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Klappentext vom 20. März

So viel Lob war selten. Beide Bücher, die wir heute vorstellen, nehmen in der subjektiven Bestenliste unserer Rezensenten jeweils einen Spitzenplatz ein. Ob »Mehr Liebe« und »Süchtig nach dem Sturm« auch in der Verkaufs-Bestenliste weit vorne landen können, muss aber bezweifelt werden. Zu undurchsichtig – und literarisch sowieso nicht nachvollziehbar – ist das Bestseller-Geschäft, und ganz nach oben schaffen es vorwiegend prominenete Nicht-Schriftsteller wie Kerkeling oder Roche.
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Der Newcomer Norman Ollestad hat immerhin bessere Chancen als der in seinen literarischen Kreisen seit Jahren topgesetzte Frank Schulz, denn für »Süchtig nach dem Sturm« ist ein wichtiges Verkaufs-Rädchen gedreht worden: Die zweitgrößte deutsche Buchhandlungs-Kette wirbt mit ihm als »Das Thalia-Buch im März«, mithin wird Ollestad in ungefähr 300 Buchhandlungen des deutschsprachigen Raumes prominent beworben und vor allem griffbereit ausgestellt – das garantiert potenzierte Verkäufe.
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Einem Schulz dagegen verhilft weder das überschwängliche Lob des Schriftsteller-Kollegen Gerhard Henschel (»So hätte Arno Schmidt geschrieben, wenn er nicht bescheuert gewesen wäre«) noch das seines schreibgewaltigen Freundes Harry Rowohlt (»Sowieso mein Lieblingsautor) oder gar unsere kleine mittelhesische Bücherseite zu sechsstelligen Verkaufszahlen.
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Apropos Mittelhessen: Sind wir Lese-Muffel? Der Chef eines Belletristik-Verlags aus Kassel wunderte sich einmal über die vergleichsweise geringe Zahl von Buchhandlungen in unserer Gegend, die Mehrzahl davon unter überregionaler Regie. Er folgerte: Die Leute hier lesen wenig, kaum Romane, und wenn, dann meist das, was ihnen vom Marketing großer deutscher Buch-Ketten durch plakative Präsentation schmackhaft gemacht wird. Hat er recht? Hoffentlich nicht.
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Dass Gerhard Henschel, als er vor wenigen Monaten in Gießen aus seinem doch so schönen »Jugendroman« las, dies vor einstelliger Zuschauerzahl tat, sei daher bedauernd nur am Rande erwähnt.
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Ständiger Trost für kleine Schreiber wie für große Schriftsteller: Von Kafkas erstem Buch (»Betrachtung«) wurden nicht einmal 800 Exemplare verkauft. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle