Anstoß: “Keeper” – ein (nicht nur) Jugendbuch
»Für meine Kinder und andere Fans« hat der Engländer Mal Peet seinen »Keeper« geschrieben (Carlsen - 7,20 Euro - ISBN 978-3-551-35698-79). Der Roman (nicht nur) für Jugendliche wurde 2007 für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert, bekommt nun aber durch diverse Pannen junger deutscher Nationaltorhüter (Adler, Neuer) einen aktuellen Bezug, zumal auch gestandene Größen wie der alte Grantler Lehmann und der alte Schweiger Butt Unsicherheiten zeigen, die den – verdienten/unverdienten? – Ruf deutscher Torhüter nicht gerade bestätigen.
Sowieso ist der weltbeste Torhüter kein Deutscher. Jedenfalls nicht bei Mal Peet. Bei ihm heißt er »El Gato«, die Katze, die der Ex-Bundesligakeeper Richard Golz nach der Lektüre des Buches als »den echten, den wahren Titan« anerkennt. »El Gato« erzählt einem Journalisten in einer langen Nacht die erstaunliche Geschichte seiner Karriere, seiner Herkunft aus einer Holzfällersiedlung mitten im Urwald, seinem Aufstieg und von einem geheimnisvollen Keeper, dem »El Gato« alles verdankt.
Sofort setzte sich Faustino vor das kleine Mikrofon und sprach hinein. »Test, Test. Datum zweiter August. Band eins. Interview: Paul Faustino von La Nacion im Gespräch mit dem größten Torhüter der Weltgeschichte, dem Mann, der vor zwei Tagen vor achtzigtausend Fans und zweihundertzwanzig Millionen Fernsehzuschauern den Weltmeisterschaftspokal in Händen hielt.«
Zweihundert Seiten später schildert »El Gato« die entscheidenden Szenen im Elfmeterschießen des WM-Finales. Gegner, und jetzt müssen wir gaanz stark sein: Deutschland.
Es war der deutsche Innenverteidiger Christian Klarsfeldt, der durch ein fürchterliches Sperrfeuer aus Gebrüll und Gepfeif und Gesängen und Geheul zum Elfmeterpunkt schritt.
Haben »wir« eigentlich schon mal ein wichtiges Elfmeterschießen verloren? Wie arrogant stolzierte Andras Möller damals vom Platz? Und Klarsfeldt?
»Schau dir das an – er legt den Ball mit dem Rücken zum Tor auf den Punkt.« »Ja, genau«, sagte Faustino. »Das ist ja eigenartig. was soll das denn bedeuten?« »Er will mir seinen Hintern zeigen, indem er sich bückt, um den Ball hinzulegen. es ist ein Jux, eine Beleidigung.«
Hochmut! Kommt vor dem Fall! Klarsfeldt läuft an, El Gato scheint sich in die falsche Ecke zu orientieren …
… und Gato, der katapultiert sich mit dem falschen Bein, dem linken, in die Flugbahn des Balls. Das sieht erst unbeholfen aus, dann aber schön. Der Mann fliegt. Gatos linker Arm ist oben; es sieht aus, als könnte er sich an der Latte festhalten und daran schaukeln. Sein rechter Arm streckt sich; seine riesige Hand öffnet sich und lenkt den Ball über die Latte.
Aus, aus, aus, das Spiel ist aus. Dieses Finale verliert Deutschland. In Peets Fiction. Das nächste WM-Finale, ach, nicht einmal das nächste Elfmeterschießen, werden »wir« in der 2010-Realität erst gar nicht erreichen – es sei denn, ein Adler (oder Neuer; oder doch Wiese?) mausert sich noch zum deutschen »El Gato«. (gw)
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