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Montagsthemen

Mentale Vorbereitung, Magdalena Neuner wiegt sich im Takt wundervoller Musik. Klassische Kleinode, Walgesänge, Wohlfühlklänge. Das makellos hübsche Jungmädchengesicht verzückt, die Augen wohlig genießend geschlossen. Dann schnallt sie die Knarre auf, hetzt in die Loipe und knallt auf die Scheiben, Symbole lebender Gegner, die der Blattschuss treffen soll.

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren. Der damalige Sportchef, Theorie-Pazifist, aber noch nicht von Altersmilde und Toleranz angekränkelt, erließ das strikte Redaktions-Edikt, nie-nie-nie ein Bild zu veröffentlichen, auf dem Sportler mit Gewehren im Anschlag zu sehen sind. Kollegen, die dagegen verstießen, wurden erschossen.

Für Fotos besonders attraktiver Sportlerinnen ohne Knarre galt das Edikt andersrum. Diese Order wurde redaktionsintern auch KW-Konstante genannt: Keine Meldung über Kati Witt ohne Foto von ihr.

Die Zeiten ändern sich. Also, Arjen Robben. Seine lange, graue Schlabberunterhose wird Kult. Sogar auf Pariser Modeschauen wird der »Long John« nicht mehr als Liebestöter diffamiert, sondern als letzter Schrei gefeiert. Aber wehe, wenn bei uns Nachkriegskindern unter der Sepplhose ein »Mählämmchen« aufblitzte, weil uns die Mutter eine zu lange Unterhose untergejubelt hatte! Diese Schmach! Nur zu steigern mit der Apokalypse, mit kurzen Hosen, aber langen Strümpfen, die mit Strumpfband an die Unterhose geklinkt wurden, beim Straßenfußball anzutreten. Wenn man daran denkt, ein halbes Jahrhundert danach, knallt noch Schamröte ins Gesicht, und der alte Bub fühlt sich wieder mutterseelenallein, jahrmillionen Lichtjahre entfernt irgendwo hinter Alpha Zentauri, scham- und angstbibbernd, am absoluten Nullpunkt von Celsius und Selbstwertgefühl.

Älter werden hat auch Vorteile. So manches Trauma ist abgeängstet (hübsches, leider vergriffenes Wort aus Grimms Wörterbuch). Auch vergisst man noch nicht alles, was man einmal gewusst hat, so dass die umgedrehten Baseballkappen bei den Australian Open rutzputz mit dem soeben gestorbenen J. D. Salinger und seinem »Fänger im Roggen« assoziiert werden können, sogar mit Walter Kempowski als erläuternder Zugabe. Dieser notierte in seinem Tagebuch von 1989 (»Alkor«), er gucke Tennis nicht mehr, seit erstmals ein Spieler mit verkehrt herum aufgesetzter Kappe auftauchte. Aber wer hat, lange vor Göllner (vergessenes Tennis-Sternchen) die Umdreh-Mode erfunden? Richtig, bei Salinger, im Fänger im Roggen, taucht erstmals die umgedrehte Baseballmütze auf. Übrigens: Wiederlesen macht Freude!

Auch an das Eisenstangenattentat 1994 gegen Nancy Kerrigan erinnern wir uns noch gut. Jetzt lesen wir, dass der Bruder der US-Eiskunstläuferin seinen und ihren Vater im Streit getötet hat – dabei galten die Kerrigans als US-Vorzeigefamilie und Attentats-Anstifterin Tonja Harding als »Eis-Hexe«. Doch diese fiel später positiv auf: Harding wiederbelebte in einem Spielsalon eine kollabierte 81-Jährige durch Mund-zu-Mund-Beatmung. Man könnte sich nun fragen, was eine 81-Jährige dort überhaupt zu suchen hatte. Doch damals hatte sich ja auch eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten von der Spielautomaten-Lobby eine Reise nach Las Vegas spendieren lassen, um vor Ort die Materie besser kennenzulernen. Nicht mehr zu recherchieren ist leider, ob eine 81-Jährige dabei war.

Mit Nancy Kerrigan noch einmal zurück zu unseren dunklen Löchern am absoluten Nullpunkt, denn die Welt ist klein, sogar das Weltall. In der Astrophysik nämlich schlägt man sich mit einem ungelösten Rätsel herum, offiziell »Nancy-Kerrigan-Problem« genannt, weil sie »why me? why now?« rief, als der gedungene Attentäter zuschlug, Ähnlich fragen sich die Kosmologen: Warum macht sich die Dunkle Energie gerade jetzt und dort bemerkbar? Ich weiß es, aber ich darf’s nicht verraten. Hab’s den Jungs versprochen, die mich damals hinter Alpha Zentauri so lieb getröstet haben. (gw)

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Mittelhessenkrimi von gw