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Montagsthemen

Uli Hoeneß ist Vulkan und lebender Seismograph des FC Bayern in Personalunion. Sein Anti-van-Gaal-Ausbruch im Herbst 2010 erreichte selbst auf der nach oben offenen Hoeneß-Skala einen Rekordwert. Doch obwohl die Wände wackelten, blieb die Katastrophen-Schutzmaßnahme aus. Die Wände hielten ja auch, wurden frisch getüncht und zum Schluss noch einmal bunt bemalt (Inter!), obwohl sie innerlich immer morscher wurden. Hoeneß, der Seismograph, wusste es. Aber sein Epigone Nerlinger, obwohl mitten im Epizentrum, beschwichtigte, Rummenigge kallerte nur energisch mit dem Kinn, lavierend zwischen van Gaal und Hoeneß. Und jetzt … ist es zu spät?
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Klar, van Gaal ist im Radio-Eriwan-Prinzip ein sehr guter Trainer. Aber: auch ein sturer Dogmatiker. Dieser Typus wirkt immer dann hilf- und ratlos, wenn es nicht so läuft, wie es nach seinem Willen laufen müsste. Diagnose, plötzlich überall zu hören und zu lesen: Ihm fehlt Plan B.
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Klar ist dennoch: Van Gaal hat in München ein funktionierendes System entwickelt, dort, wo vorher die Erfolgsmethode überwiegend darin bestand, Fußballer, die gegen Bayern gut spielten, ihren Klubs wegzukaufen (das Schlaudraff-System) und ansonsten dem lieben Fußballgott für Himmelsgeschenke von Beckenbauer bis Kahn zu danken. Aber van Gaals Plan kann eben nur »A« sagen und nicht »B«.
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Apropos Schlaudraff: Wenn’s nicht läuft, läuft aber auch alles dagegen: Der in München Gescheiterte lässt München scheitern, und Kraft, neuer Prototyp der positiven Seite des Van-Gaal-Systems (der alte: Thomas Müller), glitscht der Ball durch die Finger ins Tor, in einer verblüffend ähnlichen Szene wie jener, in der »Koa Neuer« trotz identischen Patzers koa Tor kassiert.
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Auch an anderen Konstanten ist van Gaal schuldlos. Zum Beispiel Breno: Seit Jahren als Talent der Extraklasse gefeiert, fällt er, wenn er denn einmal spielt, nur als – buchstäblich wandelnde – Schlaftablette auf. Und nun packt ihn einmal das Temperament – und prompt fliegt er vom Platz.
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Harte Entscheidung, aber nachvollziehbar. Nicht solch absurder Slapstick wie in Stuttgart, wo Höwedes im Strafraum gefoult wird, stürzt, hilflos am Boden liegend (hand)angeschossen wird und mit Elfmeter und Roter Karte bestraft wird. Aber müßig, sich darüber aufzuregen. Schuld sind der Fußball selbst und seine Altvorderen, die vom Salz in der Suppe faseln, aber nur, wenn ihnen dadurch nicht die eigene Suppe versalzen wird. Aktuelle Randnotiz: Wie an dieser Stelle vor ziemlich genau einem Jahr vorhergesagt, bleibt bei der FIFA alles beim Alten beziehungsweise bei den Alten, die damals zwar Besserung versprachen, Brandheißes aber nach bewährter Methode zur Abkühlung der Gemüter in einer Kommission zwischenlagerten, die es jetzt ohne größeres Aufsehen endgültig kalt stellte. Augen zu und durch. Global Player FIFA auf Hessisch: Als weider so!
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Hessisch. Tja. Es fehlt noch das Wort zum Montag. Wie Trost spenden? Dass es der Eintracht im Vergleich zum Bayern-Anspruch noch Gold geht? Mhm. Anderer Versuch: Acht Spiele hintereinander ohne Torerfolg, das hat in meiner gefühlten Statistik nicht mal Tasmania Berlin geschafft. Auch ein Rekord! Außerdem zählt der gefürchtete hessiche Schnellreschner (warum streikt da das Korrektur-System?) an den Fingern einer Hand zusammen, dass die Eintracht auch mit neun weiteren torlosen Spielen nicht absteigen muss. Wenn auch der Gegner kein Tor schießt, kommen noch neun Punkte zusammen, und mit 37 steigt man nicht ab. Aber zugegeben: Wenn ich damit in die Frankfurter Bütt’ stiege, bekäme ich ein dreifach donnerndes He …. Raus! Raus! Raus! Narhallamarsch. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle