Archiv für März 2010
Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 31. März 2010
Liebes Eintracht-Tagebuch,
heute möchte ich Dir mal wieder eine kleine Geschichte von meiner Großmutter mütterlicherseits erzählen. Ich weiß, das Du schon ein paar kennst, aber sie war einfach auch klasse! Das, was man eine im Leben stehende, kompetente Person nennt, eine kleine Frau mit großem Humor. Und nie um eine Lösung verlegen. Einmal hatte sie z. B. eine ihrer besten Freundinnen, Margot, zum Kaffee eingeladen. Und während sie da saßen, fleißig Kuchen in sich hineinschaufelten und literweise ihr schwarzes “Muntermachestöffsche« tranken, schaute sich die Freundin plötzlich um und meinte: »Mia, Du musst hier echt ma was mache! Sieht alles e bissi fertisch aus! Dass Du des net selber merkst…!« Unsicher musterte meine Oma ihr kleines altes Wohnzimmer, um dann zuzugeben, dass sie schon lange nichts mehr in dieser Richtung unternommen hatte. Eine fachgerechte Renovierung kam aber schon aus Kostengründen nicht infrage, und für größere handwerkliche Aktivitäten war sie definitiv nicht mehr fit genug…
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Henni Nachtsheim am
31. März 2010 .
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Ohne weitere Worte
»Ketchup! Ständig Ketchup auf jedem Essen. Es wundert mich, dass es die Engländer nicht auch noch trinken.« (Thierry Henry auf die Frage, was er aus seiner Zeit beim FC Arsenal am allerwenigsten vermisst/zitiert im Kicker)
Die simple Devise mancher Trainer lautet, immer ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Das Problem ist, dass der Gegner unter Umständen dasselbe Ziel anstrebt. (SZ-»Streiflicht«)
Klaus Wowereit sieht entspannt aus, locker, womöglich versteht er die Lage Griechenlands sowieso am besten. Berlin ist, finanziell und ökonomisch gesehen, ja so etwas wie der Grieche Deutschlands. (Der Spiegel)
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gw am
29. März 2010 .
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Montagsthemen
Kürzlich wurde ein Architekt entlassen, weil er zu sehr müffelte (wirklich!). Das riecht nach Schikane, dem deodorell beglaubigten Nichtmüffler stinkt’s, er klagt, denn das Gerüchle kommt, wenn überhaupt, nur in der Berufsbezeichnung vor, und hier allenfalls für gnadenloseste Kalauerer, und wenn jetzt wohlbekannte Düfte ahnungsvoll diese Kolumne streifen, sind’s nicht die des Architekten, auch nicht die des trotz Mörike zurückzuckenden Frühlings, sondern solche, die von Eigenlob ausgemüffelt werden. Achtung, jetzt stinkt’s: »Fitness schießt Tore, denn körperliche Topform macht auch den Geist fit, kreativ und zupackend, während ihn schlampiges Training schlampig macht, zum Beispiel bei der Chancenauswertung. Kuranyi wird zur Nagelprobe meiner Behauptung: Wetten, dass er in dieser Saison für Schalke so viele Tore schießt wie noch nie?« – Wer hat das behauptet (nicht Frühling war’s, in dem es nun alle wissen, sondern Herbst)? Ach, wie gut, dass jeder weiß, dass ich Besserwisser »gw« heiß!
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gw am
28. März 2010 .
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Nutze den Tag! Geh’ surfen! (”Süchtig nach dem Sturm” von Norman Ollestad
Memento moriendum esse – Bedenke, dass du sterblich bist. Treffender kann man die Lebensgeschichte von Norman Ollestad, die er in »Süchtig nach dem Sturm« niedergeschrieben hat, wohl kaum beschreiben. Sowohl wörtlich genommen (überlebt er doch nur knapp einen Flugzeugabsturz), als auch im übertragenen Sinne. Carpe Diem! Nutze den Tag! Geh’ surfen!
Die 70er Jahre im Süden Kaliforniens. Norman Ollestad lebt mit seiner Mutter und deren Freund Nick in Miami, genauer gesagt am Topanga Beach in einem Strandhaus. Mit Nick kommt Norman nicht besonders gut klar. Und die Mutter stellt sich immer seltener auf Normans Seite. Zum Glück hat er noch Sunny, seinen Hund.
Normans Leben besteht aus Surfen. Surfen, Skateboarden, Skifahren und Eishockey.
Im Grunde das typische Leben eines kalifornischen Kindes. Wäre da nicht der Vater, Big Norm. Big Norm ist ein Held am Topanga Beach. Er ist Surfer, Hippie, ehemaliger CIA-Agent und vor allem: ein Freigeist. Sein Leben beruht auf der Maxime, das Beste aus dem Dasein zu pressen, was es zu bieten hat. Und er fordert von Boy Wonder, wie er seinen Sohn gerne nennt, es ihm gleich zu tun. So schickt er ihn im zarten Alter von vier Jahren auf Skiern »schwarze« Pisten hinunter und drängt ihn mit elf, mörderische Wellen an der Küste vor Mexiko zu surfen. Mit dem einen Ziel: Erkenne die Schönheit der Natur, genieße das Leben, Nutze den Tag! Für Norman eine harte Schule, wünscht er sich doch nur allzu oft, ein Leben wie die anderen Kinder zu führen. Mit Schokoriegeln, Fernsehen und co.
Genau diese Schule, durch die der Vater den Sohn schickte, rettet ihm am Ende das Leben. Nach einem Eishockeyspiel setzen sich Norman, der Vater und dessen Freundin in eine kleine Cessna, um rechtzeitig bei der Siegerehrung des Skirennens zu sein, bei dem Norman erstmals den ersten Platz erreichte. Bei heftigem Schneetreiben und schlechter Sicht kracht die Maschine in den 2650 m hohen Ontario Peak. Nur Norman überlebt nach einer Tortur durch Schnee und Eis, gegen Kälte, Hunger – und mit der Gewissheit, dass der geliebte Vater tot ist.
Ollestad musste erst erwachsen werden, um die Dinge klarer zu sehen: Dass Nick im Grunde ein ebenso guter Vater sein wollte wie Big Norm. Dass er sich als Heranwachsender wie ein Idiot verhalten hat. Und vor allem: Dass er, inzwischen selbst Vater, dem eigenen Sohn ein ähnlicher Vater ist, wie Big Norm es war.
Ollestad schildert seine Jugend in sich abwechselnden Kapiteln: Die aufregende Vater-Sohn-Beziehung auf der einen, die detaillierte Wiedergabe des Flugzeugabsturzes und der mörderische Überlebenskampf ins Tal auf der anderen Seite.
Das Buch ist eine Hommage an das freie und wilde Kalifornien der 70er Jahre, dessen facettenreiche Natur mit erbarmungslosen Wellen zum Surfen und steilen Bergen zum Skifahren aufwartet. Und an einen einzigartigen Vater.
»Mein Vater sehnte sich nach schwerelosem Gleiten. Er jagte Hurricans und Schneestürmen hinterher, um die Seligkeit zu spüren, mächtige Wellen zu reiten oder tiefen Pulverschnee zu durchpflügen. Er war ein unersättlicher Geist, er war süchtig nach dem Sturm. Und das rettete mir das Leben.«
Es rettete ihm das Leben, da der Vater ihn im Sport immer an die Grenzen führte. Das half ihm in dem Moment, als er vom Leben genötigt wurde, über die Grenzen hinaus zu gehen. Um zu überleben.
Die Aufmerksamkeit, die das Buch momentan in der deutschen Buchlandschaft erfährt, ist berechtigt. Nicht, dass es besonders poetisch geschrieben ist. Vielmehr wird die Geschichte so mitreißend, so bildhaft geschildert, dass man fast das Gefühl hat, einen Film zu lesen.
»Süchtig nach dem Sturm« ist die Chronik einer außergewöhnlichen Jugend und die Erinnerung an einen Vater, wie er für Norman Ollestad besser kaum gewesen sein könnte.
Christoph Hoffmann
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gw am
19. März 2010 .
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Klappentext vom 20. März
So viel Lob war selten. Beide Bücher, die wir heute vorstellen, nehmen in der subjektiven Bestenliste unserer Rezensenten jeweils einen Spitzenplatz ein. Ob »Mehr Liebe« und »Süchtig nach dem Sturm« auch in der Verkaufs-Bestenliste weit vorne landen können, muss aber bezweifelt werden. Zu undurchsichtig – und literarisch sowieso nicht nachvollziehbar – ist das Bestseller-Geschäft, und ganz nach oben schaffen es vorwiegend prominenete Nicht-Schriftsteller wie Kerkeling oder Roche.
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Der Newcomer Norman Ollestad hat immerhin bessere Chancen als der in seinen literarischen Kreisen seit Jahren topgesetzte Frank Schulz, denn für »Süchtig nach dem Sturm« ist ein wichtiges Verkaufs-Rädchen gedreht worden: Die zweitgrößte deutsche Buchhandlungs-Kette wirbt mit ihm als »Das Thalia-Buch im März«, mithin wird Ollestad in ungefähr 300 Buchhandlungen des deutschsprachigen Raumes prominent beworben und vor allem griffbereit ausgestellt – das garantiert potenzierte Verkäufe.
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Einem Schulz dagegen verhilft weder das überschwängliche Lob des Schriftsteller-Kollegen Gerhard Henschel (»So hätte Arno Schmidt geschrieben, wenn er nicht bescheuert gewesen wäre«) noch das seines schreibgewaltigen Freundes Harry Rowohlt (»Sowieso mein Lieblingsautor) oder gar unsere kleine mittelhesische Bücherseite zu sechsstelligen Verkaufszahlen.
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Apropos Mittelhessen: Sind wir Lese-Muffel? Der Chef eines Belletristik-Verlags aus Kassel wunderte sich einmal über die vergleichsweise geringe Zahl von Buchhandlungen in unserer Gegend, die Mehrzahl davon unter überregionaler Regie. Er folgerte: Die Leute hier lesen wenig, kaum Romane, und wenn, dann meist das, was ihnen vom Marketing großer deutscher Buch-Ketten durch plakative Präsentation schmackhaft gemacht wird. Hat er recht? Hoffentlich nicht.
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Dass Gerhard Henschel, als er vor wenigen Monaten in Gießen aus seinem doch so schönen »Jugendroman« las, dies vor einstelliger Zuschauerzahl tat, sei daher bedauernd nur am Rande erwähnt.
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Ständiger Trost für kleine Schreiber wie für große Schriftsteller: Von Kafkas erstem Buch (»Betrachtung«) wurden nicht einmal 800 Exemplare verkauft. (gw)
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gw am
19. März 2010 .
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