Archiv für Februar 2011

Ohne weitere Worte

»Ich war Torwart und manchmal auch Linksaußen in der B-Jugend von der TuS Mayen.« (…) Im Fußball heißt es: Torhüter und Linksaußen haben einen Schuss weg. – »Mag sein. (…) Ins Tor habe ich mich wohl auch deshalb gestellt, weil meine Schuhe immer zu klein waren und die Füße beim Laufen zu sehr schmerzten. (…) Wir haben damals auf Aschen-Plätzen gespielt und hatten immer aufgeschürfte Knie, besonders ich als Torwart. Deshalb hat meine Mutter mir Knieschützer gemacht, rosafarbene Knieschützer.« – Rosa? – »Ja, aus einem alten Hüfthalter.« (Mario Adorf im WamS-Interview)

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»Manche sagen, das ist der John Wayne unter den Nutzfahrzeugen. Ich finde, das passt: Der Unimog braucht keine Straßen, er braucht nur einen Auftrag.« (Daimler-Chef Dieter Zetsche, zitiert in der Welt)
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Von John Wayne gibt es übrigens einen guten Rat an alle Mercedes-Testfahrer: » Sattle kein Pferd, das du nicht reiten kannst.« (Welt)
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Sie sind klarer darin, etwa die Position von Alice Schwarzer falsch zu finden, als einen eigenen Gegenentwurf zu entwickeln. – »In der Tat: Wer den Radikalismus anderer kritisiert, tut gut daran, selbst nicht den nächsten zu propagieren.« (Familienministerin Kristina Schröder im Zeit-Interview)
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Als er (Anm.: Polens Fußball-Nationaltrainer Franciszek Smuda) in einer Sportsendung darauf angesprochen wurde, dass sein Team in der Weltrangliste hinter Uganda liege, platzte es aus ihm heraus: »Das ist ein Witz«, sagte Smuda, »diese afrikanischen Mannschaften hängen nur im Busch rum, stehen aber weiter oben als wir, das ist lächerlich.« (Spiegel)
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»Wir hatten mal ein Derby verloren. Damals kam der Präsident in den Schlafraum, wo wir vor Spielen immer übernachteten, und schoss ein paar Mal in die Decke. Bei den Spielern, die besonders schlecht gespielt hatten, ging er zu deren Autos und pinkelte vor deren Augen hinein.« (Ex-Bayernspieler Roque Santa Cruz im Sport-Bild-Interview über den Präsidenten seines früheren Vereins Olimpia Asuncion
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Die Gesellschaft der Lokführer äußerte sich zufrieden zum Ausgang des gestrigen Streiktages, von dem fast 80 Prozent aller Züge betroffen waren. Das sind nur zehn Prozent weniger als an einem streiklosen Tag. – ein Ergebnis, auf das die GDI stolz sein kann, die ja nicht über die gleiche Logistik wie der Großkonzern Bahn verfügt. (»Zippert zappt« in der Welt)
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Herr Robben, Ihnen wird vorgeworfen, (…) Tore erzielt zu haben, die lediglich Plagiate zweier Treffer waren, die Johan Cruyff schon 1973 im Trikot des niederländischen Nationalteams erzielt hatte. Was sagen Sie zu den Vorwürfen? – »Meine von mir erzielten Tore sind keine Plagiate, und diesen Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Die Treffer (…) sind über etwa sieben Jahre neben meiner Berufstätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden, und sie enthalten fraglos Fehler, und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung) (gw)

Veröffentlicht von gw am 28. Februar 2011 .
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Montagsthemen

