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Montagsthemen

Wenn es einen Medaillenspiegel für die besten Spiele aller Zeiten gäbe und Samaranch noch das IOC regierte, stünde Vancouver auf Platz eins – zusammen mit allen anderen. Denn Samaranch sprach nach jedem Olympia vom besten aller Zeiten. Nachfolger Rogge hebt sich nicht nur in diesem Detail angenehm von seinem Vorgänger ab: »Ich würde niemals sagen, das waren die besten Spiele überhaupt.« Die wievielt besten Spiele waren es also? In Medaillenspiegel-Sprache: Vancouver steht im Mittelfeld, mit etwas Gold, aber mehr Silber und Bronze.

Was bleibt haften? Der Tod beim Rodeln, die Stürze in der Bobbahn, der Wutausbruch des irregeleiteten holländischen Eisschnelllauf-Stars, die starken deutschen Frauen, der Bauchplatscher von Anni Friesinger?

Oder die kanadische Eiskunstläuferin, die nach dem Tod der Mutter Bronze gewinnt? Die Medien machten daraus eine rührende Herz-Schmerz-Story, nach dem üblichen Muster, das kurze Rührung und schnelles Vergessen bewirkt. Haften bleibt aber der ehrliche Satz von Joannie Rochette über ihre tote Eislaufmutter, unter Tränen: »Sometimes she was a pain in the ass.«

Was bleibt? Das Lächeln der Magdalena Neuner.
Und damit zum Fußball. Der Sport-Informationsdienst (sid) meldet: »Hoeneß will Neuner zu Bayern lotsen.« Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldet: »Bayern hat Werben um Neuer eingestellt.« Ein Widerspruch nur für allzu schnelle Leser – welche Unterschiede ein kleines »n« bewirken kann!

Hoeneß’ Angebot, die Biathletin könne nach ihrer Karriere gerne beim FC Bayern beruflich einsteigen, und sein treuherziges Beteuern, kein Interesse am Schalker Torwart zu haben – beide Meldungen haben keinerlei nachrichtlichen Nutzwert, es sei denn, man vertauscht wieder das »n«: Nie wird Neuner bei Bayern in die Lehre gehen, bald wird Neuer bei Bayer im Tor stehen. Wetten, dass?!

Die Nationaltorhüter, auch Neuer, griffen zuletzt vermehrt daneben. Wer am Mittwoch gegen Argentinien im Tor steht, hat laut Löw die besten WM-Karten. Wiese also nicht, denn er ist verletzt. Pech für ihn, denn im Vergleich mit Neuer und Adler hat er aufgeholt. Unschlagbar ist er sowieso – in der Rubrik Selbstwertgefühl. Die beiden Leverkusener Tore, bei denen er nicht gut aussah, kommentierte er am vorletzten Spieltag, von des Gedankens Zagigkeit nicht angekränkelt: »Wenn ICH die nicht halte, dann weiß ich nicht, wer sonst.«

Wer ist der Beste, Adler, Neuer oder Wiese? Müller! Laut »Kicker«-Saisonstatistik. Die macht auch deutlich, welch ein Juwel der junge Özil ist: Obwohl ihm Formschwäche nachgesagt wurde (aus Bremer Kalkül, der Vertragsverlängerung wegen?), führt nicht Kießling die wahre Torschützenliste an, sondern Özil mit sieben Treffern und phänomenalen 13 »Assists«.

Dem Jungen würde man gerne die Hand drücken und sagen: Weiter so! Gilt nicht für einen gewissen Politiker, denn das kostet fünfstellige Euro-Beträge. Ein anderer macht’s preiswerter, für 3900 Euro wird man in einer seiner Reden namentlich erwähnt. Seltsam: Man muss das Geld zahlen, um Händedruck oder namentliche Erwähnung zu bekommen und nicht etwa, um davon verschont zu bleiben.

Lieb und teuer wäre mir nur das Lächeln der Magdalena Neuner, ihr Händedruck und ihre namentliche Erwähnung von: (gw)

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Mittelhessenkrimi von gw