Archiv für den 9. Juli 2010
Glossa – ein WM-Tagebuch (31./Das alte Leiden)
Hauptsache, alle haben uns jetzt ganz doll lieb. Noch immer freuen wir uns über die doppelte Offenbarung (England/Argentinien), die der Welt die Augen geöffnet hat, wir sonnen uns gerne in den erstaunt-bewundernden Blicken und genießen die herzlichen Sympathiekundgebungen, geben sogar gerne zu, dass Spanien einfach besser war, denn wir wollen auch ganz doll gute Verlierer sein – aber in manch einem, der nur den Fußball sieht (und um den geht es bei einer Fußball-WM, glaube ich), nagt und grummelt es: Dieses blöde alte deutsche Leiden! Diese sich selbst erfüllende Unterwerfungsbereitschaft, ähnlich jener der Engländer, die glauben, nie ein Elfmeterschießen gewinnen zu können und sie gerade durch diesen Fatalismus auch immer wieder verlieren. Und daher spielt Werder Bremen, spielt Bayern München, spielt Deutschland immer dann, wenn es gegen den FC Barcelona geht, wie eine brave, demutsstarre Schülermannschaft, die gegen ihre großen Vorbilder antreten darf, im Bewusstsein, nicht gewinnen zu können, aber dabei sein zu dürfen.
Veröffentlicht von
gw am
9. Juli 2010 .
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