Kaum eine Schlagzeile kommt heute ohne »Meisterprüfung« oder »Meisterstück« aus. Unsere auch nicht, siehe unten. Ergänzung: Der ganz und gar außergewöhnliche Dortmunder Auftritt in München war nicht nur ein Meisterstück, er war DAS Meisterstück.
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Nun beginnt das Schaulaufen. Im Sinne des Wortes, auch wenn man es umdreht: die Lauf-Schau. Vielen alten Stars war das Laufen verhasst (gelle, Günni, gelle »Kaiser«?), sie ließen laufen, aber das Arbeitenlassen gehört der Vergangenheit an (gelle, KT?), Dortmund probt die Symbiose von »Hacki« mit Netzer oder »Katsche« mit Beckenbauer oder »Dr.« mit Guttenberg, und daraus entstand das Duell, das Klopp vor dem Spiel prophezeit hatte: »Mir san mir gegen Mir san Fußball.«
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Auch: Van Gaal gegen Klopp. Haushoher Punktsieger: Dr. van Klopp. Danach van Gaal im Interview mit einem nüchtern fragenden und keineswegs dummdreisten ZDF-Reporter: Na ja, van Gaal eben. Wohl dem und uns allen, die wir nichts mit Menschen wie ihm zu tun haben (oder haben Sie etwa? Sie Ärmste/r!).
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Dazu passt jetzt nur das alte Bonmot des holländischen Schriftstellers Leon de Winter, durchaus ein Verehrer seines Landsmannes: »Menschen mit der Persönlichkeitsstruktur eines Louis van Gaal begegnet man normalerweise in geschlossenen Anstalten.«
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Robben ist ein grandioser Fußballer. Weltklasse. Klar. Wenn man ihn lässt. Wird ihm sein – anscheinend einziger – Laufweg zugestellt, schrumpft er zu einer eindimensionalen Randfigur.
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Zu simpel, die Bayern-Niederlage am Stockfehler von Schweinsteiger festzumachen. Wenn schon, dann nicht am Lapsus im Mittelfeld, sondern an dem, was danach geschah: Ungehinderter Lauf durch eine Bayern-Defensive, die nur deswegen nicht Hühnerhaufen genannt werden konnte, weil sie weder Huhn noch Haufen, sondern gar nicht existent war.
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Wenn moderner Fußball bedeutet, dass alle angreifen und alle verteidigen, tritt Bayern mit einem doppelten Handicap an: Robben/Ribery. Meistens geht’s gut, manchmal sogar besser, in Sternstunden auch optimal (Inter!), aber gegen überfallartige Schwarm-Intelligenz bester deutscher (BVB) oder allerbester globaler Art (Barca) können die beiden Individual-Stars vorne gar nicht so viel Druck machen, wie sie hinten dem eigenen Team auflasten.
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Den Geniestreich von Sahin dem Torwart anzulasten, das hätte der alte Titan Kahn nicht nötig gehabt, zumal seine scheinbar fachliche Expertise, Kraft hätte »übergreifen« sollen, zumindest biomechanisch falsch war: Mit der rechten Hand kam Kraft dem perfekt gezirkelten Ball näher, als er ihm mit der linken gekommen wäre. Beim Übergreifen kann der Ball nur nach oben, nicht nach rechts besser erreicht werden. Kahn weiß das am besten.
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Und dann wäre da noch die alte Geschichte vom jungen Schweinsteiger, der sich wunderte, dass er an seinem Platz in der Kabine nie ein Handtuch fand, obwohl jedem Spieler ein solches hingelegt wurde. Er wunderte sich nicht mehr, als er sah, wie sich Kahn mit einem Handtuch die Haare trocken rubbelte. Mit einem zweiten Handtuch um die Hüfte.
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Ob diesmal in der Kabine elf Bayern ihr Handtuch suchten? Und elf Borussen wie Kahn aussahen?  (gw)

Veröffentlicht von gw am 27. Februar 2011 .
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Sport-Stammtisch

Unsere drei Top-Themen der Woche: Der große Bayern-Sieg mit dem späten Tor von »Jay Jay« Gomez, die krachende Widerlegung der alten Basketballer-Weisheit von den weißen Jungs, die nicht springen können, sowie die schier unglaubliche Wendung in der Doping-Diskussion.
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Thesen: 1. Bayern München ist die mit Abstand beste deutsche Fußballmannschaft. 2. Borussia Dortmund ist die mit Abstand beste deutsche Bundesliga-Mannschaft. 3. These 1 und These 2 widersprechen sich nicht. Folgerung: Morgen Abend ist alles möglich.
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Wäre nicht die erste Halbzeit von Barcelona bei Arsenal noch in frischester Erinnerung, könnte man geneigt sein, die Bayern-Partie vom Mittwoch nahe eines fußballerischen Non plus ultra einzuordnen. Doch das verbietet sich nicht nur wegen Messi & Co. Das geflügelte Wort geht auf Pindar zurück, für den die Säulen des Herakles bei Gibraltar die Grenzen der bewohnten Welt bedeuteten, über die »nichts mehr hinaus geht«. Den Gegenbeweis aber hat schon Kaiser Karl V. im 16. Jahrhundert angetreten mit seinem Wahlspruch: »Plus ultra!« Das wäre dann auch das richtige Münchner Motto im Traumfinale gegen Barca, das Non-plus-ultra-Team aus der Stadt nicht allzu weit von Gibraltar, wo die Säulen kleiner als von Herakles sind, aber ebenfalls beeindruckend und dazu zahlreicher: Messi, Xavi, Iniesta …
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Na ja, vielleicht ein klein wenig zu weit vorgegriffen. Zurück in die Gegenwart: Mario Gomez hat sich nicht nur um seine Kopfform gekümmert, sondern auch um seinen Torjubel: bessere Frisur, netteres Ritual. Von Jay Jay Okocha, seinem früheren Idol, hat er sie abgeschaut, diese wippende Pseudo-Dehnübung, eine der Kreationen unseres GRÖKAZ (größter Kolumnen-Liebling aller Zeiten), die allesamt den sympathischen Vorzug hatten, keinen aggressiven Triumph darzustellen, sondern verspielte sinnfreie Albernheit.
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Ein zweites geflügeltes Wort wird widerlegt: »White boys can’t jump.« Wer bei youtube noch einmal Jay Jays unbändige Spiellust genießen will, sollte dort auch anschließend den Namen »Blake Griffin« eingeben. Der 2,08 m große und 114 Kilo schwere neue Held im NBA-Basketball spielt für die Los Angeles Clippers, und Lakers-Superfan Jack Nicholson spielt dem Vernehmen nach mit dem Gedanken, wegen Griffin seine Dauerkarte gegen eine der Clippers zu wechseln. Blake Griffin ist ein Jay-Jay-Kontrastprogramm mit unbändiger körperlicher Gewaltausübung, zum Glück nicht gegen Menschen, sondern nur gegen Sachen wie Ball und Korb. Beim Allstar-Game gewann er den Dunking-Wettbewerb, und wer sich’s anschaut, weiß warum. Unfassbar! In Deutschland war es, wenn die Erinnerung nicht trügt, »Pollo« Urmitzer, der in einem Spiel den ersten Dunk zeigte, später liebte Gießen seinen »Stopfer«-Spezialisten Tony Koski, in der Neuzeit war Michael Jordan das, nun ja, Non plus ultra, aber was Blake Griffin veranstaltet, das ist … Plus ultra! Und das Verblüffendste: White boys can doch jump! Denn Griffin ist so weiß wie Schnee.
