Archiv für Januar 2011

Ohne weitere Worte

»Schon ein paarmal standen Männer vor meiner Tür und glaubten, ich würde sie heiraten wollen.« (Magdalena Neuner im Stern-Interview)
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Gescheitert ist er an völlig überzogenen Erwartungen des Umfeldes. (…) Doch es war kein Heilsbringer gekommen, sondern ein einfacher, schüchterner, eher naiver Junge, der staunend und mit großen Augen im Grunde lange Zeit gar nicht wusste, was in der Bundesliga für ein Fußball gespielt wird. (Frankfurter Rundschau über Caio)
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»Die Spieler haben einen zu hohen Lebensstandard. Sie fahren die besten Autos, sie haben alles gepumpt und geleast und wissen nicht mehr, was sie wo abbezahlen müssen. Sie haben Playmates als Freundinnen – sie leben überdimensional. Und sind teils falsch beraten. Sie zocken im Internet mit Aktien und Online-Spielen. Hauptsache, etwas tun.« (Harald Schips, Finanzkaufmann, in Sport-Bild unter der Überschrift »30 Prozent der Spieler sind pleite«)
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»Wenn der Euro jetzt stirbt und nichts mehr geht, dann gehe ich mit meiner Akkustikgitarre an ein Lagerfeuer, an dem ein paar Überlebende hocken, und sage: ›Ich spiele euch VERDAMMT, ICH LIEB DICH, wenn ich dafür ein Bier und Würstchen bekomme.‹ Das wird klappen, ich schwöre es.« (Matthias Reim nach seiner Privat-Insolvenz im SZ-»Geld«-Interview)
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Günter Breitzke ist so ein Fall. Der ehemalige Mittelfeldspieler holte mit Borussia Dortmund 1989 den DFB-Pokal. Bis 1995 war er ein typischer Profi mit großen Autos und teuren Klamotten. Heute lebt er von Hartz IV. (Sport-Bild)
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»Nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt« (Audi-Chef Rupert Stadler im Spiegel zu Ankündigungen der Konkurrenz)
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Werders ehemaliger Meisterstürmer Ailton (37) steht am Rande des Finanz-Kollaps. Zu Top-Zeiten investierte er allein in Klamotten 100 000 Euro pro Monat. Marcelinho (35), der als Spielmacher u. a. bei Hertha BSC und in Wolfsburg Millionen kassierte, kann in Brasilien Rechnungen nicht mehr begleichen. (Sport-Bild)
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Zu den großen Defiziten Helmut Kohls zählt sein Sohn die Unfähigkeit, persönlich über familiäre Dinge zu sprechen. Die Nachricht vom Tod der Mutter ließ er seinen Söhnen von seiner Büroleiterin übermitteln. (Frankfurter Rundschau zum Buch »Leben oder gelebt werden« von Walter Kohl )
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»Unser Vater spielte nur mit uns, wenn es von Pressefotografen für eine Homestory gewünscht wurde.« (Walter Kohl, zitiert in der SZ)
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Die nicht gerade fleischarme französische Küche wurde gerade zum Welterbe erklärt. – »Nehmen wir an, ein französischer Künstler würde sagen: ›Lassen Sie mich Ihnen etwas Wunderschönes zeigen: Ich werde öffentlich ein Ferkel ohne Betäubung kastrieren. Sie müssen sich den Klang des quiekenden Schweines einfach anhören, es ist umwerfend!‹ Der Künstler würde sofort im Gefängnis landen (…) Beim Essen aber sind wir bereit, eine komplette Ausnahme von den ethischen Grundsätzen zu machen. (»Tiere essen«-Autor Jonathan Safran Foer im SZ-Interview)
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»Wer keine gefestigte Persönlichkeit besitzt, sucht Menschen, auf die er hinabschauen kann. Früher waren das vor allem die Juden Heute greifen in der Causa Sarrazin (Anm.: Thilo) ähnliche Mechanismen.« (Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, im Interview der Süddeutschen Zeitung)
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Und weil jetzt mit der Schule erst mal Schluss ist, hat Verteidigungsminister Guttenberg der strengen Frau Sarrazin (Anm.: Ursula) das Kommando der »Gorch Fock« angeboten. (»Zippert zappt«/Welt) (gw)

Veröffentlicht von gw am 31. Januar 2011 .
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Montagsthemen

Wenn der BVB auch noch das anstehende Spiel gegen Schalke besteht, steht fest, dass der Meister 2011 feststeht. Und obwohl van Gaal als Charakter fest steht, steht fest, dass er bei Bayern als Trainer nicht feststeht – feststehende Feststellung, also Fazit eines Spieltages.
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Wer solche Wortspielerei als Hobby reitet, pflegt ein Steckenpferd, das die Aufmerksamkeit für Sinn und galoppierenden Unsinn schärft. Zum Beispiel bei Jürgen Klopp, ohne jeden Zweifel der erfolgreichste Trainer der Bundesliga und der beliebteste in urbi (Dortmund) et orbi (Globaldeutschland). Schon bevor feststand, dass Götze vielleicht sogar der bessere Kagawa ist, stellte Klopp auf die Frage fest, wie sehr er Kagawa vermisse: »Jemanden zu vermissen, der nicht da ist, macht nicht viel Sinn.«
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So? Nur jemanden zu vermissen, der nicht da ist, macht Sinn, denn jemanden, der da ist, kann man nicht vermissen, da er ja nicht nicht da, sondern da ist. Da ist nicht da oder nicht da die Frage, sondern Dada die Antwort, jene Kunst- und Denkströmung, die vor hundert Jahren aufkam und dem totalen Zweifel an allem einen Namen gab: Dada. Ein Jahrhundert später erweitert Klopp den Begriff zu Dadanichtda.
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»Bevor Dada da war, war Dada da«, sagte der Maler Hans Arp, ein Dadaist der ersten Stunde. Und Dada war da, weil Dada, so die Dada-Legende, ge- und erfunden wurde, indem der Schriftsteller Hugo Ball wahllos in ein Wörterbuch tippte und »dada« traf, das französische Wort für … Steckenpferd. Und, siehe da, da schließt sich der Wortspiel-Kreis im Galopp.
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Julian Draxler wird vom Dadaismus noch nicht allzu viel gehört haben, denn ihm fehlten noch zweieinhalb Jahre zum Abitur, und Dadaismus taucht, wenn überhaupt noch, erst in der Oberstufe auf. Aber Draxler pfeift auf das Abi, wie übrigens auch Mats Hummel (nicht aber Draxlers Mannschaftskamerad Joel Matip). Den von Felix Magath geförderten Verzicht pfeifen Matthias Sammer und Günter Netzer antidadaistisch aus, also populistisch, das heißt mit vereinfachten generellen Feststellungen, deren sarrazynischer Logik jeder zustimmt, die aber dem Einzelfall nicht gerecht werden.
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Klar, Abi zu haben ist besser als Abi nicht zu haben, das wissen auch Sammer und Netzer, die Abi nicht haben. Allerdings sind sie nicht als Maschinen- und Anlagenmonteur (Sammer) oder Kneipier (Netzer) reich und berühmt und (hoffentlich!) lebenserfüllt geworden, sondern als Fußballer. Wollen Sie Draxler vor ihrem Schicksal bewahren?
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Da es genügend Pro-Argumente gibt, hier ein kleines Kontra: Julian Draxler hat die einmalige Chance (und wohl das einmalige Talent), zwanzig Jahre lang ein Traumleben zu führen, mit innerer und äußerer Erfüllung, mehr als genug Geld für fünfzig Jahre Restleben zu verdienen und dabei und danach in all der Freizeit, die Fußball-Profis nun einmal haben, fürs ganze Leben lernen zu können. Oder das Abitur nachzumachen. Dennoch: Ob falsch oder richtig, wer weiß das schon. Weder Sammer noch Netzer noch ich.
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Und da wäre noch der hübsche Dialog, den ich in der Süddeutschen Zeitung lese. Ein SZ-Kollege fährt mit dem Rad in die Redaktion, auf der Straße, und wird von einer Autofahrerin aufgefordert, den Radweg zu benutzen. Er ruft: »Der Radweg ist vereist.« Sie ruft zurück: »Das stimmt nicht!«
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Wenn nur der Radfahrer weiß, ob da Eis da oder nicht da ist, aber die Autofahrerin sagt, dass da Eis nicht da ist, dann ist das modernes Dada im Sinne von Klopp: Dadanichtda. (gw)

