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Klappentext (28.11.2009)

»Kerstin blickt zu ihrem Sohn, aber der hört nicht zu, sondern verfolgt das Geschehen im Fernsehen, und zwar wie immer, wenn Reinhold Beckmann kommentiert, mit abgedrehtem Ton.« Natürlich hat ein Roman, in dem wir einen solchen Satz lesen, beim Beckmann-Allergiker einen dicken Stein im Brett, aber Stephan Thomes »Grenzgang« bietet mehr als diese Abneigungs-Übereinstimmung. Auch dass Hessen der Schauplatz ist, spielt keine lokalpatriotisch beeinflussende Rolle beim Vergleich zweier unterschiedlichster Roman-Debütanten, den Thome deutlich gewinnt. Denn Adam Hasletts »Union Atlantic«, vom Verlag und überregionalen Kollegen (Ausnahme: Matthias Matussek im »Spiegel«) fast hymnisch gepriesen, weckt als Welt-Roman Erwartungen, die er nur halb, der Provinz-Roman aber ganz erfüllt.
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»Stein im Brett«? Die Redewendung kannte man schon im 16. Jahrhundert, sie kommt von einem damals beliebten Brettspiel und taucht literarisch dann erstmals in »Wallensteins Lager« auf (erster Kürassier über Max Piccolomini: »Hat auch einen großen Stein im Brett / Bei des Kaisers und Königs Majestät«). Einen etwas kleineren Stein, aber immerhin ein noch ansehnliches Steinchen im Brett hat Nick Hornby bei Christoph Hoffmann, der sich für seine Besprechung von »Juliet, Naked« einen abrundenden Eindruck holte, indem er eine Lesung des englischen Autors am 10. November in Berlin »live« anhörte und -sah, im Admiralspalast, unweit der Jubiläums-Feierlichkeiten zum zwanzigsten Jahrestag der Wiedervereinigung. Hornby begrüßte die Lesungs-Gäste mit seinem typischen Humor: »Danke für Ihr Kommen, vielen Dank. Ich weiß, es ist ein sehr wichtiger Tag für die Deutschen und vor allem für die Berliner. Die ganze Stadt feiert ein großes Jubiläum: Vor 40 Jahren wurde Jens Lehmann geboren.«
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Haslett (Jahrgang 1970) ist noch keine 40, sein »Kontrahent« Thome sogar noch etwas jünger (1972), im Vergleich zu diesen beiden gehört der imagejugendliche Hornby (Jahrgang 1957) schon zu den ganz alten Hasen der Literatur. Merkwürdigkeit am Rande bei Haslett: »Union Atlantic« wurde am 10. November – also zufällig am Berliner Hornby-Lesungstag – in der deutschen Übersetzung als Weltpremiere vorgestellt, in den USA erscheint das Buch in der Originalsprache erst im Februar 2010. Seltsam. Riecht nach deutschem Testmarkt.
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Apropos Riechen: »Schweiß macht attraktiv« – behaupten Wissenschaftler, die Frauen an männlichem Schweiß schnuppern ließen, worauf diese den jeweiligen Mann sofort attraktiver fanden. Na ja, schon Friedrich Gottlieb Klopstock pries die Qualitäten »des Schweißes der Edlen«.
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Allerdings: Wissenschaftlich stinkt doch da irgendwas ganz gewaltig! Erinnern Sie sich, wie Kevin Kline in »Ein Fisch namens Wanda« die Nase zwischen die Achseln steckte und sich an seinem Schweißgeruch berauschte? Männer, die wirklich glauben, das mache ihnen die Damenwelt williger, unterliegen einem grotesken 77-Jungfrauen-im-Paradies-Missverständnis.
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Nick Hornby brachte in einem SZ-Interview ein weiteres Missverständnis auf den Punkt, das schon viel männliches Herzweh verursacht hat: »Die Unfähigkeit unglücklich verliebter Männer, ihre Chancen real einzuschätzen, und die Sturheit, es dennoch immer wieder zu versuchen«. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle