Anstoß (Zwischenspiele)
Dass Thomas Bach, der starke Mann im IOC, dafür sorgen will, dass die deutsche Vormachtstellung in Sotschi 2014 mit der Einführung von Rodel-Staffel und Biathlon-Mixed weiter ausgebaut wird, ist keine Erfindung von medaillenfetischismusphoben Spöttern, spielt aber heute keine Rolle, denn wir pausieren in dieser Kolumne von all dem olympischen Wintersport.
Obwohl man Fußball durchaus ins Winter-Programm integrieren könnte, zum Beispiel als Eishockey mit Ball, aber ohne Puck und Schläger. Oder als Dribbel-Staffel in der Loipe. Aber wir wollen Bach nicht auf schlechte Ideen bringen, denn damit würden wir unser Medaillen-Potenzial nicht unbedingt vergrößern.
Fußball also. Und wieder einmal ein »lupenreiner Hattrick«, diesmal von Cacau. Aber wir lassen uns nicht durch den Kakao ziehen, denn ein lupenreiner Hattrick ist ein weißer Schimmel. Ein lupenreiner Demokrat dagegen ist kein weißer Schimmel, sondern eine Chimäre, jedenfalls in der entmythologisierten Definition meines guten alten Freundes Brockhaus: »Unbestimmtes Phantasiegebilde.«
Und nun zu keinem ganz anderen Thema: Unser wunderbarer hessischer Justizminister hatte einst in einem wunderbar Offenen Brief Funkels Entlassung gefordert und rechtfertigt dies jetzt sehr spät und sehr wunderbar: Wenn ein »Barde« (Hei, Henni! Du bist gemeint!) Fußball kommentiere, dürfe ein Politiker das auch. Klar. Darf er. Sein selbstverständliches Recht. Wie auch das seines wunderbaren Parteifreundes, auf soziale Missstände hinzuweisen. Nur das Wie bleibt Stilfrage, vom Offenen Brief bis zu spätrömischer Dekadenz. Immer oversized. Dezenz, das unbekannte Fremdwort.
Eine Stilfrage wäre es auch, wenn wir über Populismus auf Popolismus kämen, um die Amerell-DFB-Affäre zu thematisieren. Tun wir aber nicht, zumal der strafrechtliche Belang noch nicht klar ist. »Er hat mich auf den Mund geküsst« ist jedenfalls unter Erwachsenen bei Einvernehmlichkeit unter allen drei bis fünf Geschlechtern nicht strafbewehrt. Ob und wie Amerell Schiedsrichter-Karrieren nötigend gefördert oder verhindert hat, muss noch »lupenrein« bewiesen werden – was schon ohne (homo-)sexuelle Komponente bei Förderern und Bremsern beruflicher Karrieren, die es immer und zuhauf gibt, äußerst selten gelingt und meist erst gar nicht versucht wird.
Dennoch hat die Affäre einen Nebeneffekt, über den jeder lachen kann, egal welche sexuelle Präferenz er hat. Mail eines geschätzten Lesers: »Kennen Sie den ersten vom Amerell ausgebildeten Schiedsrichter? Hier ist er: http://www.youtube.com/watch?v=fhzaYWFY9g8.« – Wer’s anklickt, hat mehr vom Lachen.
Auch das noch: Tipp-Kick wird weiblich. Damit dringt die Gender-Brigade in unsere letzte männliche Zuflucht ein. Langsam wird uns bang und bänger zumute. Auch weil wir in der SZ lesen, dass »in immer mehr deutschen Kinderzimmern die Puppenküche die Ritterburg verdrängt«, dass »Playmobil-Frauen Brüste wachsen« und schon in Bilderbüchern für Kleinkinder zwischen »Clown« und »Clownin« unterschieden wird. An anderer Stelle fragt die SZ: »Brauchen wir einen Männerbeauftragten?« Aber wie! Aber schnell!
Viel schlimmer jedoch, wie karg die eigene Kindheit war: Nie eine Ritterburg gehabt! So gerne mal mit einer Puppenküche gespielt! Und Bilderbücher? Hat man sich selbst malen müssen. Wir armen alten Kerle. (gw)

