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Montagsthemen

Am Samstag Theater. Graf Öderland von Frisch. Das hilflose Wüten gegen Einerlei und Reglement, der Amoklauf nach jahrzehntelangem Trott, klar, kennt man noch als Schul-Lektüre. Damals aber eher das gegensätzliche Gefühl als lonely wolf, der vom Wald her neidisch auf das geordnete Treiben schaut. Eindrucksvollste Leistung im Öderland: Ein Darsteller steht, warum auch immer, als lebender Kleiderständer geschätzte 15 Minuten mit hoch erhobenem Arm (der einen Hut trägt). Versuchen Sie’s mal. Beeindruckende Halteausdauerleistung. Kaum zu glauben. Absolut unmöglich für einen Athleten in Sportarten, in denen es auf Explosivleistung ankommt. Aber ich hätte es auch nie für möglich gehalten, dass Claudia Pechstein nach zwei Jahren Pause mit 39 und nun unter gläsernsten Bedingungen eine WM-Medaille in einer Sportart gewinnt, die wegen ihrer doppelten Ausdauer-Beanspruchung (Herz/Kreislauf und muskulär/Oberschenkel!) doppelt anfällig für Doping ist.
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Ich kann mir keinen Reim darauf machen und auch nicht auf den Fußball. Andere reimen ihn sich aber nach Gusto zurecht: Bayern spielt nach drei Pleiten groß auf – für van Gaal (um ihn zu halten), gegen ihn (um zu zeigen, wie befreit sie nun aufspielen können)? Wie’s euch gefällt. Gleiche Lage beim HSV. Spielen so schwach, weil Veh »lame duck« ist? Doch von den beiden Trainern dieses Spiels sieht nur einer nach einer duck aus. Nein, nach einer »goose« (Gans). Und wenn er die Champions League gewinnt, verwandelt sich der Franz Gans aus Holland noch wie im Märchen zum strahlenden Schwan.
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Bildhafte Vergleiche sind Glückssache. Zwar fällt Entenhausen-Kennern die physiognomische Ähnlichkeit van Gaals mit dem Lebensgefährten von Oma Duck auf, doch der ist eben (Franz) Gans und nicht Ente, außerdem ein stinkfauler Sack, und was auch immer Louis van Gaal sein mag, faul ist er gewiss nicht.
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Vermutung: Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen spielt eine Mannschaft für oder gegen den Trainer. Auch in Frankfurt gibt es diesen Ausnahmefall nicht. Nur andere. Der erste ist abgehakt, Rekord-Torlosigkeit beendet. Aber wie! Der zuletzt zum absoluten Megasuperbestkeeper aller Zeiten hochgejubelte (in Wahrheit aber »nur« großartige) Manuel Neuer sieht beim Rekord-Tor eines Griechen (Tzavellas) aus zweihundert Metern durch die Irritation eines anderen Griechen (Gekas) aus wie ein Fliegenfänger im Slapstick. Danach zeigt er seine spezielle Klasse in der »Spieleröffnung« (neues Liga-Zauberwort), indem er einen Vierhundertmeterpass zu einem dritten Griechen (Charisteas) schlägt. Noch ein Rekord: Dazu kamen zwei weitere Griechen (Papadopoulos, Amanatidis), insgesamt also »pende ellines« (fünf Griechen) auf dem Platz, das gab’s außerhalb Hellas’ noch nie.
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Weit außerhalb Japans, also bei uns, ziehen Politiker den scheinbar wichtigsten Schluss, ohne den keine Stellungnahme auskommt: Keine Gefahr für uns. Soll beruhigen, wirkt seltsam fehl am Platz. Ehelicher Dialog, Sie: »Die armen Menschen.«. Er: »Das gibt leider fünf Prozent mehr für die Grünen.« Sie: »Ist das jetzt männliche Abgeklärtheit oder fehlende Empathie?« Er: (schweigt betröppelt).
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Echt erlebt (von ihr), am Donnerstag: Einkauf im Supermarkt. Abgepackte Sushi-Variationen. Sie überlegt, kauft aber nicht. Nicht, weil er bei kaltem Fisch speien muss, sondern weil die Packung den Namen »Tsunami« trägt. Wer kommt nur auf so etwas? Sie ist wegen des letzten großen Tsunami unangenehm berührt. Einen Tag später dann die neue große Katastrophe. Und was geschieht mit dem Tsunami-Sushi? Wird es überall aus den Regalen genommen?
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Warum immer das Scharwenzeln um die »liebste Zielgruppe«? Weil ich ein echter Germane bin. Noch einmal der schon am Samstag strapazierte Tacitus: »Die Germanen glauben sogar, dass den Frauen etwas Heiliges und Voraussehendes innewohne, und weder verschmähen sie ihren Ratschlag noch gehen sie über ihren Bescheid hinweg.« – Siehste!
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Zurück zum Sport: Neuer sieht unterhalb der Hüfte Kahn ähnlich, beide Mannstrumms wirken dort mit ihren weichen, etwas voluminösen Oberschenkeln gar nicht brutaltitanenhaft, sondern eher mädchenhaft weich. Und wann gewöhnt wer dem Mädchenfußballer Caio endlich die sinnfreien Übersteiger ab?
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Ach so, ja, beinahe vergessen: Der »Lebensgefährte« von Oma Duck ist eine gezielte Provokation für alle Donaldisten und geeignet, mit Schimpf und Schande aus Entenhausen vertrieben zu werden. dafür entschuldigt sich der Untermieter von Donald Duck: (gw)

Baumhausbeichte - Novelle