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Das dritte Top-Thema der Woche verblüfft aber noch mehr, denn es signalisiert einen Paradigmenwechsel in der Doping-Diskussion. Jan Ullrich wurde trotz sehr dünner Beweislage vom deutschen Helden zum verachteten »Sünder«, Contadors Ausflüchte und wundersame spanische Reinwaschung wurden hämisch verlacht, aber nun kommt einer daher, der seine Eigenleistung mit verbotener Fremdhilfe verbessert, was ihm nicht nur einmal, sondern weit über hundert Mal nachgewiesen wird, und dennoch bleibt er ein deutscher Held. Ullrich hat »keinen Konkurrenten betrogen«, was ihm niemand glaubt (obwohl es stimmt), Contador will in Spanien unbewusst einmal clenbuterolverseuchtes Fleisch gegessen haben, was ihm aus gutem Grund niemand glaubt, im dritten Fall aber soll der hundertfache Missbrauch von Fremdhilfe ein unabsichtliches Versehen gewesen sein, und schon schart sich das Volk um seinen zu Unrecht geschmähten Helden. Vermutung: Dopingmentalität – Synonym: mehr Schein als Sein – ist ein mittlerweile gesellschaftlich anerkanntes Phänomen, greift immer mehr um sich und gilt als erlaubtes, angemessenes Mittel, um sich im gewünschten Sinne selbst zu verwirklichen, also mehr aus sich herauszuholen, als in einem steckt. Und wem das unbewusste Über-Ich sündhaftes Tun einflüstern will, der überhört es geflissentlich und deutet mit seinem moralischen Zeigefinger auf die bösen, bösen Doper im Sport, diese bequeme »bad Bank« des schlechten Gewissens. – »Die weltt die will betrogen syn«, sagte Sebastian Brant schon 1494 in seinem berühmten Werk, dessen Titel eine Metapher für die Lebensreise des Menschen auf dieser Welt ist: »Stultifera navis« – das »Narrenschiff«.
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Um nicht zu hochgestochen und auch nicht zu tief pessimistisch ins trübnasskalte Wochenende zu gehen, springen wir noch einmal zu den springenden (whow, fast schon wauwau, welch ein Übergang!) Basketballern. Früher, als nur ein Ausländer pro Team erlaubt war, lautete das Anforderungsprofil: Schwarz muss er sein, un hüppe muss er könne! Blake Griffin hat den Schwarzen auch noch dieses vorletzte Alleinstellungsmerkmal geklaut. Jetzt haben sie nur noch eines, und das halten sie fest. Wie Michael Jackson. Denn warum griff er sich so oft in den Schritt? Weil die Weißen den Schwarzen alles weggenommen haben und die Schwarzen daher immer nachprüfen müssen, ob wenigstens DAS noch da ist. Alter Witz, ich weiß. Außerdem ein ganz anderes Thema, und das hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Veröffentlicht von gw am 25. Februar 2011 .
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Sport-Stammtisch

