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Montagsthemen

Erst die Fußballer, dann der Tennisspieler, jetzt der Radfahrer – die Spanier gewinnen einfach alles, und langsam wundern sich zweifelnd auch die zuvor bewundernd Staunenden. Anderswo beginnen die Diskussionen, aber bei uns enden sie, denn wir wollen die Leser nicht mit endlosen Wiederholungen langweilen.

Warum gab es bei der Tour 2010 (vorerst) keinen Dopingfall? Vermutung: Aus dem gleichen Grund, warum es in Wimbledon und bei der Formel 1 so »sauber« zugeht. »CC«, und du hast den Tiger im Tank.

Das Additiv »clever control« vertiefen wir nicht, wg. Wiederholungsgefahr, auch das Ziegenproblem, am Samstag wegen neuer Interpretationen noch einmal thematisiert, bleibt heute außen vor, zumal es mathematisch nichts Neues gibt. Meine Laien-Vermutung, dass der Moderator, ob er will oder nicht, durch sein Türöffnen die Versuchsanordnung zugunsten des Wechsels ändert, sei jedenfalls richtig, versichern fachkundige Leser.

Obwohl WM, Wimbledon und Tour vorbei sind, macht der Sport keine Pause. Mit Leichtathletik geht’s weiter, und dann beginnt schon wieder der Bundesligafußball, in dem zur Zeit noch trainiert und getestspielt wird. Letzteres bleibt im Gegensatz zum buchstäblich fundamental wichtigen Aufbau intern nur Anhaltspunkt für Trainer und Spieler. Ergebnisse spielen im Blick auf die Saison keine Rolle, höchstens eine negative, wenn man sie überinterpretiert. Gilt auch in besonderem Maß für die Frankfurter Eintracht, in deren Umfeld gerne überinterpretiert wird. Doch ob Real (vor der vorletzten Saison) oder Chelsea (vor der nächsten), Hauptsache Bundesliga, würde Andi Möller sagen. Und Bruno Labbadia (was macht der eigentlich?) würde ergänzen: Das darf man alles nicht hoch … nee, den alten Witz verkneif ich mir.

Zunächst also Leichtathletik: Am 7. und 8. August WM in Karpfenberg. Sehr zu empfehlen, es sind noch Plätze frei, wie überhaupt diese Sportart nicht unter übergroßem Publikumsinteresse leidet. Schauen Sie nur mal auf Youtube den geglückten Weltrekordversuch der deutschen Sprint-Männerstaffel an – das Video ist auch zuschauerlos toll. Als würde es rückwärts abgespielt.

Ach so, ja: Es handelt sich um die WM im Rückwärtslaufen. Zur Pressekonferenz sind »alle JournalistInnen und Medienvertreter herzlich eingeladen«, eine fast korrekte Formulierung – aber wo bleiben MedienvertreterInnen?

Den Weltrekordler (und Mitveranstalter) Roland Wegner (31,56 über 200 und 13,6 Sekunden über 100 Meter) haben wir an dieser Stelle schon gebührend gewürdigt. Zur Erinnerung die wichtigste Regel beim Retro-Running: Die Zehen müssen immer in die entgegengesetzte Laufrichtung zeigen. Ansonsten gelten die Vorschriften aus der Leichtathletik, mit einer Ausnahme: Rückspiegel sind erlaubt (wirklich!).

Sehr schön auch die Antwort, die Wegner allen Spöttern des Rückwärtslaufens gibt: »Beim Schwimmen beschwert sich ja auch keiner über die Rückenschwimmer.« Und spanisch kommen uns die Leistungen ebenfalls nicht vor, denn: »Würden Rückwärtsläufer dopen, wären sie vorwärts doch so gut, um an der Olympiade teilnehmen zu können« (Wegner).

Oder diese Woche an den Europameisterschaften in Barcelona. Unter den TeilnehmerInnen: Merlene Ottey, die in der slowenischen Sprintstaffel läuft, immer noch deutlich schneller als die Retro-Runner. Ich staune, wenn ich ihr Alter sehe (50!) … und in der Erinnerung krame: 1999, auf dem Weg zur WM nach Sevilla, Zwischenlandung in Barcelona, HR-Mann Werner Damm schlendert vorbei, lässt die Bemerkung fallen: »Schon gehört? Ottey gedopt.« Elf Jahre später. Sie läuft und läuft und läuft.

Ottey macht uns nicht die Steffi. Diese, neun Jahre jünger, würde gerne Skateboard fahren, hat’s sogar probiert, aber danach resigniert gedacht: »O.k., ich muss es sein lassen in meinem Alter.«

Alter. Das Stichwort, um als MedienvertreterIn meine liebste Zielgruppe mit dieser leider allzu sportlastigen Sportkolumne zu versöhnen. Klaus Lemke, Filmregisseur, fast 70 und ewiger Rocker, erhält heute den Filmpreis der Stadt München, und die Seite 3 der Süddeutschen Zeitung, die Lemke eine Hommage widmet, erhält den Neid-Preis der Montagsthemen, denn sie fasst »Lemkes Mädchen- und Jungs-Universum« so zusammen: »Tolle Mädchen mit romantischen Hummeln im Hirn zerstören rührende Jungs, die von einem eigenen Hirn gewissermaßen nur träumen können«. Sehr, sehr hübsch formuliert – aber doch ein ganz anderes Thema, das mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun hat. (gw)

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Mittelhessenkrimi von gw