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2011 .
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Sport-Stammtisch

Über den großen Fußball-Mäzen Dietmar Hopp und den großen Fußball-Verantwortungsethiker Heribert Bruchhagen gab es hier bisher nur uneingeschränkt Lobendes zu lesen. Das ändert sich heute.
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Anfang Januar pries ich Hopp, dass er meine alte These »Die Ware Sport ist nicht der wahre Sport« widerlege beziehungsweise an der Symbiose arbeite, indem er mit wahrem Sport (Ausbildungszentrum Hoffenheim) eine Sportware schaffe (Eduardo, Gustavo), diese mit Mehrwert verkaufe und den Profit wieder in den wahren Sport stecke, so dass sich Hoffenheim bald selbst tragen könne, sogar ohne Hopp.
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Danach tat sich dort aber einiges, was mich an meiner Hommage leise zweifeln ließ (drei Namen zur Auswahl: Alaba, Braafheid, Babel). Und ein alter Kollege meldete sich. Er hatte einiges zu sagen, was die leisen Zweifel lauter werden ließ. Für unsere Leser schreibt er eine Kurzfassung: »Es ist schon bemerkenswert, wie unterschiedlich das Engagement von Dietmar Hopp bewertet wird. Wer jedoch vermutet, dass er in seiner Rolle als Mäzen von 1899 Hoffenheim als Geschäftsmann agiert, der auf Rendite setzt, der liegt daneben. Dietmar Hopp geht es nicht ums Geld oder darum, Gewinne zu erzielen. Er ist Milliardär, hat cirka vier Milliarden Euro Privatvermögen. Er liebt den Fußball, den Sport und er steht komplett hinter seinem Verein. Dort, in Hoffenheim, ist er geboren, dort ist er aufgewachsen. Sein Herz hängt daran. Aber der Verkauf von Luiz Gustavo hat nach meinen persönlichen Erfahrungen nichts mit einem finanziellen Gewinn oder einer kaufmännischen Überlegung zu tun. Dietmar Hopp hat nur auf seine Art klar gemacht, wer in Hoffenheim das Sagen hat. Er ist der Verein, er bestimmt den Weg und er gibt die Marschroute vor. Rangnick, ein sicherlich hervorragender Trainer, ist wie Dietmar Hopp ein Alpha-Tier. Einer, der seine Meinung vertritt und keine Angst vor einer Konsequenz hat. Daher war es schon erstaunlich, dass diese beiden viereinhalb Jahre miteinander ausgekommen sind. Dass Dietmar Hopp den Erfolg unbedingt will und dafür auch weiterhin Geld in die Hand nimmt, haben die letzten Tage bewiesen.«
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Unser geschätzter Ex-Kollege weiß, was er schreibt: Er heißt Dag Heydecker, ist beim FSV Mainz 05 Geschäftsführer, arbeitete in dieser Funktion von 2000 bis 2005 auch bei der TSG Hoffenheim und war insgesamt zehn Jahre lang im »Unternehmen Hopp« tätig. Apropos Mainz: Das, wofür ich Hopps Hoffenheim pries, gibt es dort ja schon – sogar ohne einen wie Hopp.
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Ohne einen wie Caio hatte die Frankfurter Eintracht spielen wollen. Der liebe Jung ist wieder da, ohne richtig weggewesen zu sein. Eigentlich müsste sich Heribert Bruchhagen ein Loch in den Bauch freuen, denn er hatte Caio auf dessen vermeintlichem Weg nach Moskau hinterher geweint: »Sein Weggang ist für uns ein klarer Verlust.« Diesen Satz las ich am selben Tag, an dem ich (DFL-»Spieldaten« und sonstige Heucheleien gaben den Anstoß) geschrieben hatte: »Wer die Öffentlichkeit in sein taktisches Kalkül einbezieht, will sie oft nur für dumm verkaufen.« Einen wie Bruchhagen hatte ich nicht auf der Heuchel-Liste. Aber wetten, dass er sich kein Loch in den Bauch freut, sondern sich vor Wut am liebsten in einen hinteren Körperteil beißen würde!?
