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Montagsthemen

Kaum eine Schlagzeile kommt heute ohne »Meisterprüfung« oder »Meisterstück« aus. Unsere auch nicht, siehe unten. Ergänzung: Der ganz und gar außergewöhnliche Dortmunder Auftritt in München war nicht nur ein Meisterstück, er war DAS Meisterstück.
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Nun beginnt das Schaulaufen. Im Sinne des Wortes, auch wenn man es umdreht: die Lauf-Schau. Vielen alten Stars war das Laufen verhasst (gelle, Günni, gelle »Kaiser«?), sie ließen laufen, aber das Arbeitenlassen gehört der Vergangenheit an (gelle, KT?), Dortmund probt die Symbiose von »Hacki« mit Netzer oder »Katsche« mit Beckenbauer oder »Dr.« mit Guttenberg, und daraus entstand das Duell, das Klopp vor dem Spiel prophezeit hatte: »Mir san mir gegen Mir san Fußball.«
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Auch: Van Gaal gegen Klopp. Haushoher Punktsieger: Dr. van Klopp. Danach van Gaal im Interview mit einem nüchtern fragenden und keineswegs dummdreisten ZDF-Reporter: Na ja, van Gaal eben. Wohl dem und uns allen, die wir nichts mit Menschen wie ihm zu tun haben (oder haben Sie etwa? Sie Ärmste/r!).
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Dazu passt jetzt nur das alte Bonmot des holländischen Schriftstellers Leon de Winter, durchaus ein Verehrer seines Landsmannes: »Menschen mit der Persönlichkeitsstruktur eines Louis van Gaal begegnet man normalerweise in geschlossenen Anstalten.«
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Robben ist ein grandioser Fußballer. Weltklasse. Klar. Wenn man ihn lässt. Wird ihm sein – anscheinend einziger – Laufweg zugestellt, schrumpft er zu einer eindimensionalen Randfigur.
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Zu simpel, die Bayern-Niederlage am Stockfehler von Schweinsteiger festzumachen. Wenn schon, dann nicht am Lapsus im Mittelfeld, sondern an dem, was danach geschah: Ungehinderter Lauf durch eine Bayern-Defensive, die nur deswegen nicht Hühnerhaufen genannt werden konnte, weil sie weder Huhn noch Haufen, sondern gar nicht existent war.
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Wenn moderner Fußball bedeutet, dass alle angreifen und alle verteidigen, tritt Bayern mit einem doppelten Handicap an: Robben/Ribery. Meistens geht’s gut, manchmal sogar besser, in Sternstunden auch optimal (Inter!), aber gegen überfallartige Schwarm-Intelligenz bester deutscher (BVB) oder allerbester globaler Art (Barca) können die beiden Individual-Stars vorne gar nicht so viel Druck machen, wie sie hinten dem eigenen Team auflasten.
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Den Geniestreich von Sahin dem Torwart anzulasten, das hätte der alte Titan Kahn nicht nötig gehabt, zumal seine scheinbar fachliche Expertise, Kraft hätte »übergreifen« sollen, zumindest biomechanisch falsch war: Mit der rechten Hand kam Kraft dem perfekt gezirkelten Ball näher, als er ihm mit der linken gekommen wäre. Beim Übergreifen kann der Ball nur nach oben, nicht nach rechts besser erreicht werden. Kahn weiß das am besten.
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Und dann wäre da noch die alte Geschichte vom jungen Schweinsteiger, der sich wunderte, dass er an seinem Platz in der Kabine nie ein Handtuch fand, obwohl jedem Spieler ein solches hingelegt wurde. Er wunderte sich nicht mehr, als er sah, wie sich Kahn mit einem Handtuch die Haare trocken rubbelte. Mit einem zweiten Handtuch um die Hüfte.
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Ob diesmal in der Kabine elf Bayern ihr Handtuch suchten? Und elf Borussen wie Kahn aussahen?  (gw)

Baumhausbeichte - Novelle