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Klappentext (4.12.2004)

Mein Auto, mein Haus . . . Sie kennen die Werbung. Und nun meine Version.

Urlaub auf einer kleinen, feinen griechischen Insel. Kleine, feine Pension. Zusammen mit uns wohnen hier ein deutsches, ein holländisches und ein griechisches Paar sowie ein englisches mit Oma.

Den Deutschen erzähle ich von vielen Fahrten mit Ägäis-Fähren. Mein Hobby. Da bin ich Kenner. Gönnerhaft frage ich als alter Fähren-Seebär: Und, was macht ihr so im Urlaub? – Ooch, wir warten hier nur auf unsere Yacht. Übermorgen holen wir sie ab, dann schippern wir eine Woche von Insel zu Insel, zu zweit allein auf dem Schiff.

Jetzt zu den Griechen. Da ich vor dem Urlaub gerade die erste Volkshochschul-Stunde Griechisch für Anfänger absolviert habe, versuche ich, das junge Paar, das nur wenig englisch spricht, auf griechisch ins Gespräch zu ziehen. Mit Händen und Füßen, basic english und den drei oder vier bisher gelernten griechischen Vokabeln gebe ich den Polyglotten. Dann hilft mir der Grieche mit einem Wort aus. Er ist Theologe. Hat die Bibel gelesen. Komplett. Auf deutsch. Schämt sich nur ein bisschen beim Sprechen. Weil er zwar perfekt und akzentfrei deutsch spricht, nur seiner Meinung nach leider etwas zu langsam.

Der nette Holländer interessiert sich für meinen Beruf. Journalist? Oh, wie schön! Ein aufregender, verantwortungsvoller Job! Ich wiegle halbherzig ab. Und was machst du so? – Bürojob. Na ja, da muss ich ja wohl nicht groß nachhaken. Später erfahre ich, dass der Bürojob zuletzt darin bestand, ein 500-Millionen-Euro-Projekt der holländischen Luftwaffe zu leiten.

Clive, der Engländer, bittet mich höflich, einen Blick auf meine Digitalkamera werfen zu dürfen. Na klar. Bitte. Ich erkläre ihm die einfachsten Funktionen, weil: Mehr kenne ich nicht. Clive muss erkennen, dass er mit mir nicht fachsimpeln kann. Clive ist Berufsfotograf. Ein sehr erfolgreicher. Spezialität: Opernfotografie. Für Plattencover und so. Mit Rose, seiner Frau, unterhalte ich mich über Musik. Arien. Viel Ahnung habe ich nicht, aber sie wird’s ja wohl kaum merken. Um mich auf einen gewissen Aspekt eines gewissen Liedes hinzuweisen, will sie es anstimmen. Ich denke: O Gott, das kann ja was werden. Rose singt. Herrliche Stimme. Sie ist eine in England bekannte Mezzosophranistin und Gesangslehrerin.

Aber mit Marge, ihrer Schwiegermutter, werde ich ja wohl ein Gesprächsthema finden, bei dem ich auftrumpfen kann. Englische Kriminalromane, da bin ich Experte. Oder genauer: Leser. Kennt sie P. D. James, meine Favoritin? »P. D.?, was bedeutet das?« Na ja, die alte Dame, sie ist 88, kennt sich da wohl nicht aus. Sie ist übrigens Kunstmalerin, immer noch aktiv im Geschäft.

Marge denkt weiter über »P. D.« nach. Mir fällt ein, dass das »P« für Phyllis steht. »Phyllis?« Marge strahlt. Natürlich kennt sie Phyllis Dorothy James – die beiden alten Damen (James ist 84) sind Nachbarn – und die allerbesten Freundinnen.

Und nun würde es mich nicht wundern, wenn auch Sie, liebe Leser, die heute vorgestellten Queens of Crime nicht nur lesen, sondern auch persönlich kennen. Oder mit einer verwandt sind. Oder sind Sie’s sogar selbst, schreiben unter Pseudonym? Nichts ist unmöglich. (gw)

Baumhausbeichte - Novelle