Archiv für den 10. Januar 2010

Montagsthemen

Donald Duck hätte es gewusst. Die zickige Daisy, seine ewige Heim- und Versuchung, kündigt sich mit Getöse an, macht viel Wind, wirbelt schon vorab alles durcheinander, und wenn sie wieder geht, fragt man: War das alles?
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Dass es kalt ist und schneit, könnte auch an der Jahreszeit liegen. Und damit zum Wintersport und zu einem anderen Tief – dem der deutschen Skispringer. Aber bei denen ist’s wie mit dem Wetter, es kann sich täglich ändern, und in dieser diffizilen Sportart genügt manchmal der Flügelschlag eines Schmetterlings …
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… Schmetterling? Dazu später. Also, das Wetterwendische am Skispringen hatten wir gerade erst am Beispiel des V-Stils angesprochen. Nachtrag: Die Deutschen kamen zunächst gar nicht gut damit zurecht. Vor Olympia 92 in Albertville, also Jahre vor dem Hanni-Hype, kehrte Jens Weißflog zum Parallelstil zurück, wozu sein Trainer, der das DDR-Ka(u)derwelsch noch verinnerlicht hatte, eine Vollzugsmeldung an seine Vorgesetzten schrieb: »Nach einer erforderlichen Leistungsanalyse durch das Umsorgungsteam wurde folgende Entscheidung getroffen, dass Jens Weißflog im Sinne einer erfolgreichen Olympia-Teilnahme seine stileigene Art demonstriert«, also im alten Stil springt, aber immerhin »permanent bemüht ist, eine Flächenvergrößerung anzustreben«.
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»Grusel, grusel«, würde Donald Duck comicstripblasen. Ein bisschen gruselig auch, dass die lieb-brave Magdalena Neuner zärtlich flüstert, »die Waffe ist mein Baby«. Ein nicht ganz ungefährliches, womit gleich eine Leser-Anfrage beantwortet wird: Schießen die Biathleten mit echter Munition? Andrea Henkel hatte mal bei der WM in Pyeongchang beim Training in der Halle ein Reservemagazin in der Waffe vergessen, sie drückte ab, die Kugel brach durch eine Wand und blieb erst in einer Metalltür stecken.
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Niemand wurde verletzt, ein Glück, dass die Fußballer aus Togo nicht hatten. Der Terroranschlag ist kein Thema für unsere leichtgängige Kolumne, daher nur eine sportspezifische Anmerkung: Der Vorfall verstärkt leider die fatale Überheblichkeit der Europäer gegenüber Afrika und speziell seinem Fußball. Erinnerung als Heilmittel gegen deutsche Arroganz: Seles-Attentat. Oder gar München 72.
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Lieber zurück zu Leichterem, und was ist leichter als ein Schmetterling? Und welcher Novalis hat die Verse in der Samstags-Kolumne gedichtet? Einhellige Meinung von Lesern und Kollegen (Danke, »hpg«!): Nicht der Romantiker Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg (1772-1801) war’s, genannt Novalis, sondern Carlo Kages (1951-2002) von der deutschen Rockpopgruppe Novalis. Anne Schröder aus Gießen: »Meinen Schmetterling fand ich vor zwei Jahren auf meinem Pilgerweg nach Ulm in einer Pilgerherberge und konnte zu Hause den Urheber herausfinden. In dem Herbergsbuch waren nur zwei Verse geschrieben, wobei mich der zweite besonders ansprach: ›Wer in sich fremde Ufer spürt, / und Mut hat sich zu recken, / der wird allmählich / ungestört von Furcht / sich selbst entdecken.‹« –Schön.
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Eine andere Dichter-Frage wird derzeit juristisch geklärt: Rummenigge oder Pfeiffer-Klärle? Es geht um diese unvergänglichen Zeilen: »Ich danke Dir, danke Dir ganz doll, weiß gar nicht, was ich sagen soll.« Da käme kein Novalis drauf, darauf muss schon ein Haudrauf wie Rummenigge kommen, der dieses »Gedicht« ohne jede Spur von Ironie vortrug, um bei der Bayern-Generalversammlung seinen Kaiser Franz zu ehren. Metrisch, stilistisch und poetisch aber wohl noch zu kompliziert für einen, der nie als Schmetterling, sondern nur als »Rummelfliege« bekannt war. Daher bediente sich der Bayern-Mitboss im Internet bei einer Gebrauchs-Lyrikerin (aus Hessen! Das tut weh!), die ihre Reime gegen Entgelt anbietet. Nun gibt es zwar keine Klage eines Bayern-Mitglieds auf Schmerzensgeld, aber eine der dichtenden Dame auf Schadensersatz, da Rummenigge weder zahlte noch seine Quelle angab. Ihr Anwalt sieht aus hübschen juristischen Gründen gute Chancen: »Herr Rummenigge trug das Gedicht unter dem Tagesordnungspunkt ›Berichte des Vorstandes der Bayern München Aktiengesellschaft‹ vor. Seine Rezitation war also sehr wohl geschäftlich motiviert und keine private Veranstaltung«.
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Das Gedicht ist kein Gedicht, aber das Drumrum – das ist einfach ein Gedicht! Aber zum Schluss noch einmal zurück zu Daisy beziehungsweise zur Jahreszeit. Borussia-Dortmund-Fans haben mit ihrer BVB-Aktie nicht ganz so viel Freude wie ich als überzeugter Hesse mit meiner ebenfalls lokalpatriotisch gekauften Aktie, mangels Eintracht-Wertpapier jenes Unternehmens aus Kassel, das aktuell den Börsen-Bullen spielt. Kali und Salz! Darauf reimt sich … nein, das wäre ökologisch und theologisch nun doch zu unkorrekt. Außerdem verhält sich mein »K+S«-Depot zur Aktien-Gesamtzahl wie eine Schneeflocke zur flächendeckenden Schneedecke in Deutschland. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, ein Schmetterling keinen Frühling, und eine einzige »K+S«-Aktie auch im Winter noch nicht reich.
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Aber wer ist denn schon reich? »Viele Spitzensportler leben von 600 Euro im Monat«, barmt Sporthilfe-Vorständlerin Franziska van Almsick über die finanzielle Notlage von Weltklasseathleten aus Randsportarten. Die sollen sich mal ein Beispiel nehmen an Madeleine Schickedanz! Die leidgeprüfte Dame gab ebenfalls öffentlich preis, nach der Arcandor-Pleite von nur 600 Euro im Monat leben zu müssen. Und sie bekommt nicht einmal Sporthilfe-Förderung! Also, ihr lieben armen Kanuten & Co. – macht’s wie Frau Schickedanz, verkauft eine eurer Villen in St. Moritz (für 57 Millionen), und schon wird bei Aldi die Tüte wieder voll! (gw)

Veröffentlicht von gw am 10. Januar 2010 .
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