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Klappentext (20.2.2010)

Wie wird man Romanautor? Vielleicht wie Reinhard Stöckel: »Im Lesebuch der 2. Klasse wurde die Geschichte eines dicken Faulpelzes erzählt, der mit einem lauten Knall aus dem Leben schied. Solch pädagogische Unerbittlichkeit widerstrebte mir. Ich ließ den Dicken wieder auferstehen und machte ihn, Runde für Runde auf dem Pausenhof, zur Erbauung meiner Freunde zum Helden. Die Unerbittlichen geben noch immer gute Gründe, Geschichten zu erzählen.« Und Stöckel gibt mit dem »Lavagänger« gute Gründe, seinen Roman zu lesen.

Es gibt auch viele gute Gründe, die Krimis von Reginald Hill zu lesen. Einige – mit dem kauzig-prolligen Superintendenten Andy Dalziel – haben wir hier in den letzten Jahren vorgestellt und gerühmt. Leider liegt nur etwa die Hälfte von Hills Werken in deutscher Übersetzung vor. Manches davon ist nur noch antiquarisch erhältlich, wie »Noch ein Tod in Venedig«, ein Goldmann-Taschenbuch aus dem Jahr 1981.
Das wollte ich haben! Bei Amazon bestellt, knapp 20 Euro bezahlt (Neupreis wohl um die zwei Mark) … und ein völlig zerfleddertes, fleckiges, speckiges Exemplar erhalten. Angeekelt wollte ich es mit spitzen Fingern in den Papierkorb befördern, aber da fiel der Blick auf den ersten Absatz – und der wird sofort in die persönliche Liste der schönsten Anfänge aufgenommen und war Anlass, behandschuht bis zum Ende zu lesen (und es nicht zu bereuen): »Während der Nacht weinte die dicke Frau mit der Zigeunerperücke im Nebenzimmer erneut. Sarah lag im Bett und hörte ihr voll Sorge zu, weckte aber Michael nicht, der zwei Tage vorher erklärt hatte, von allen Weckrufen auf dieser armseligen, traurigen Welt findet er das Weinen einer dicken Frau am jämmerlichsten.«

Auf den neuen »deutschen« Hill müssen wir noch ein Weilchen warten, als Krimi-Ersatz dient uns Christian Mährs »Alles Fleisch ist Gras«, auch das spät nachgereichte Perlman-Debüt »Drei Dollar« hat es in sich, aber über allen thront, nicht nur optisch auf dieser Seite, der unvergleichliche Maarten ‘t Hart. Dessen Mutter, eine christliche Fundamentalistin, las keines der Bücher ihres Sohnes, der die holländische Sektiererei in fast jedem seiner Bücher auf die Schippe nimmt. Und t‘ Harts Vater hatte schwer daran zu tragen, dass sein Sohn Biologie studierte – nur die Hoffnung, dass er Darwin widerlegen könnte, hielt ihn aufrecht! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle