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Montagsthemen

Nichts ist älter als die Zeitung von gestern – mit Ausnahme der Eröffnungsfeier von vorgestern. Auch der Rodel-Tote ist offiziell shakespearig abgehakt: Der Fahrfehler war’s und nicht die Bahn. Ein (in Zahlen: 1) Blumenstrauß an der Unglücksstelle, dort auch ein paar Dutzend für das Fotoalbum in die Kamera grinsende Rodelbahn-Gaffer. Nicht ganz in die Abhakerei passt der nachdenklich unzeitgemäße Satz von Georgiens Präsident Saakaschwili zum »Fahrfehler«: »Kein sportlicher Fehler darf zum Tode führen.«

Früher schimpften wir Wessis auf die »Staatsamateure« jenseits der Zonengrenze, wo das Land, je nach unserer Befindlichkeit, Ostzone, SBZ, »DDR« oder gar untüttelig-wagemutig DDR hieß. Mittlerweile haben wir im Wintersport den Staatsamateurismus von »drüben« aber hemmungsloser abgekupfert als Helenchen ihr Romänchen, was kein Problem war, denn unter Honeckers willigen Helfern fanden sich genügend Freiwillige für den Sportaufbau West .

Drei Viertel unserer Olympioniken sind staatlich angestellte Sportprofis, vorwiegend bei der Bundeswehr, wo sie sich vier Jahre lang nicht auf ihren Afghanistan- sondern Vancouver-Einsatz vorbereitet haben, der allerdings auch nicht gänzlich ungefährlich ist (siehe Saakaschwili). Die Ausbildung der Sportsoldaten bezahlen wir mit unseren Steuern, ihre Gagen zum größten Teil – dank großzügigster öffentlich-rechtlicher Sendeerlaubnisprämien – mit unseren Fernsehgebühren, aber wir wollen nicht meckern, und damit Schluss mit dem Defätismus, denn wir stehen vor zwei Wochen der Medaillenselbstbespiegelung, in denen wir mit jedem Blick schöner werden. Und das Schönste daran: Dank unserer doppelten Sporthilfe-Zahlungen werden wir alle mehr als nur ein bisschen mitgewinnen.

Wenn nur diese Holländer nicht wären! Erst kegeln sie hinterkulissenlistig die Pechstein raus, dann heiraten sie unsere Anni, die als Mynfrou Postma nicht mehr so richtig auf die Kufen kommt, und nun schicken sie sich an, mit ihrem Ausnahme-Kramer das Eisschnelllaufen in Vancouver zu beherrschen wie den Fußball in der Bundesliga. Und das Schlimmste: Im Gegensatz zu den van Gaals, Robbens und van Nistelrooys dominieren die Kramers auf eigene Medaillen- und Titel-Rechnung.

Na ja, zu kurz gedacht. Was im Eisschnelllauf Vancouver ist, kann im Fußball Südafrika werden. Robben und van Nistelrooy tanken ja jetzt schon Form und Moral in ihrem kuscheligen Trainingslager Bundesliga auf.

Wie können wir bei der Fußball-WM bloß gegen entfesselte Holländer und Konsorten von Ronaldo- bis Messi-Land bestehen? Vielleicht sollten wir unseren abkupfernden Blick in die andere Richtung werfen, nach Westen, in jenes kleine Land, in dem nur die Tomaten und Sportler Übergröße haben. Das Erfolgsrezept des außergewöhnlichen Sven Kramer: »Ich habe mir die Eier aus der Hose gelaufen.« Dazu gehört natürlich, im Kahnschen Sinne, überhaupt welche in der Hose zu haben, was aber, das nur als Randbemerkung, nach dem Willen des schwedischen Biathleten Ferry für manchen Sportler künftig schmerzhafte Folgen haben könnte, denn er will die Strafe für Doping drastisch erhöhen, indem er »wiederholte Schläge auf die Eier« fordert, ersatzweise »von mir aus auch gerne die Todesstrafe«. Wobei solche Sprüche, aber das nun wirklich als letzte Randbemerkung dazu, oft von Sportlern kommen, die intern als verbale Galgenstricke gelten.

Eiern wir gar nicht erst herum: Selten hat sich ein Großverband in kürzester Zeit derart blamiert wie der DFB. Erst Bierhoff/Löw, jetzt Amerell/»Michi« – da behandelt ja selbst der Vatikan seine Missbrauchsfälle geschickter! Bei den Nötigungsvorwürfen gegen den zurückgetretenen Schiedsrichter-Sprecher blamiert sich erneut auch der DFB-Präsident, dem in letzter Zeit außer salbungsvollen Worten (»Fußball ist nicht alles«) recht wenig eingefallen ist. Dass Amerell zum schmuddeligen Thema jetzt auch noch die SMS des jungen Schiedsrichters »Michi« an ihn beisteuert, dazu fällt allerdings auch mir wenig ein. Wenn Sie mich deswegen oder überhaupt kritisieren, lieber Leser, dann weiß ich mir keinen anderen Rat, als den letzten Satz aus »Michis« SMS abzukupfern: »Tut mir echt weh. Komm doch ohne dich nicht klar!« (gw)

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Mittelhessenkrimi von gw