Gaddafi mit dem Regenschirm – ein lehrreiches Bild. Geografisch die Überraschung: Selbst in Libyen kann’s regnen. Politisch die Diagnose: Potentaten sind am Ende, wenn sie den Schirm nicht mehr halten lassen, sondern selbst halten müssen. Juristisch die Erwartung: Wenn Gaddafi nicht mehr den Schutzschirm über seine Söhne spannt, zieht auch unsere Justiz ihre furchtsam schützende Hand zurück. Dass Gaddafi die Schweiz buchstäblich in und auf die Knie zwang, als Sohn Hannibal verhaftet wurde, ist eine bekannte, dass der in München »studierende« Saif in Bayern Narrenfreiheit hatte, eine weniger bekannte Geschichte. Damit zum Fußball: Saadi, ebenfalls Sohn, der in Bengasi den Einsatz gegen die Demonstranten leiten soll, hatte zuvor ein harmloseres Hobby – als libyscher Nationalspieler, Profi beim italienischen Erstligisten Perugia und Mitbesitzer von Juventus Turin.
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Nationalspieler wurde Saadi al-Gaddafi, indem er Nationaltrainer Scoglio feuerte, der ihn nicht aufstellen wollte (»Saadi ist eine totale Null«). Dennoch wurde die Null libyscher Torschützenkönig: König im majestätischen Sinne des Wortes, denn die Untertanen in der Mannschaft hatten ihm die Bälle zuzuspielen, und nur der König schoss aufs Tor. In dem stand beziehungsweise lag der Torwart schon vor dem Schuss in der falschen Ecke. Sein Debüt in Perugia musste Saadi wegen Nandrolon-Dopings um ein paar Monate verschieben (er hatte Ben Johnson als persönlichen Fitnesstrainer verpflichtet, wirklich!), als er dann endlich erstmals eingewechselt wurde, schenkte er allen 25 Perugia-Profis je einen Smart.
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Schluss mit lustig, denn lustig ist’s sowieso nicht. Jedes dieser Fußball-Anekdötchen hat seinen Urgrund in Mord, Terror und Despotismus. Dagegen wirkt unser hessisches Drama wie die Schäferidylle in einer arkadischen Traumlandschaft: In Frankfurt spukt das Abstiegsgespenst. Unser Hausmurmeltierchen ergänzt sein altes Eintracht-Mantra (Wenn Tore nicht mehr sprechen, beginnen erst die Toren zu sprechen, dann wird gepanikt, und wer panikt, steigt ab) mit seinem neuen täglichen Gruß: Wenn’s abstiegsspukt, muss gespuckt werden, und zwar in die Hände.
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Leider spielt der in unserer Kolumne oft genug hoch gelobte Heribert Bruchhagen diesmal eine recht unrühmliche Rolle. Wenn ein Spieler seinen Trainer öffentlich derart massiv angreift, muss der Trainer handeln, wie Skibbe gehandelt hat. Und wenn der Boss den Trainer postwendend derart peinlich zurückpfeift wie Bruchhagen, beschämt und demontiert er den Trainer auf eine Weise, die sich auch negativ auf die Mannschaftsleistung auswirken muss. Hat er Skibbe schon im Geiste entlassen und einen positiv spektakulären Nachfolger in der Hinterhand?
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Aber noch einmal: Im Vergleich zu anderen Problemen ist das der Eintracht ein idyllisches. Und da Fußball Fußball ist, unberechenbar und ungerecht, wird es wahrscheinlich ausgerechnet Amanatidis sein, der die entscheidenden Tore gegen den Abstieg schießt.
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Anderes Thema: Frühere und aktuelle Leichtathletik-Asse protestieren gegen ARD und ZDF, die aus finanziellen Gründen auf die WM-Senderechte verzichten. Der zu hohe Preis ist natürlich nur ein vorgeschobenes Argument, denn wenn’s Quote bringt, ist den Öffentlich-Rechtlichen kein Preis zu hoch. Tatsächlich geht es um die angeblich werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, die mit Leichtathletik nicht mehr von den Privaten zu ARD und ZDF zurückgelockt werden können. Heißt es. Doch diese Zielgruppe ist weder werberelevant noch überhaupt eine wichtige Zielgruppe, denn ihr Erfinder, der damalige RTL-Boss Helmut Thoma, hat längst zugegeben (2008 in einem Spiegel-Interview), dass »die Grenzziehung reine Willkür« war, die Werberelevanz nur für das RTL-Programm der frühen 90er Jahre galt und längst überholt ist, da »angesichts des demographischen Wandels« selbst die RTL-Zuschauer mittlerweile 50 Jahre und älter sind. Thoma: »Wer hat denn heute das Geld? Die 50- bis 65-Jährigen.«
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Und überhaupt: Die öffentliche-rechtliche Daseinsberechtigung verlangt keine Werbestrategie, sondern Erfüllung des Versorgungs-Grundauftrags. Zu dem gehört auch eine Leichtathletik-WM. Wer das anders sieht, sollte sich selbst abschaffen, auf Gebühren verzichten und Privatsender werden.
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Alea iacta est. Aus unserer Rubrik »Latein für Besserwisser«: Das heißt nicht, der Würfel ist gefallen, sondern er ist geworfen. Gilt nicht nur für die Leichtathletik, ARD und ZDF, sondern auch für die Eintracht und sogar für ganz Nordafrika. Wie er letztlich fällt, der Würfel, weiß noch niemand. Aber wir werden es erleben, schon bald. (gw)