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Caios Bleiben ist ein klarer Verlust, finanzbilanzmäßig. Wie gerne wäre die Eintracht den Mädchenfußballer los geworden! Wie gerne hätten wir Caio in diesen drei traumverlorenen Jahren als Symbiose von Okocha und Yeboah erlebt – vor allem ich als deren ausgewiesener Oberfan! Und wie gerne würde ich mich immer noch in dem Mädchenfußballer täuschen, dem der liebe Gott alle seine Gaben in den Fuß gesteckt, aber dafür an anderen Körperteilen arg geknausert hat. Am liebsten wäre mir aber, Caio würde mich dumm aussehen lassen, indem er morgen mit einem männerhammermäßigen Traumtor das Spiel entscheidet.
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Wie bitte? Dumm aussehen könne ich sehr gut auch ohne Caio-Traumtor? Danke. Und damit zu einem ganz anderen Thema, in der Hoffnung, dass die liebste Zielgruppe wegen der bisherigen Fußballmonokultur in dieser Kolumne nicht schon gelangweilt weggedämmert ist: Gucken Sie Dschungelcamp, Castingshows oder sogar den Nachmittags-Müll? Nein? Wenigstens ab und zu »Wetten, dass«? Ja? Das ZDF trägt keine Schuld an dem schweren Unfall in der letzten Sendung, heißt es jetzt in einem Untersuchungsbericht. Technisch und juristisch sicher zu Recht. Aber warum gab es solch riskante Wetten überhaupt, von denen einige zuvor sogar deutlich gefährlicher waren als die schrecklich endende? Und warum schauen so viele zu, wenn sich Namenlose im Fernsehen produzieren, ob beim honorigen Gottschalk oder im Unterschichten-Trash? Warum stürzen sie sich ins Unglück, der eine buchstäblich, andere, indem sie sich zum Gespött machen?
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Einer gibt preis, was ihn und seinesgleichen antreibt: »Dem Ehrgeiz könnt ich alles, alles aufopfern. Schon der Gedanke, dass ich irgendwo glänzen, vor anderen mich auszeichnen könnte, beflügelt alle meine Geister so stark, dass ich wie in einem Meer von Empfindungen schwimme. Donnerwetter, ich muss einmal ein Kerl werden, drob die Welt erstaunen soll. Feuer hab ich die Erd auszubrennen. Fluch jeder Stunde, wo ich nicht ein Originalkerl war.«
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Mathieu Carriere im Dschungelcamp belauscht? Nein, Wilhelm Waiblinger vertraute es am 21. Juni 1822 seinem Tagebuch an. Waiblinger, der Hölderlins Freund wurde, als dieser schon wahnsinnig war. Ein ganz alter junger Wilder der deutschen Kultur. Seneca, ein ganz alter Meister der Weltkultur, hält dagegen: »Vermeide die Menge, vermeide ihre Schauspiele, zumal die blutigen. Trachte nicht nach dem Beifall der vielen.« Und erst dann bist du ein echter Originalkerl. Oder -kerlin.
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Ach ja: Feuer hatte Waiblinger wirklich genug. Zwar brannte er damit nicht die Erde ab, fackelte aber das Haus des Onkels seiner älteren Geliebten ab, weil der gegen diese damals skandalöse Verbindung war. Aber das ist nun wirklich ein ganz anderes Thema und hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)

