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Elliot Perlman: Drei Dollar

Das nachgelieferte Debüt

Breitbeinig betrat Elliot Perlman 1998 die literarische Weltbühne, ein australischer Cowboy, der wusste, was er konnte, und auch so schrieb, dass alle wissen sollten, was er konnte. Mit seinem kraftstrotzenden Debütroman »Drei Dollar«, der erst jetzt in seiner deutschen Übersetzung vorliegt, erntete er so viel Ruhm und Geld, dass er als junger Anwalt den Beruf wechseln und Vollzeit-Schriftsteller werden konnte.
Mit seinem zweiten Roman, »Sieben Seiten der Wahrheit« (bereits 2008 bei DVA erschienen), übertraf er den Debüt-Erfolg noch und gilt seitdem als einer der Großen der australischen Gegenwartsliteratur.
Dass »Drei Dollar« schon zwölf Jahre auf dem Buchrücken hat, merkt man dem Erstling auch thematisch nicht an, denn es klingt nicht so ganz inaktuell, wenn Perlmans Protagonist Eddie, eine Art Hans im Glück, der an das Gute in der Welt glaubt, seinen Job verliert. dessen Familienleben zu implodieren droht, Zwangsversteigerung ansteht, er nur noch drei Dollar in der Tasche hat – und wir Eddie schon auf der ersten von 409 Seiten in dieser dramatischen Notlage kennenlernen.
Eddies »Ich« erzählt dem Leser seine Geschichte, dramaturgisch zusammengehalten von Amanda, seiner Kindheitsfreundin, die abschiedslos aus Eddies Leben verschwindet, als er neun Jahre alt ist, und der er danach alle neuneinhalb Jahre wieder begegnet, an Wendepunkten seines Lebens, als periodisch auftauchender Standhaftigkeitstest. Auch als Drei-Dollar-Eddie am Ende scheint, taucht sie wieder auf …
Wie es mit ihr, Eddie und seiner Frau Tanya endet, wird hier selbstverständlich nicht verraten. Aber wie Eddie seine Tanya kennenlernt, die depressive Intellektuelle, soll dem potenziellen Leser nicht vorenthalten werden, denn es verrät viel von Perlmans Ambitionen, seinem Witz und seiner Ironie: »Bei unserer ersten Begegnung bevorzugten wir noch lange Kameraeinstellungen à la Bergman, die zeigten, wie sich ein Tropfen skandinavischen Wassers widerwillig von seiner Metapher löste.«
Ein schöner Satz, ein gelungener Roman, und ein guter Grund, um gleich weiter zu lesen – in den »Sieben Seiten der Wahrheit«. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle