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Montagsthemen

Es geht ein Raunen durch Fußball-Deutschland: Wackelt Dortmund? Ja, klar, der BVB wackelt. Für alle Spannungs-Freaks der ultimative Beweis: Wenn Dortmund die nächsten drei Spiele verliert und Leverkusen die nächsten drei gewinnt … führt der BVB nur noch mit einem Punkt. So viel Spannung war nie!
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Allerdings: Wer beschreibend derartig spottet, spottet selbst jeder Beschreibung, wenn, ja wenn Dortmund eine Serie hinlegen würde wie Frankfurt. Das am Samstag im »Sport-Stammtisch« am Eintracht-Beispiel formulierte 1. Mediengesetz des Fußballs (»Wenn Tore nicht mehr sprechen, beginnen die Toren zu sprechen«) beweist nach der 0:3-Klatsche unerbittlich seine Allgemeingültigkeit. Darauf folgt für gewöhnlich das 2. »Anstoß«-Gesetz des Fußballs mit speziell hessischer Gültigkeit: Wer panikt, steigt ab.
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Als Medien-Profi hat Amanatidis den günstigsten Zeitpunkt für seine Inszenierung als Skibbe-Kritiker und verkanntes Fußball-Genie erwischt. Da ruft sogar das vorwitzige Kind aus dem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern dem Volk vergeblich zu: »Der Grieche ist eine beleidigte Leber-Lukanika!«
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Ist doch (neugriechisch) Wurst, denn weil Bruchhagen die gegen ihn kreisenden Rundumschläge von Skibbe nicht vergessen hat, er zudem Amanatidis-Fan ist und da Skibbe spürt, dass er in der Vorrunde mit der Eintracht schon das Ende der Fahnenstange erreicht hat, denken beide Seiten sowieso schon an Abschied.
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Der Chef des Trainers und der Cheftrainer bilden oft eine unheilvolle Allianz. Manchmal aber auch eine kongeniale der besonderen Art: Der Minus- Hoeneß/Herr Litti, Bobic/Labbadia … und Tönnies/Magath, Plus-Hoeneß/van Gaal? Nein. Dort tut sich was mit im ergebnisorientierten Sinn offenen Ende. In Wolfsburg und Stuttgart dagegen bleibt vorerst nur offen, ob das Ende jetzt oder gleich oder erst später kommt. – Entschuldigung, aber da huscht gerade der alte Kalauer durchs kindische Gemüt: Haben Sie Gleichstrom oder erst später?
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Gottschalks Witze sind oft buchstäblich gleichen Geistes Kind. Einmal fragte ihn Robbie Williams: »Hast du auch Haare auf der Brust?« Gottschalk: »Nee, erst ganz weit unten.« Ach, Tommie, dafür lieben wir dich. Kindische müssen zusammenhalten.
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Manchmal gelingen ihm auch hinterlistiglustige Gags, aber die verpuffen, so wie vor fünf Jahren, als er schon einmal in Halle zu Gast war und behauptete, Händels Denkmal dort erinnere daran, dass er hier den ersten Wienerwald eröffnet hat (wann fällt der Groschen?).
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Auch eine schöne Geschichte: Als Gottschalk bei einem Lufthansa-Flug auf die Toilette musste, hatte sein Vorgänger diese total verdreckt hinterlassen. Unsereiner würde sofort angeekelt rausgehen und bis zur Landung eisern die Pobacken zusammenkneifen. Kann sich ein Gottschalk nicht leisten: Er putzte und schrubbte das Klo von oben bis unten, bis es wieder piccobello aussah. Denn hätte er das nicht getan, sagte er, hätte der nächste Klo-Besucher die Bescherung mit seiner Digitalkamera geknipst und die Aufnahme verkauft: »So sieht ein Klo aus, wenn Gottschalk drauf war.«
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Er wird sich nicht von seinem Abschied abhalten lassen, dafür ist er zu klug und sind seine Gründe zu honorig. Dennoch: Wetten, dass er sich später verabschiedet als Skibbe? (gw)

Baumhausbeichte - Novelle