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Nachgehakt: Frank Schulz bei Amazon

Mit heller Freude beim Online-Versand Amazon einen neuen Roman von Frank Schulz entdeckt. Schulz ist Autor der »Hagener Trilogie« (»Kolks blonde Bräute«, »Morbus fonticuli«, »Das Ouzo-Orakel«), die zwischen 1991 und 2006 erschienen ist. Seitdem warte ich auf einen »neuen Schulz«, richte mich aber angesichts des bisherigen Schulzschen Veröffentlichungstempos auf eine längere Wartezeit ein – und nun ist das Buch plötzlich schon da, heimlich, still und leise, ohne die üblichen Vorankündigungen und Marketing-Aktionen.
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Bei Amazon steht das Buch – Titel: »Über Kalifornien lacht die Sonne« – schon auf Platz 1 der Frank-Schulz-Rangliste. Kein Wunder, die anderen Schulz-Werke haben ihre Haupt-Verkaufszeit ja schon hinter sich. Ein wenig wundere ich mich nur über den »Verlag«: Das Buch erscheint bei »Books on Demand«, dort also, wo jeder Hinz und Schulz »sein« Buch veröffentlichen kann, wenn er will und glaubt, genug Kinder gezeugt und Bäume gepflanzt zu haben. Aber der Online-»Klappentext« beschreibt nicht nur den Inhalt, sondern auch den Verfasser, mit Vita und bisherigen Werken, und das ist eindeutig unter den zigtausend Frank Schulzen in Deutschland »mein« Schulz. Ich bestelle das Buch.
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Nächster Akt: Das, nun ja, Buch ist da. Über Kalifornien lacht die Sonne, aber ich weine: Der Autor hätte besser einen ganzen Wald gepflanzt, statt sich als Schriftsteller unsterblich machen zu wollen. Nein, sorry, das nehme ich zurück: Dieser Frank Schulz, der nicht der meine ist, hat alles Recht der Welt, bei BoD ein Buch zu veröffentlichen. Das ist seine Privatsache, und meist bleibt solch ein Werk auch dort, wo es hingehört: im privaten Raum. Aber wie um alle literarische Welt kommt Amazon (und andere sich auf Amazon beziehende Online-Buchverkäufer) dazu, den falschen Schulz dem richtigen Schulz zuzuordnen?
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Ich maile dem richtigen Schulz, den ich seit einer ausführlichen Vorstellung auf unserer Bücherseite kenne (»Schreiben als tollkühnes Lebenswerk«/8.9.2007): »An Ihrer Stelle würde ich etwas gegen die irrtümliche Zuschreibung unternehmen. Wer Sie noch nicht kennt, aber auf Sie aufmerksam gemacht wird, daher mal ein Buch von Ihnen bestellt, das scheinbar neueste, und dann dieses Dingsda bekommt, wird, wenn ihm das nächste Mal jemand von Frank Schulz vorschwärmt, nur genervt denken: Was haben die denn alle für einen merkwürdigen Geschmack? Für einen hauptberuflichen Schriftsteller sehr geschäftsschädigend, finde ich.«
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Frank Schulz bedankt sich für den Hinweis, schaltet seinen Verlag ein, der schon frustrierende Erfahrungen mit Amazon gemacht hat und mir vorschlägt, per Online-Kontaktformular zu reklamieren: »Wenn Kunden anfangen, sich zu beschweren, ändern die das vielleicht schneller.« – Tun sie nicht, obwohl ich brav reklamiere.
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Wie funktioniert Amazon intern? Automatisch, ohne Fachpersonal, nur mit dem einen oder anderen Programmierer? Arbeiten dort überhaupt echte Menschen? Scheinbar ja – denn nach einigen Tagen lese ich bei Amazon: »Der vorhandene Text auf der Seite des angegebenen Buches entspricht nicht der Autorenvita des Autors, sondern der unseres Autors Frank Schulz, der ein anderer ist. Nach der dritten Beschwerde bei Ihnen hat man uns auf diese Seite verwiesen. Wir bitten Sie, die falsche Autorenvita (die schon einige später enttäuschte Fans fälschlicherweise zum Kauf des Buches geführt hat, was leider Ihren Kunden, Ihnen und unserem Autor schadet) unverzüglich zu entfernen und bei erneuter Unklarheit uns anzurufen und nicht wieder mit einer Mail mit einem Link zu einem Kontaktformular ›weiterzuhelfen‹.«
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Aber anscheinend waren nur scheinbar echte Menschen am Werk. Denn dieses Protestschreiben des Schulz-Verlags wird von der Amazon-Software direkt in den »Klappentext« zum Kalifornien-Buch des falschen Frank Schulz weitergeleitet, wo der interessierte Leser in der Rubrik »Über den Autor« nun statt des bisherigen schriftstellerischen Lebenslaufes von Frank Schulz diesen Text findet, der jedem Uneingeweihten kryptisch bis gagaesk vorkommen muss.
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Zu guter Letzt: Immerhin erfahre ich, dass tatsächlich bald ein neues Buch von »meinem« Frank Schulz erscheinen wird: Ein Band mit Erzählungen, im nächsten Frühjahr, im Berliner Galiani-Verlag. Ich freue mich schon darauf, es kaufen zu können.
In der guten, alten Buchhandlung.
(gw/2.10.2009)

Baumhausbeichte - Novelle