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Montagsthemen

Danke, lieber Wutbauer, für die Steilvorlage. Auch Wütende seien wetterwendisch, tröstete ich am Samstag die Olympia-Befürworter. Stand Montag: Der Wutbauer, dem ein Teil des Zielhangs gehört, gibt sein Grundstück frei. Der Vertrag ist schon beurkundet. Gilt aber nicht für Olympia. Das wird teurer. Vielleicht wird also »Wutbauer« nun doch nicht das Wort des Jahres 2011. Sondern: Schlaubauer.
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Steilvorlage? Seltsam: sind immer flach. Auch ein Paradoxon: 50 Jahre ARD-Sportschau. Zum Jubiläum gab’s echte Antiquitäten von Adi Furler (der mit den Galoppern) bis Ernst Huberty (der mit dem Scheitel), aber in einer Hitliste der legendärsten Szenen führen zwei vom ZDF-Sportstudio: Das standhafte Schweigen von Box-»Prinz von Homburg« Norbert Grupe 1969 beim ebenso stoischen Interviewer Rainer Günzler und 1971 der Affe, der »Tarzan« Johnny Weissmüllers Frau die Perücke vom Kopf riss.
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In allen Medien ganz vorne, auch in der Winterpause: der FC Bayern München. Fast wie im Schlaubauern-Komödienstadl führt ein biestig-kantiger Mijnheer Seltsam die Einheimischen vor. Kaum raunt Uli Hoeneß, ein scheinbar offenes Vertrags-Geheimnis bestätigend, »ich bin sicher, dass die Dinge mit Neuer so laufen, wie sie laufen sollen«, da wechselt van Gaal mal schnell seine Nummer eins aus. Thomas Kraft ist 22, ein Riesentalent, Manuel Neuer zwar schon ein Riesentorwart, aber 15 Millionen für einen Torhüter seien rausgeschmissenes Geld, meint van Gaal.
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Mit seiner womöglich richtigen, in jedem Fall selbstherrlichen, aber einem Trainer zustehenden Entscheidung stößt van Gaal die Klub-Bosse vor den Kopf. Das tut aber nur denen weh, ihm nicht. Klappt’s mit Kraft wie damals bei Ajax mit van der Sar, den van Gaal 1992 ebenfalls mit 22 Knall auf Fall zur Nummer eins machte, ist der Trainer mit einem Innen-Dreieck Kraft/Breno/Badstuber (zusammen gefühlt ungefähr halb so alt wie Ballack) als Jugendbeweger die Nummer eins weit vor allen Tuchels, Klopps und Löws. Klappt’s nicht, hat Bayern den Schaden und nicht van Gaal. Der ist dann nur weg.
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Weg. Als Wort ein »zweischneidiges Schwert«, um noch einmal, siehe Samstag-Kolumne, den Wort-Großerfinder Luther zu zitieren. Auch »nichts Neues unter der Sonne« stammt von ihm. Daran sollte sich erinnern, wer empört auf die Weg-Worte einer Linken-Politikerin reagiert. Denn im Zuge der Aliasierung der KPD über SED, PDS und Was-weißichnochalles gilt offiziell die kreidefressende Weg-Doktrin (»Weg vom Kommunismus«) und nicht der basishaft ehrliche, aber wahltaktisch schwer zu vermittelnde »Weg zum Kommunismus«.
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Aber: Ehrlich währt am längsten (ausnahmsweise nicht von Luther). Oder: Theorie und Praxis. So lebte Karl Marx, der größte aller Kommunismus-Theoretiker, in der ständigen praktischen Angst, eine seiner Töchter könnte einen »Proleten« heiraten. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport …
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… stopp! Diesmal nicht die alte Leier, denn beim Nachgoogeln der Herkunft des Nicht-Luther-Wortes stoße ich auf dieses Schlusswort: »Der Verein ›Ehrlich währt am längsten‹ hat seine Tätigkeiten eingestellt. Die Homepage wird in Kürze geschlossen und der Verein liquidiert.« (gw)

Baumhausbeichte - Novelle