Veröffentlicht von gw am 28. Januar 2011 .
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Sport-Stammtisch

Als Nerlinger van Gaal rüffelte (was sein hierarchisches Recht ist, aber bei der physisch wie psychisch unterschiedlichen Statur der beiden auch sehr mutig), fügte er einen verräterischen Satz hinzu, der in ähnlichen Zusammenhängen oft zu hören oder zu lesen ist: Wenn einem etwas nicht gefalle, solle man dies intern ansprechen und nicht in der Öffentlichkeit. Verräterisch, weil derjenige, der scheinbar treuherzig auf Vertraulichkeit pocht, diese ebenfalls nicht intern, sondern in der Öffentlichkeit fordert und gleichzeitig Dinge, die ihm nicht gefallen, selbst öffentlich anspricht (hier: Rüffel).
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In internen Auseinandersetzungen bleibt die taktische Einbeziehung der Öffentlichkeit nun mal die schärfste Waffe der Streitenden. Solche scharfen Waffen sind aber bekanntlich zweischneidig, denn wer die Öffentlichkeit in sein taktisches Kalkül einbezieht, will sie oft nur für dumm verkaufen, steht aber schnell selbst dumm da, wenn er durchschaut wird.
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Zum Beispiel die Krokodilstränen der Bundesliga-Klubs, wenn Stars wie Gustavo, Ba oder van Nistelrooy »frech Verträge brechen« wollen. Da wird in der Öffentlichkeit auf die »Gier-Profis« geschimpft und über schwindende Identifikation mit dem Verein geklagt, angeprangert wird die »Söldner-Mentalität« der »Millionäre in kurzen Hosen« und was es sonst noch an heuchlerischen Binsen gibt, die öffentlich immer gut ankommen, weil mit ihnen so schön sublimiert werden kann.
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Sublimierung: Selbstgerechte Überhöhung. Oder frei nach Freud: Übertragung biologischer Triebregungen (Häme, Neid) in geistig bestimmte Verhaltensweisen (scheinbar intellektuell und moralisch begründete Negativ-Kritik). Umgangssprachlich: Andere runterziehen, um sich selbst hochzuziehen. Hier: Van Nistelrooy, der freche Gier-Profi. Aber wer würde nicht, wäre er in van Nistelrooys Lage, zu Real wollen, Vertrag hin, Vertrag her? Zumal es fast nur noch Verträge gibt, die gebrochen werden. In der Regel durch die Klubs. Denn seit 1995, seit dem Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes, dass Fußball-Profis nach Ablauf ihres Vertrags ablösefrei wechseln können, schließen die Klubs in verständlicher Notwehr Verträge mit wichtigen Spielern beinahe ausschließlich in Hinblick auf gewollten Vertragsbruch ab, denn nur dann fließen Ablösesummen in die Kassen der Vereine.
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Ähnliches Thema, bei dem die Öffentlichkeit ebenfalls für dumm verkauft werden soll: Die 36 deutschen Profiklubs haben, so die DFL, im vergangenen Geschäftsjahr trotz Rekordumsatzes rote Zahlen geschrieben. Nun könnte man durchaus auch am Beispiel Bundesliga einmal über den Fetisch »Umsatzsteigerung« nachdenken. Dass die DFL das nicht macht, ist nachvollziehbar – denn wer tut das schon? Sie denkt lieber, ebenfalls wie fast alle, über weitere Umsatzsteigerungen nach: Der Spieldaten-Verkauf für die Saison 2011/2012 sei auf große Resonanz gestoßen, heißt es, 24 Unternehmen hätten sich schon registrieren lassen.
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Spieldaten? Wichtigstes Ziel sei die »Vereinheitlichung und Steigerung der Qualität hochwertiger, einheitlicher und teilweise bisher nicht erfasster Spieldaten«, das soll die »Grundlage für innovative Medienprodukte« schaffen. Vor allem auch soll »Sportwettanbietern die Nutzung offiziell verifizierter Spieldaten ermöglicht werden«. Aha! Das ist es also! Spieldaten-Verkauf für exzessives Zocken: Wie viele Eckbälle gibt es in der ersten Viertelstunde, wann den ersten Freistoß, wie viele rothaarige Spieler stehen in der Anfangself – ein weites Feld für Zocker, Wettanbieter. Und für gewisse Fußballer.
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Noch mal zu den Verträgen. Sammers Vertrag mit dem DFB läuft weiter, aber auch die (vorläufige) Einhaltung von Verträgen muss nicht frei von Heuchel-Faktoren sein. Warum geht Sammer nicht zum HSV, sondern bleibt beim DFB (wer grinst da? Ah, Uli Hoeneß!)? Sammers öffentliches Bekenntnis: »Ich war vielleicht einer anderen Konstellation erlegen. Ich war vielleicht bereit für eine neue Liebe.« Aber dann die zu Herzen gehende Erkenntnis: »Ich habe neben meiner privaten großen Liebe zu meiner Frau auch jetzt eine Liebe: der Deutsche Fußball-Bund.« – Dr. Erika Fuchs, die geniale Übersetzerin der Donald-Duck-Comics und deutsche Sprachschöpferin, würde jetzt, lebte sie noch, einige ihrer lautmalerischen Kreationen in die Comic-Blase schreiben: »Würg, Keuch, Spotz.«
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Was würde Matthias Beltz zu Sammer sagen? Wohl das, was er schon einmal gesagt hat, hier bei uns, in einer der unvergessenen Jahresendzeitkolumnen mit Matthias Altenburg (»Jan Seghers«). Aber machen wir’s mal wie »Tagesschau« und »heute-journal«: Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Internet-Seite unter www.anstoss-gw.de. (gw)

Veröffentlicht von gw am 26. Januar 2011 .
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Ohne weitere Worte

»Seit dem ersten Augenblick, als Louis van Gaal kam, fing alles an zu stinken.« (Martin Demichelis im Gespräch mit dem spanischen Dienst von dpa)
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Gibt es bei Freiburger Heimspielen ein besonderes Angebot, was Essen und Trinken betrifft? – »Natürlich, wir wollen Konkurrenz schon bei der Stadionwurst.« (SC-Präsident Fritz Keller im FAS-Interview)
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»Es kann nicht sein, dass man bei uns an 20 von 34 Spieltagen frieren muss.« (Rudi Völler in BamS zur Spielplan-Diskussion)
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Welche Teile des Gehirns übernehmen die Regie, wenn Özil aufs Tor schießt? – »Von hirngeschädigten Patienten wissen wir, dass an der Motorik weite Teile der Großhirnrinde beteiligt sind. (…)« – Wo also wird der fußballerische Geniestreich entworfen? – »Im Großhirn. Es ist die ganz edle Instanz, die idealistische Bewegungsabläufe plant, also die geniale Fußbewegung, die den tödlichen Pass ermöglicht. Der Nachteil ist seine große Schlampigkeit: Das Großhirn interessiert sich nicht so für die exakte Umsetzung.« (der Hirnforscher Hans-Peter Thier im Zeit-Interview)
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Malchow (Anm.: Helge, Verleger und Chef von Kiepenheuer & Witsch): »Wenn man in Köln zum FC geht, sagt der Stadionsprecher: Willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands. Am Anfang dachte ich, das sei Ironie. Aber das glauben die Leute wirklich.« – Schönenborn (Anm.: Jörg, WDR-Chefredakteur): »Weil sie nie über Dormagen hinausgekommen sind.« (aus einem SZ-Magazin-Gespräch in einer Kölner Kneipe mit 13 prominenten Gästen)
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Till Backhaus, 51, Agrarminister Mecklenburg-Vorpommern, hat sich auf einer Hengstparade heftig verliebt. Dort lernte der zweifach geschiedene SPD-Mann Ivonne Menzel, 28, kennen, eine Zahnärztin aus Rostock und mehrfache Schönheitskönigin. (…) Sie wurde unter anderem Landesrapsblütenkönigin. (SZ)
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Haben Sie sich in den fünf Jahren Ihrer Kanzlerschaft verändert? – »(…) Wenn man auf Fünf-Jahres-Perioden des eigenen Lebens schaut, dann hat man sich doch immer verändert – zwischen null und fünf Jahren wohl am deutlichsten.« (Angela Merkel im Stern-Interview)
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Nach zähem Ringen, in dessen Verlauf die Liberalen sogar die Luft aus Schäubles linkem Rollstuhlreifen gelassen haben sollen, gab der Finanzminister endlich nach. (…) Jeder Arbeitnehmer hat ab sofort pro Jahr 36 Euro mehr zur Verfügung. (…) Bei Ferrari schnellten die Vorbestellungen sprunghaft in die Höhe, in mehreren Juweliergeschäften waren Diamenten aus. (…) Außerdem gaben mehrere Arbeitnehmer Übernahmeangebote für Irland, Portugal und Griechenland ab. Vor der Parteizentrale der FDP (…) wurden sogar »Santo Subito«-Rufe gehört.
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Bernard Charles Ecclestone, 160 Zentimeter groß und Sohn eines Fischers, hat schon viele Krisen und Skandale erlebt, viele Angriffe auf seine Geldmaschine Formel 1, aber am Ende hat er immer gewonnen. »Jedes Mal, wenn sie denken, die hätten mich an den Eiern, stellen sie fest, dass ihre Hände dafür nicht groß genug sind«, sagte er einmal. (Süddeutsche Zeitung) (gw)

Veröffentlicht von gw am 24. Januar 2011 .
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