Veröffentlicht von gw am 23. Februar 2011 .
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Ohne weitere Worte

Manuel Neuer, hieß es zwischen Argentinien, Paraguay und Peru, wäre »schwul«, ein »Gay-Torwart«, der wie Popsänger Ricky Martin »gestanden« hätte. Beim näheren Hinsehen entpuppte sich das Outing als Ente, weil die Latino-Presse schlecht aus der »Bunten« abgekupfert hatte. Gegenüber dem Blatt hatte Neuer zum Thema Homosexualität im Fußball nur gesagt: »Wer schwul ist, sollte sich outen.« Und wer kein Deutsch kann, sollte nicht aus deutschen Zeitschriften abschreiben. (Frankf. Allgemeine Sonntagszeitung)
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Wie spricht man den Namen »Puyol« korrekt aus? – »So wie man ihn schreibt. Keinesfalls ›Puschol‹. keine Ahnung, wie man darauf kommt, das ›Y‹ wie ein ›Sch‹ zu sprechen, wie deutsche Kommentatoren es tun, die sich für polyglott halten.« (Daniel Brühl, Schauspieler, Halbspanier, Fußball- und Köln-Fan, im BamS-Interview)
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»Brad Pitt? Als ich mit Podolski am Tisch saß, war ich aufgeregter.« (Brühl/BamS)
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»Einmal hatte ich einen sehr aggressiven Schüler, dem habe ich erzählt – von meiner besoffenen Mutter, von meinem Zuhause in den Benz-Baracken, meiner Scham darüber und der Unsicherheit – und da fing er an zu heulen. Sein Macho-Gehabe war nur ein Schutzschild.« (Ex-Boxprofi und Ex-Zuhälter Charly Graf im Spiegel über seine Arbeit mit schwererziehbaren Jugendlichen)
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»Meine kriminelle Karriere begann mit der Unterschrift unter meinen Boxvertrag. Da war ich 17, und es war mein Eintritt in die Halbwelt. Dort waren Zuhälter ganz normal. Irgendwann hatte ich selbst die ersten Frauen, die für mich anschafften. Normale Arbeiter waren für mich Loser.« (Graf/Spiegel)
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»Ich twitter nicht, ich bin nicht bei Facebook. Ich lehne das alles ab. Ich finde das alles total schrottig und verfluche den Tag, an dem dieser Dreck kam.« (Anke Engelke im Mediendienst DWDL)
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Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiß auf den Doktor.« (»Post von Wagner« in Bild)
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Entlässt er seinen Doktorvater? Oder schafft er das Studium ab? (…) Trotzdem bleiben natürlich Fragen: Ist sein Adelstitel überhaupt echt? Wo hat er seine Frau her? (»Zippert zappt« in der Welt)
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Seinen Lebenslauf hat Guttenberg (…) ein bisschen aufgeblasen. Aus mehrwöchigen Praktika als Student wurden »berufliche Stationen in Frankfurt und New York«. (…) Und ein mehrwöchiges Praktikum bei der Zeitung »Die Welt« wird in Guttenbergs Lebenslauf zu einer Tätigkeit als »freier Journalist«. (FAS)
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Naomi Campbell würde einen Pilawa, wie es ihre Art ist, durchs linke Nasenloch inhalieren. (Süddeutsche Zeitung über den Unterschied von Thomas Gottschalk und seinem möglichen Nachfolger)
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Joe Kinnear (Anm.: damals Trainer von Newcastle) begann 2008 eine Pressekonferenz mit der Frage, wer Simon Bird vom Daily Mirror sei. Der meldete sich. Kinnear, ganz ruhig: »Du bist ein Arschloch.« Bird: »Danke.« (Axel Hacke: »Das Beste aus aller Welt« im SZ-Magazin)
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Kinnear, weiter ruhig: »Welcher ist Hickman?« (vom Daily Express). »Du bist doch gestört. Absolut verdammt gestört. Ich sag dir, wenn du das noch mal machst, kannst du dich verpissen.« (Hacke/SZ)  (gw)

Veröffentlicht von gw am 21. Februar 2011 .
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Baumhausbeichte - Novelle