Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 14. Januar 2010
Liebes Eintracht-Tagebuch,
auch wenn ich gerade etwas in Eile bin, muss ich Dir doch schnell was erzählen! Gestern habe ich meinen Freund »Brocken« besucht, um ihm endlich ein gutes neues Jahr zu wünschen! Du weißt schon, der, der sich diesen Namen über viele Jahre mit viel Hingabe und den entsprechenden Kalorienbomben redlich »erarbeitet« hat. Da ich ihn das letzte Mal vor Weihnachten gesehen hatte und die Feiertage ja nicht unbedingt von essenstechnischer Enthaltsamkeit geprägt sind, vermutete ich, ihn mit persönlichem Höchstgewicht anzutreffen!
Doch weit gefehlt! Schon als er mir die Tür öffnete, und ich statt seiner gewohnten Schinkenspickerbäckchen diese leicht eingefallenen Wangen sah, und ich kurz drauf bemerkte, dass das XXXL-Eintrachttrikot, das er trug, tatsächlich noch ein bisschen Platz bot, statt wie eine zweite Haut an ihm zu kleben, wusste ich… mein Freund hatte abgenommen!
»Gude Brocken, Du machst ja Diät! Find ich super!« begrüßte ich ihn gutgelaunt. »Von wesche ›Diät‹…« brummelte er miesepetrig, »ich bin im Hungerstreik!« Irritiert nahm ich auf seiner rotschwarzen Couch Platz. »Hungerstreik? Wieso das denn?« »Weil ich des alles net mehr aushalte! Dieser Konflikt macht mich auf Dauer fix und fertisch! Deswegen muss jetzt aaner ma en Zeiche setzen, sonst hört des nie uff! »Ich überlegte, was er wohl meinte. »Meinst Du Juden und Palästinenser, und dass es da immer wieder von vorn losgeht?« »Nee!« »Spanien und die ETA!« »Auch net!« »Amis und Taliban?« »Schlimmer!« »Was iss’n noch schlimmer?« Brocken schaute mich ernst an. »Skibbe und Bruchhagen!« »Was?« »Ja! die kriegen des einfach net in Griff. Immer will der aane genau des, was de annern net will! Des zermürbt mich langsam…«
»Aber Du kannst doch die inhaltliche Auseinandersetzung der Beiden nicht schlimmer einstufen als einen religiösen Krieg!« Gereizt musterte mich mein Kumpel. »Ach nee? Find ich aber schon. Des is jetzt schon es dritte Ma, dass en Spieler net kommt, auf den ich mich gefreut hab. Erst de Lincoln, dann de Gekas, der stattdessen zum todsicheren Absteiger geht, und jetzt dieser Djebbour. Des is, wie wenn am Weihnachtsabend immer wieder jemand mim Glöcksche bimmelt, man ins Wohnzimmer rennt, um dann jedes Mal festzustellen, dass schon wieder keine Geschenke unnerm Baum liegen! Ich kann de Skibbe verstehen, dass er mit Rücktritt droht. Ich pack das auch alles net mehr! Noch ein so’n Ding und ich werde Kickersfan…!« »Klar! Und Osama bin Laden wird amerikanischer Präsident! Mensch Brocken, jetzt mach mal halblang. Du musst auch Bruchhagen und die anderen im Vorstand verstehen. Da ging es um viel Geld, was die Eintracht nicht unbedingt hat. Dazu kommt, dass Lincoln und Gekas ja keine jungen Hüpfer mehr sind, und man nicht weiß, wie lange sie uns wirklich hätten weiterhelfen können. Und das Verhalten von AEK Athen bei Djebbour war einfach billligste Kiste. Da geht’s auf’m Flohmarkt in Hanau ja noch seriöser zu!« »Interessiert mich alles net! Ich sage… mer brauche noch’n Stürmer!« »Und ich sage… ja, aber nicht um jeden Preis!« Wütend fügte ich hinzu »Wenn Du übrigens hier zu Hause vor Dich hinhungerst, bekommt das draußen keiner mit. Wenn Du Aufmerksamkeit erzeugen willst, solltest Du Dich am Besten am Stadion irgendwo nackt anketten, und Dir ein Schild umhängen: ›Ich hungere für einen neuen Stürmer!‹« Trotzig schweigend starrten wir einige Minuten in entgegengesetzte Richtungen. Plötzlich huschte ein Grinsen über Brockens Gesicht. »Ich sag Dir… wenn ich des mach, ham die schneller en neuen Mann verpflichtet als mer gucke könne!« »Stimmt« antwortete ich kurz feixend.
»Aber jetzt mal im Ernst! Beide, Bruchhagen und Skibbe, sind Leute mit Ahnung und Sachverstand! Das werden die doch irgendwie auf die Reihe kriegen.« »Kann ich net wirklich beurteilen. Aber ich weiß, dass wir uns beeilen müssen! So, und jetzt zieh Deinen Mantel an!« Fragend schaute ich ihn an »Wieso? Wo willst Du denn hin?« Entschlossen schaute mir Brocken in die Augen. »Ei zum Baumarkt! Ne ordentliche Kette kaufen…!«
So war das gestern, liebes Tagebuch! Jetzt muss ich mich beeilen, denn Brocken wartet unten im Auto. …wir müssen los! Zum Stadion…! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim
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