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Rund um die Bonner Republik (Jochen Schimmang: “Das Beste, was wir hatten”)

Wie schön, wenn ein anspruchsvoller Roman nicht so betont schwergewichtig und – füßig daherkommt, sondern den Leser gleich zu Beginn fesselt und ihn zwei Lese-Stunden lang in seinem Bann hält. Dann aber haben Autor Jochen Schimmang und mit ihm seine Leser leichte Schwierigkeiten mit dem etwas zu papieren konstruierten Plot: Zwei alte Freunde aus bewegten Berliner Studentenjahren haben Karriere gemacht, Gregor als Berater eines Ministers, Leo als Verfassungsschützer. Dem einen wird eine alte Liebe zum Verhängnis – sie wird als Stasi-Mitarbeiterin auf ihn angesetzt. Der andere versucht, einen alten Freund zu decken, der einen Anschlag auf das Germania-Denkmal plant. Der Freund muss dennoch ins Gefängnis, und als Gregor und Leo dann zu spektakulärer Befreiungs-Tat schreiten, wird klar, dass die Bonner Republik ihre Welt war und die Berliner Republik diese nie werden kann.
Nicht ganz überzeugend, mit etwas zuviel Befindlichkeitsgewese einer kleinen, feinen, Bevölkerungsschicht, die – man scheut sich, das durchgenudelte Stichwort »68« einzustreuen – durch die Institutionen nicht marschiert, sondern eher spaziert ist. Unter dem Strich ist der Roman von Jochen Schimmang (Jahrgang 1948, Politik-Student an der FU Berlin, Hochschullehrer …) zwar ein Stück Rechtfertigungs-Prosa (vor sich und der Welt), aber dennoch auch eines der gelungeneren Werke, in denen der Bonner Republik ein Denkmal gesetzt wird. Es muss ja nicht unbedingt ein Germania-Denkmal sein … (gw/4.12.10)

Baumhausbeichte - Novelle