der nach seiner legendären Ehrenrunde mit Schimpf und Schande verjagt worden war und nun zur nächsten Ehrenrunde gebeten wird.
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»Sehr interessiert ›Gescheiterte‹ gelesen und mich dabei gefragt, warum eigentlich immer wieder die gleichen Gescheiterten immer wieder an führender Stelle auftauchen«, wundert sich unser alter »Anstoß«-Freund Walther Roeber. »Irgendetwas läuft da schief; ist es einfach nur eine Frage des Geldes? Oder doch der Moral?«
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Stichwort Moral: In einer der letzten Kolumnen war von Platons »Ring des Gyges« die Rede (der Zauberring, mit dem sich der zuvor brave und ehrliche Gyges unsichtbar machen konnte und zum Mörder wurde, weil er keine Angst haben musste, erwischt zu werden). These: »Wer Moralist ist, weiß immer, wie sich andere zu verhalten haben. Wer Moral hat, fragt sich immer: Wie soll ICH mich verhalten?« Dazu schreibt Christel Kämper: »Herrliche Zeilen zum Thema Moral und Moralismus: Feststellung meinerseits: Ich bin Moralist und besitze Moral. P. S: Und wenn ich den ›Ring des Gyges‹ hätte, würde die Menschheit noch mehr schrumpfen.«
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Anlass war ein heiß diskutierter Fall, von dem jetzt, angesichts doch etwas wichtigerer Dinge, kaum noch jemand spricht. Von und zu Guttenberg also. Wir sprechen noch einmal davon, denn es gab Leser-Kritik, und die wird nie unterschlagen. Beanstandeter Zapfenstreich-Satz aus dem Sport-Stammtisch«: »Smoke on the water, fire in the sky, they burned down the gambling house, it died with an awful sound – Selbstironie vom Feinsten. Oder kannte er auch diesen Text nicht?«. Dazu Gerd Gundlach: »Ist dieser Text nicht auch decouvrierend für Sie selbst? Wie wäre es gewesen, wenn Sie – in dubio pro reo – zitiert hätten: ›When it all was over / We had to find another place / But Swiss time was running out / It seemed like we would lose the race’ – Ironie von Feinsten. Oder kannten Sie auch diesen Text nicht?« – Stimmt, kannte ich nicht. Auch hat mich der parteipolitische Streit um KT nie interessiert, da ich davon grundsätzlich weiter entfernt bin als die Erde vom Mond. Aber das seltsame Gehabe des KT … na ja, zu meinen bösironischen Anmerkungen dazu gab’s ebenfalls Kritik, sogar aus mir sehr nahe stehenden Kreisen, die tatsächlich behaupten, das seien doch nur die Minderwertigkeitskomplexe eines halbproletarischen Kleinstbürgers. Und was sage ich dazu? Wau! Der getroffene Straßenköter bellt.
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Noch ’ne Selbstkritik, und damit noch einmal zu den »Gescheiterten« vom Donnerstag: »Mit Ihrem heutigen Anstoß hatten Sie in vielem Recht. Aber einen Uli Hoeneß als krachend gescheitert zu bezeichnen, ist doch völlig daneben.« – Stimmt, was Raimo Biere (Bad Vilbel) schreibt. Kleinlaute Korrektur: Hoeneß ist zwar krachend gescheitert. Aber Dieter, nicht Uli.
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Wenn wir schon einmal dabei sind: »Der wievielte bin ich, der Sie darauf hinweist, dass Katrina and the Waves den Grand Prix 97 mit ›Love shine a light‹ gewann? Das viel erfolgreichere ›Walking on sunshine‹ stammt aus dem Jahr 1985. Viele Grüße, Wilfried Hausmann.« – Antwort: »Lieber Herr Hausmann, Sie sind der erste und bis jetzt der einzige.« Doch dann folgten noch weitere in der Pop-Historie Kundigere (zum Beispiel Torsten Schmidt aus Florstadt). Da fragt sich und mich Christian Schwarzer aus Bad Vilbel: »Ich möchte auf keinen Fall besserwisserisch erscheinen, aber im Zeitalter von Wikipedia erstaunen mich solche journalistischen ›Fehler‹ immer wieder.« – Mich nicht! Ich kenn mich doch.
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»Welcher Watz« uns »gebissen« habe, dass regelmäßig XY erscheine, fragt Heinz Pebler: »Wird dieser Schwachsinn wirklich gelesen?« Da in dieser Kolumne nur einer bloßgestellt wird, nämlich »gw«, bleibt XY unaufgelöst, aber die Frage wird beantwortet: Ja, es wird gelesen, und zwar nachprüfbar von deutlich mehr Online-Lesern als alle »gw«-Kolumnen.
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Mal schauen, was die Mailbox noch so alles an Kritik hergibt. »Betreff: Rammeln wie der Osterhase« … o nein. Entschuldigung, das war’s dann wohl, jetzt gibt’s nur noch Spam. Da muss ich mit der Kritik wohl alleine weitermachen. Also: In der Kolumne »Gescheiterte« stand auch, dass in München »mit van Gaal ein Trainer verpflichtet wurde, der ….« Welcher Trainer wurde denn (zusammen) mit van Gaal verpflichtet? Ein Fehler, über den ich oft gelästert habe. Ist mir erst beim Korrektur-Lesen aufgefallen. Habe ihn aber nicht korrigiert, denn »in van Gaal« klang mir zu bürokratisch, und außerdem hätte ich mich gerne von Lesern belästern lassen, ich gönn’ mir ja sonst kaum was bis nix.
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Der hübscheste meiner Fehler ist nur einem Kollegen aufgefallen: »betröppelt« (in den »Montagsthemen«). So schreibt der Hesse, der »bedröbbeld« sagt, bedröppelt, weil ihm betröppelt viel hochdeutscher vorkommt als bedröppelt. Demnächst schreibt der Tropf betröpfelt, damit ist er fein raus, piekfein sogar. Bis dahin hat er zwei Wochen Bedenkzeit. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle